Filderstadt Protestwelle gegen geplantes Flüchtlingsheim in Harthausen

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Die Nachbarschaft geht gegen die geplante Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber im Stadtteil Harthausen auf die Barrikaden. Die Anwohner wollen das Projekt verhindern.

Gegner der Asylbewerber-Unterkunft vor dem Bauzaun des ins Auge gefassten Areals Foto: Sascha Schmierer
Gegner der Asylbewerber-Unterkunft vor dem Bauzaun des ins Auge gefassten Areals Foto: Sascha Schmierer

Filderstadt - Die geplante Flüchtlingsunterkunft am Rand von Harthausen löst in der Bevölkerung des Filderstädter Stadtteils große Ängste aus. Befürchtet wird, dass mit der Unterbringung von bis zu 100 Asylbewerbern an der Robert-Bosch-Straße ein sozialer Brennpunkt entsteht. „Bei einer so geballten Ansammlung können Frauen sich nicht mehr auf die Straße trauen“, bringt ein Anwohner die Sorgen in der Nachbarschaft auf den Punkt.

Die Verunsicherung der Bürger ist mit Händen zu greifen. „Wer hilft uns, wenn es zu Übergriffen kommt?“, fragt eine Nachbarin in den Raum, als sich die Anwohner am Donnerstag treffen. Längst ist durch-gesickert, dass der Landkreis Esslingen die Fühler nach Harthausen ausgestreckt hat. Eine nach einem gerichtlich erzwungenen Baustopp vor sieben Jahren unvollendet vor sich hin gammelnde Bauruine soll bis Jahresende zu einem Flüchtlingsheim umgewandelt werden. Gedacht ist an Modulbauweise, spätestens 2016 sollen zwischen 80 und 100 Flüchtlinge in der neuen Unterkunft eine vorübergehende Bleibe finden.

Bedenken wegen Standort und Größe der Unterkunft

Gegen die Pläne erhebt sich vor Ort eine Welle des Protests. Von „Ghettobildung im Gewerbegebiet“ ist die Rede, betroffene Bürger wollen sich notfalls juristisch gegen die Gemeinschaftsunterkunft zur Wehr setzen. „Wir haben massive Bedenken, wie es mit unserem Umfeld und unserer Lebensqualität weitergeht“, betont Werner Arnold. Der Chef der 350 Mitarbeiter starken Isoliertechnik-Firma stört sich wie seine Mitstreiter am Standort und der Größe der geplanten Unterkunft. „Asylbewerber gehören nicht in ein Gewerbegebiet am Ortsrand. Wie soll Integration denn gelingen, wenn die Menschen ins letzte Eck abgeschoben werden?“ fragt er.

Schon Wochen vor dem für den 11. Mai in der Jahnhalle geplanten Infoabend hat sich eine Interessengruppe gegen das geplante Flüchtlingsheim gebildet. „Mündige Bürger“ nennt sich die Initiative aus der Nachbarschaft. Sie trägt die Bedenken der Anwohner zusammen und will auf dem Wochenmarkt künftig auch Unterschriften gegen das Projekt sammeln.

Die Auflistung schriftlicher Stellungnahmen umfasst inzwischen Dutzende von Seiten – Landwirt Peter Schweizer hält es für undenkbar, den Bauernhof der Familie gegen unbefugtes Eindringen zu sichern, sein Nachbar Helmut Vogel fürchtet, dass es bei Obst und Gemüse nichts mehr zu ernten gibt. Existenzsorgen treiben auch Karin und Albrecht Letterer um, die eine Fahrschule betreiben. „Wir machen uns große Sorgen, dass sich minderjährige Schüler noch zu uns trauen“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Fahrradhändler Jörg Roßricker beklagt schon jetzt die hohe Zahl von Diebstählen und fürchtet, dass seine bisherige Kundschaft lieber einen Bogen um seinen Laden macht.

Kritik von der Fahrschule bis zum Fahrradhändler

Ähnlich kritisch äußern sich die Gelenkwellenfirma Klein mit 110 Mitarbeitern und der Metallveredler Thegis. Für Werner Arnold wirken sich die Gedankenspiele um das Flüchtlingsheim direkt auf Firmen-pläne aus. „Eigentlich wollten wir hier am Standort erweitern und zwischen 30 und 50 neue Arbeitsplätze schaffen. Aber das Vorhaben verwerfen wir wieder, wenn die Asylbewerber-Unterkunft kommt. Kein Mensch kann garantieren, dass vor allem unseren weiblichen Beschäftigten auf dem Weg zur Arbeit nichts passiert“, sagt er.

Allerdings: In die „braune Ecke“ wollen sich die Gegner des Flüchtlingsheims nicht stellen lassen. „Mit Fremdenfeindlichkeit haben wir nichts zu tun“, heißt es. Die Bürger vermissen vielmehr ein schlüssiges Konzept, wie die Flüchtlinge dezentral im Stadtgebiet aufgenommen werden können. „Ausgerechnet die beiden kleinsten Stadtteile sollen die Hauptlast bei der Unterbringung der Asylbewerber tragen“, beklagt Werner Arnold. Dabei sei gerade die mit 160 Flüchtlingen belegte Sielminger Unterkunft ein Beispiel, „wie die Unterbringung von Flüchtlingen nicht gut funktioniert“.




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