Am Bodenseehafen und im Konzilhaus im Konstanz zeigte der Filderstädter Künstler Volker W. Hamann am vergangenen Wochenende im Rahmen einer Gruppenausstellung seine ungewöhnliche Kunst. „Dort erreichen wir ein internationales Publikum“, sagt der Steinbildhauer über das Projekt, in dem Kunstschaffende aus unterschiedlichen Disziplinen ihre Arbeiten präsentierten. Seine farbenfrohe Sägekunst auf Plexiglas-Platten ist nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen Technik reizvoll.
Was verbirgt sich hinter der von ihm stetig weiterentwickelten Sägekunst, die er Vibscor nennt? Die Idee sei ihm bei einem Arbeitsaufenthalt in Australien gekommen, sagt Hamann. „Nachdem ich viele Jahre als Holzbildhauer tätig und der Umgang mit Kettensägen für mich selbstverständlich geworden war, kam mir folgender Gedanke: nimm eine dicke Plexiglasplatte und schneide mit einer Kettensäge Skizzen tief in diese Platte ein“, erläutert er das Verfahren.
Diese Einschnitte können von der anderen Plattenseite betrachtet werden und sind dreidimensional nach vorne gerichtet. Im Anschluss bemalt er die Plexiglas-Platten mit selbst hergestellten Farben. Damit hatte er schon zuvor seit mehr als zehn Jahren auf Holz experimentiert. Die Pigmente, die er zur Herstellung der Farben nutzt, haben nach seinen Worten „die Eigenschaft, dass sich je nach Betrachtungswinkel, Standort und Licht, die Farbigkeit zum Teil extrem verändert.“ Mit der Wahrnehmung der Betrachter zu spielen, das reizt den Künstler.
Filigranes Spiel mit dem störrischen Material
In seinen frühen Jahren hat der 62-jährige Bildhauer Kunstwerke mit einer riesigen Kettensäge aus Holzstämmen geschaffen. Einige dieser Figuren, die archaisch und grob anmuten, sind noch in seinem Atelier in der Steinackerstraße in Köngen zu sehen. Der Sägekunst ist Volker W. Hamann treu geblieben. Allerdings sind die Sägeblätter inzwischen sehr viel kleiner und feiner geworden. Das filigrane Spiel mit dem störrischen Material reizt den Künstler. Die Effekte, die er so erzeugt, sind reizvoll. Ein Bild in Blautönen fixiert die Betrachter wie ein Auge. Doch Hamann verfremdet das bekannte Objekt, baut in die Linienführung feine Unebenheiten ein. Seine Lust, neue Blickwinkel zu erschließen, macht seine Arbeiten interessant.
Als freischaffender Künstler hat Hamann in der regionalen Szene schon seit Jahrzehnten einen guten Namen. Die Liste der Stipendien und Auszeichnung, die er über die Jahre erhalten hat, liest sich eindrucksvoll. Von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künstle wurde er ebenso gefördert wie von der Zeppelin-Kunststiftung in Friedrichshafen. Von 2004 bis 2007 war er Stipendiat des Landkreises Esslingen. Damals arbeitete er in einem der Ateliers im Dettinger Park. Dennoch sei es auch für ihn schwer, seine wirtschaftliche Basis zu sichern. Da gehe es ihm wie vielen seiner Künstlerkolleginnen und -kollegen. Deshalb freute sich der Bildhauer sehr, dass er bis November ein Arbeitsstipendium der Rainer-Beck-Stiftung in Leinfelden-Echterdingen hatte. An der Auswahl für dieses Förderprogramm ist der Kunsthistoriker Tobias Wall beteiligt. „Solche Freiräume für unsere Arbeit sind unverzichtbar“, ist Hamann überzeugt.
Dass der Unternehmer Beck die gesellschaftlich wichtige Aufgabe der Kunstförderung anpackt, findet Hamann gut. Denn er sieht auch Fehler im System. Viele seiner jungen Kolleginnen und Kollegen hätten kaum die Chance, sich einen Namen zu machen, da ihnen die Existenzgrundlage fehle. Ausdrücklich lobt er deshalb die Kunstförderung des Landkreises Esslingen, der mit dem Stipendiatenprogramm im Dettinger Park vorbildliche Arbeitsbedingungen schaffe.
Bei der mehrtägigen Gruppenausstellung vor der reizvollen Kulisse des Bodensees hat Volker W. Hamann nicht nur den direkten Kontakt mit den Besuchern genossen. Auch der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Disziplinen ist für ihn spannend und inspirierend.
Im regen Austausch mit Künstlerkollegen
Deshalb freut er sich auf das Bildhauer-Symposium der Kulturregion Stuttgart in Filderstadt, das am 7. September im Forstbetriebshof Weilerhau in Plattenhardt beginnt. Bis 15. September arbeiten die Kunstschaffenden dort mit dem Stuttgarter Professor Georg Schumacher an eigenen Werken. Da es Hamann gefällt, stetig Neues zu wagen, will er in der Woche an einem besonderen Projekt arbeiten.
In seinem Köngener Atelier zeigt er dazu bereits einen kleinen Vorgeschmack. Auf einem Tisch mit einer weißen Decke sind Teller angerichtet. In der Mitte liegt eine Scheibe Brot. Das sieht auf den ersten Blick nach einer Alltagsszene aus. Doch bei genauem Hinsehen wird deutlich, dass das Lebensmittel vergoldet ist. „Teller, Tisch und Haus sind die Themen, denen ich mich in der Woche künstlerisch annähern möchte.“ Wie das genau aussieht, kann er noch nicht sagen. Da sei er noch in der „gedanklichen Findungsphase“, sagt er lachend. Fest steht für ihn schon jetzt, dass Nachhaltigkeit in der Kunstproduktion für ihn ein großes Thema ist. Bei dem Projekt werde er auf ältere Schichtholzarbeiten zurückgreifen.