Filderstadt Woher kommt das Millionen-Minus der Filharmonie?

Die Filharmonie macht Minus – trotz steigender Besucherzahlen. Foto: Caroline Holowiecki

Der Wirtschaftsplan der Filderstädter Filharmonie weist für 2026 und 2027 Fehlbeträge im Millionenbereich aus. Warum ist das so? Und: Was ist Kultur wert?

Die fetten Jahre sind vorbei. Filderstadt steuert auf finanziell herausfordernde Zeiten zu. Derzeit laufen die Gespräche um den Doppelhaushalt für 2026 und 2027, und die Aussichten sind mager. Filderstadt rutscht finanziell deutlich ab und wird keinen ausgeglichenen Haushalt vorlegen können. Gründe: sinkende Steuereinnahmen bei viel zu hohen Ausgaben. In der Konsequenz sieht der Haushaltsplanentwurf für 2025 bis 2027 Kreditaufnahmen von insgesamt 107 Millionen Euro vor.

 

Sparen ist angesagt, jeder Posten kommt unter die Lupe. Besonders viel kostet die Filharmonie. Der Wirtschaftsplan 2026/2027 für den städtischen Eigenbetrieb weist Fehlbeträge von knapp 2,2 sowie mehr als 2,8 Millionen Euro aus. Einnahmen – gut 1,1 Millionen Euro pro Jahr – generiert das Mehrspartenhaus aus Eintrittsgeldern und aus Vermietungen. Dem stehen Ausgaben in Höhe von bis zu vier Millionen Euro gegenüber – für Personal, Gagen, Nebenkosten, vor allem aber für die Instandhaltung des mehr als 30 Jahre alten Gebäudes. „Seit der Pandemie investieren wir ins Haus“, sagt Helene Sonntag, die Geschäftsführerin. Beleuchtung, Sanitäranlagen und auch das Parkett sei man schon angegangen, nun stehe beispielsweise die Bühnenmaschinerie an. „Unser Ziel ist, das Haus Stück für Stück instand zu halten, um einen Investitionsstau zu vermeiden“, sagt sie.

Grüne wollen Zuschüsse für Filharmonie deckeln

Entsprechend hoch sind die Kosten. Bereits im Wirtschaftsplan 2024/25 waren ähnliche Fehlbeträge ausgewiesen gewesen. Der tatsächliche Verlust belief sich auf jeweils knapp zwei Millionen Euro. Das sorgt mittlerweile auch im Gemeinderat für Unruhe. Die Fraktion der Grünen hat angesichts der angespannten Finanzlage beantragt, den städtischen Zuschuss zum Ausgleich des Fehlbetrags der Filharmonie zunächst für 2026 und 2027 auf jeweils zwei Millionen Euro zu deckeln. Zwar freue man sich über den Zuspruch fürs kulturelle Angebot, das Minus „kann jedoch nicht, wie erhofft, von den Erlösen aus Vermietungen aufgefangen werden. Inzwischen sind die Aufwendungen für die Instandhaltung des Gebäudes und der technischen Anlagen derart gestiegen, dass insgesamt eine Lösung gefunden werden muss, wie planvoller umgegangen werden kann“.

Helene Sonntag und Jens Theobaldt, der zuständige Bürgermeister, hören diese Aussagen nicht gern. Die Filharmonie-Chefin stellt sogleich klar, dass die Erträge aus den Vermietungen höher seien als die Aufwendungen für den Kulturbereich. „Wir haben kein marodes Haus“, betont zudem Jens Theobaldt. Er bekräftigt, dass Bildung und Kultur in Filderstadt einen hohen Stellenwert haben, „dazu gehört ein eigenes Kulturprogramm“. Kultur sei wichtig für die Lebensqualität, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, zudem sei es ein weicher Standortfaktor. Will heißen: Filderstadt leistet sich die Filharmonie und das dortige Programm gern.

Angebot der Filharmonie kommt gut an

Gut 30 Veranstaltungen enthält das städtische Kulturprogramm in der aktuellen Spielzeit. Hinzu kommen etliche Termine für Kinder. Grundsätzlich kommt das, was Jahr für Jahr an Konzerten, Shows, Theateraufführungen oder Comedy zusammengestellt wird, gut an. In der Spielzeit 2024/2025 konnte die Filharmonie um die 11 500 Besucherinnen und Besucher begrüßen. Ein Jahr zuvor waren es noch 9500 gewesen. Auch die Kulturabonnements liefen gut, war bei der Vorstellung des Programms im vergangenen Sommer zu hören. Im Wahlabonnement habe man zuletzt eine Auslastung von 81 Prozent erreicht, bei den Kindern seien es gar 96 Prozent.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Filderstadt Veranstaltung