Start-Up Synapticon aus Filderstadt Über Umwege ins Silicon Valley

Von Götz Schultheiss 

Das Start-up-Unternehmen Synapticon hat seinen Sitz von Plattenhardt nach Schönaich verlegt. Die Firma brauchte mehr Platz und konnte nicht auf den Startschuss fürs „kleine Silicon Valley“ von Filderstadt warten. Ein späterer Umzug sei jedoch nicht ausgeschlossen.

Synapticon-Geschäftsführer Nikolai Ensslen Foto: Horst Rudel
Synapticon-Geschäftsführer Nikolai Ensslen Foto: Horst Rudel

Filderstadt - Gewiss, Filderstadt ist eine gute Adresse. Die Stadt im Zentrum der Filder bietet viele Möglichkeiten. Sie glänzt mit einem Bildungsangebot mit allen Schularten, Kitas, der Musikschule Filum, dem Kulturtempel Filharmonie, der Kunstschule mit breitem Angebot, dem Erlebnisbad Fildorado und dazu noch als Sahnehäubchen für Wanderer und Radfahrer mit einer reizvollen Landschaft mit Streuobstwiesen. All das ist eigentlich das ideale Umfeld, das sich Unternehmen für ihre Mitarbeiter wünschen. Brauchte es noch einen Beleg dafür, dann könnte es der Premium-Textil-Hersteller Hugo Boss sein, der sich in Filderstadt niedergelassen hat.

Die junge Firma baut, was Roboter bewegt

Gleichwohl, bereits am 1. Januar ist das Start-Up-Unternehmen Synapticon vom Gebäude der Sammlung Domberger an der Uhlbergstraße im Stadtteil Plattenhardt nach Schönaich gezogen und hat auch Räume in Steinenbronn gemietet. Die Firma produziert Kontroll-Systeme und Software für Roboter, also Steuerungslösungen vor allem für die Hersteller von Industrie-Robotern, die sich aus Modulen wie beim Lego-Baukasten zusammensetzen lassen. Mit ihnen können mit entsprechender Software aber auch beispielsweise Rasenmäher oder Elektrofahrräder bewegt werden.

Langsam lüftet sich nun der Schleier, der bisher über den Beweggründen für den Umzug des IT-Unternehmens um Geschäftsführer Nikolai Ensslen gelegen hatte. Spekulationen, der Firma habe der Standort in Filderstadt möglicherweise missfallen, erteilen die Wirtschaftsförderung der Stadt und das High-Tech-Unternehmen selbst klare Absagen.

„Wir haben immer noch die stille Hoffnung, dass der Betrieb in den kommenden Jahren in unser Filder-Airport-Areal hineinwächst“, sagt Filderstadts Wirtschaftsförderer Patrick Rapp. Das Bernhausener Filder-Airport-Areal, das früher noch bescheiden „Hinter’m Wiesle“ hieß, ist in Oberbürgermeister Christoph Traubs Worten „Filderstadts kleines Silicon Valley“. Dort, beim Luftfrachtzentrum an der Nord-West-Umfahrung, sollen sich zukunftsträchtige Unternehmen ansiedeln. Dem Vernehmen nach beginnen dort Ende März die Bauarbeiten. Die Stadt hält sich bisher allerdings noch bedeckt. Für Patrick Rapp aber steht fest: „Wir hoffen, dass wir Unternehmen wie Synapticon dort eine Heimstatt geben können.“

Kein böses Blut wegen des Umzugs

Wegen des Umzugs von Synapticon nach Schönaich, sagt Patrick Rapp, habe es „kein böses Blut“ gegeben: „Das Unternehmen kam aus Gruibingen aus dem Landkreis Göppingen zu uns und hat sich am 1. Februar 2015 bei uns angemeldet.“ Der Umzug sei eine Entscheidung für eine Immobilie gewesen. Viele Start-up-Unternehmen geben schnell wieder auf oder dümpeln vor sich hin. „Bei wenigen von ihnen, und dazu zählt Synapticon, ist der Erfolg gleich so groß, dass sie rasant wachsen und rasch große Immobilien für Büros, Labor und Werkstatt brauchen“, sagt der Wirtschaftsförderer. Synapticon, verdeutlicht Rapp, habe deshalb einfach nicht warten können, bis ein Neubau auf dem Filder-Airport-Areal fertig gewesen sei: „Es war eine rasche Entscheidung für eine Immobilie.“ Die Wirtschaftsförderung der Stadt habe von Anfang an guten und einvernehmlichen Kontakt zu dem Unternehmen gehabt.

Die Aussagen des Filder­städter Wirtschaftsförderers werden vom Unternehmen bestätigt. „Technische Gründe und Platzgründe haben den Standortwechsel nach Schönaich erzwungen. Wir haben einfach zu schnell viele Mitarbeiter bekommen“, sagt Dennis Gottwald, der Assistent der Geschäftsleitung. Es spreche sicher nichts dagegen, später einmal auf das Filder-Airport-Areal zu ziehen. „Jetzt aber haben wir ein Gebäude gefunden, von dem wir meinen, dass es auch vom Äußerlichen her zu uns passt“, sagt Gottwald.

Auch von Schönaich aus sei die Nähe zur Infrastruktur, also zu den Autobahnen in alle Richtungen und zum Stuttgarter Flughafen, gegeben. Das Neu-Schönaicher Unternehmen bräuchte theoretisch keinen Sitz in Filderstadts kleinem Silicon Valley. Es ist nämlich mit einem Büro in Redwood City im westlichen US-Bundesstaat Kalifornien präsent und damit dem echten Silicon Valley schon ziemlich nahe.