Filderstadt Volles Kursangebot in zu wenig Räumen

Integrationskurse bestehen im Wesentlichen im Erwerb der deutschen Sprache. Und für diese Kurse fehlt der Platz. Foto: dpa-Zentralbild
Integrationskurse bestehen im Wesentlichen im Erwerb der deutschen Sprache. Und für diese Kurse fehlt der Platz. Foto: dpa-Zentralbild

Durch die Integrationskurse für Flüchtlinge platzt die Volkshochschule Filderstadt aus allen Nähten. Wir verraten, welche Lösungen sie dafür findet.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Filderstadt - Rund zehn Dozenten geben derzeit in der Filderstädter Volkshochschule (VHS) Integrationskurse, zum großen Teil für Flüchtlinge. Von 24 Modulen im Jahre 2014 hat sich das Angebot durch die zunehmende Zahl der Flüchtlinge auf 38 Module gesteigert. Durch den enormen Anstieg des Angebots herrscht große Raumnot. „Wir greifen nach jedem Strohhalm, der sich uns bietet“, sagt Claudia Vöhl, die Leiterin des städtischen Amts für Bildung, Kunst und Kultur.

Chancen auf zusätzliche Räume, sagt Claudia Vöhl, eröffneten sich bisweilen durch private Kontakte von Dozenten. „Der Mitarbeiter singt im Kirchenchor und erfährt von einem Raum der Kirchengemeinde, der nicht rund um die Uhr belegt ist. Er gibt die Information an uns weiter und wir fragen sofort nach“, erzählt Claudia Vöhl. Die Möglichkeiten städtischer Räume seien „komplett ausgeschöpft“. Verhandlungen, die bald mit einer Kirchengemeinde begännen, eröffneten der VHS einen Hoffnungsschimmer. Jüngst hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Filderstädter Gemeinderat, Walter Bauer, vorgeschlagen, auch gezielt leer stehende Geschäftsräume, die es leider vor allem in Plattenhardt gebe, in Erwägung zu ziehen. „Darum kümmern wir uns ebenfalls. Aber die Räume müssten auf Kurstauglichkeit umgebaut werden. Räume von Kirchengemeinden sind meist sofort nutzbar“, entgegnete damals Claudia Vöhl.

Deutsch-Dozenten habe die VHS genügend akquiriert. Sie alle haben sich weiterbilden müssen, um das Zertifikat des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) für die Sprachkurse zu bekommen zu bekommen. „Diese Zusatzqualifikation ist mit mehreren hundert Stunden eine große Hürde. Oft waren zwölf Monate lang keine Kursplätze frei, und die Dozenten haben ihre Ferien für Blockunterricht geopfert“, erzählt Claudia Vöhl. Das alles könne aber bald wieder überholt sein: „Das Bundesamt muss nur mal wieder einen neuen Kurs definieren, und schon reicht die Qualifikation nicht mehr aus.“

Mit Sprachniveau B1 den Alltag meistern

Vom Bundesamt gefördert werden Sprachkurse bis zum Niveau B 1, das es ermöglicht, Alltagssituationen zu meistern. Auch zwei Alphabetisierungskurse für Teilnehmer, die kein einziges Alphabet gelernt haben und für Menschen, die zum Beispiel die arabische Schrift kennen, aber das lateinische Alphabet nicht, gehören zum Angebot der VHS Filderstadt. Im April hat ein Kurs mit 13 Teilnehmern begonnen. „Sie beherrschen mittlerweile das Alphabet und haben mit dem regulären Anfängerbuch des Deutsch-Kurses begonnen“, sagt Bettina Spitzenberger, die VHS-Fachbereichsleiterin für Sprachen. Ein weiterer Alphabetisierungskurs beginnt mit zehn Teilnehmern am 7. Juli. Die beiden Kurse werden vom Bamf gefördert.

Ein kompletter Integrationskurs bis zum Niveau B 1 besteht aus Modulen zu jeweils 100 Unterrichtsstunden. Für jedes Modul muss sich der Teilnehmer neu anmelden“, sagt Claudia Vöhl. In den Genuss der Bamf-Förderung kommen Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak, Somalia und Eritrea. Afghanen gehen leer aus. „Afghanistan gilt als sicheres Herkunftsland, und Flüchtlinge dürfen dorthin abgeschoben werden“, sagt die Volkshochschulleiterin. Weil es aber dennoch Flüchtlinge aus Afghanistan in Filderstadt gibt, hatte es für sie ebenfalls einen Sprachkurs gegeben. Er wurde aus einem anderen Fördertopf und mit Mitteln des Arbeitskreises Asyl finanziert, damit auch diejenigen, die vom Bamf nicht unterstützt werden, Deutsch lernen können.

So viele Deutsch-Prüflinge wie noch nie

Was die Qualifikation ihrer Dozenten anlangt, könnte die VHS noch weitergehen. „Wir könnten auch Kurse für das Sprachniveau B2 anbieten“, sagt Claudia Vöhl. Mit B2 ist das Sprachniveau erreicht, das eine Berufsausbildung ermöglicht. „Wir müssen erst einmal sehen, wie viele Teilnehmer bis B-1-Prüfung bestehen. Die Prüfungen stehen Ende Juli/Anfang August an: „Da haben wir 90 bis 100 Prüflinge in zwei Tagen, fast doppelt so viele wie noch vor 18 Monaten. Wenn wir das Raumproblem gelöst haben, könnten sie mit B2 weitermachen.“




Unsere Empfehlung für Sie