Filderstadt Neubau für den TÜV – was heißt das für die Umgebung?
Schon lang plant das Prüfungsunternehmen, im Gewerbegebiet Bernhausen-West sein Gebäude zu verlassen und nebenan neu zu bauen. Was ist geplant?
Schon lang plant das Prüfungsunternehmen, im Gewerbegebiet Bernhausen-West sein Gebäude zu verlassen und nebenan neu zu bauen. Was ist geplant?
Riesenhaft, grau und weithin sichtbar: Das große TÜV-Süd-Gebäude im Gewerbegebiet von Bernhausen kennt wohl jede und jeder in Filderstadt, immerhin markiert es mehr oder weniger den westlichen Ortseingang. Allerdings stehen Veränderungen an. Schon seit Jahren beschäftigt sich der TÜV mit Umzugsplänen. „Das aktuelle Gebäude aus den 1970er-Jahren entspricht nicht mehr den deutlich gestiegenen Anforderungen an Nachhaltigkeit und an eine gute Arbeitsumgebung“, erklärt der Unternehmenssprecher Thomas Oberst. Neubaupläne stehen daher im Raum. Auch ein Realisierungswettbewerb wurde seitens des Unternehmens durchgeführt.
Nun werden die Ideen konkret. Jüngst hat der Filderstädter Gemeinderat vorbereitenden Schritten für ein sogenanntes vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren mehrheitlich zugestimmt. Das Ganze dreht sich um zwei Grundstücke in unmittelbarer Nähe des jetzigen TÜV-Standorts, sie befinden sich an der Karl-Benz-Straße gegenüber der Polizei. Im Moment sind auf der Fläche laut Thomas Oberst drei Gebäude geplant: ein fünfstöckiges Verwaltungsgebäude, ein Parkhaus und ein Service-Center.
Bei der Stadt Filderstadt läuft das Vorhaben unter dem Namen TÜV-Campus. „Nachhaltigkeitsaspekte spielen sowohl bei der Konstruktion und beim Bau, als auch in der späteren Betriebsphase eine zentrale Rolle, beispielsweise durch Photovoltaik an der Fassade oder Begrünung der Dachflächen“, fügt er an, die Neubauten böten den Mitarbeitenden eine moderne und flexible Arbeitsumgebung.
In Bernhausen arbeiten beim TÜV um die 600 Personen, verteilt auf mehrere Tochtergesellschaften. Künftig könnten es mehr werden, denn laut Thomas Oberst sind die neuen Gebäude auf eine mögliche Erhöhung der Mitarbeiterzahl ausgelegt.
Im Gewerbegebiet Bernhausen-West ist aktuell einiges in Bewegung. Der Spatenstich fürs neue Porsche-Zentrum etwas entfernt beim Flughafen war vor bald einem Jahr, die Eröffnung und damit auch der Umzug von der Karl-Benz- an die Rita-Maiburg-Straße, so hieß es seinerzeit, sind für 2026 geplant. Ideen, wie das Gewerbegebiet nach den anstehenden Veränderungen perspektivisch neu geordnet werden könnte, gibt es seitens der Stadtverwaltung schon eine ganze Weile. Bereits 2021 ist ein Entwicklungskonzept für Gewerbeflächen aufgestellt worden. Es formuliert für Bernhausen-West als künftigen Schwerpunkt die Weiterentwicklung der Automotive-Branche. Die Stadt verspricht sich davon grundsätzlich eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts.
Als kurzfristiges Ziel ist insbesondere die Entwicklung unbebauter Grundstücke benannt, die sich schwerpunktmäßig entlang der Karl-Benz-Straße befinden. „Außerdem bietet der in Ost-West-Richtung durch das Gebiet verlaufende Fleinsbach ein hohes Potenzial zur Naherholung für die Beschäftigten des Gebiets sowie die angrenzenden Wohngebiete“, heißt es im Entwicklungskonzept weiter. Im Zuge eines Gesamtkonzepts könnten der Bach sowie angrenzende Flächen in Einklang mit Natur- und Hochwasserschutz geöffnet und attraktiviert werden.
Bis es so weit ist, wird noch eine gewisse Zeit vergehen. Die Stadtverwaltung geht davon aus, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für den TÜV-Neubau im zweiten Halbjahr 2026 beziehungsweise im ersten Halbjahr 2027 beschließen zu können. Dann erst kann es ans Bauen gehen. Thomas Oberst hatte in einem früheren Gespräch mit dieser Zeitung von einem Umzug Mitte 2028 gesprochen. Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist unklar.
Ebenso ungeklärt sind auch zwei weitere Dinge: zum einen, was mit dem jetzigen Standort nach der Räumung passiert, und zum anderen, wo der Zirkus, der seit geraumer Zeit immer am Jahresende an der Karl-Benz-Straße gastiert, künftig seine Zelte aufschlagen wird. Fakt ist: Er wird ebenso weichen müssen wie ein Parkplatz an der Straße. Thomas Oberst sagt: „Ja, das ist so.“
Infrastruktur
TÜV Süd ist mit seinen mehr als 30 000 Mitarbeitenden – etwa die Hälfte davon in Deutschland – eines der führenden Prüf- und Zertifizierungsunternehmen weltweit. Das Gebäude im Gewerbegebiet von Bernhausen ist der zweitgrößte deutsche Standort nach München.
Bernhausen
Hier arbeiten um die 600 Personen, verteilt auf mehrere Tochtergesellschaften, etwa die TÜV Süd Industrie Service GmbH. Vor Ort befinden sich ein Verwaltungsgebäude mit integriertem Labor sowie das Service-Center, wo man ganz klassisch mit seinem Auto die Haupt- und Abgasuntersuchung machen lassen kann.