Olga und Martin Fogl – nach Martins plötzlichem Tod steht Olga alleine da. Foto: privat/Familie
Martin Fogl aus Filderstadt ist unerwartet an den Folgen einer Krebs-OP gestorben. Seine Frau steht nun alleine da – die Familie versucht, mit einem Spendenaufruf zu helfen.
Alles mögliche hatte sich Olga Fogl für ihren Geburtstag gewünscht oder vorgestellt – nur nicht das, das Allerschlimmste: Ihr Mann Martin Fogl ist mit 59 Jahren gestorben, unerwartet, nachdem die Prognosen zuvor noch gut gewesen waren.
Aber von vorne: Martin Fogl bekam im Herbst 2025 die Diagnose Krebs – ein Tumor war in der Lunge festgestellt worden. „Er ist positiv an die Sache herangegangen, wie an alles“, erzählt sein Bruder Andreas. Martin unterzog sich einer Chemotherapie, kurz vor Weihnachten war die letzte Sitzung. Mitte Februar dann der OP-Termin im Klinikum Esslingen, um den Tumor zu entfernen: „Wir bekamen zunächst die Rückmeldung, die OP sei gut verlaufen, und es gehe ihm gut“, erinnert sich Andreas Fogl.
Nach der ersten Operation sei dann aber noch eine zweite notwendig geworden, weil es Komplikationen gab: „Martin hatte Atemprobleme.“ Der Tumor sei zwar klein gewesen, aber habe an einer ungünstigen Stelle der Lunge gelegen, schließlich musste ein Lungenflügel komplett entfernt werden. Am 15. Februar, einem Sonntag, habe sich die Familie im Krankenhaus eingefunden, „da haben die Ärzte schon gesagt: Es sieht nicht gut aus, wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“
Martin Fogl hatte bis zuletzt Hoffnung
Martin Fogl starb an diesem Sonntag, seine Organe versagten. „Er ist aus der Narkose nicht mehr aufgewacht“, sagt Andreas Fogl und kämpft mit den Tränen. Es sei nicht absehbar gewesen, „und Martin selbst war bis zum Schluss positiv eingestellt und hatte Hoffnung.“ Die Familie war am Boden zerstört, die Geschwister, Martins Frau Olga, die Mutter. „Es war furchtbar, es unserer Mutter sagen zu müssen“, erinnert sich Andreas Fogl.
Die Lücke, die der Bruder hinterlasse, sei unermesslich. „Martin war ein lebensfroher Mensch, der jeden Raum mit seiner positiven Art erfüllte. Freunde nannten ihn liebevoll Balu, weil er immer für andere da war und mit seinem Humor Menschen zum Lachen brachte.“ Er spielte seit Jahren begeistert Darts, tat das in seiner Plattenhardter Lieblingskneipe. „Wir sind in Filderstadt aufgewachsen“, erzählt Andreas Fogl, der mittlerweile in Esslingen lebt, Martin und Olga lebten gemeinsam in Plattenhardt.
Martin hat bei der Universität Hohenheim in Stuttgart-Plieningen im Campusservice und Hausmeisterdienst gearbeitet. „Seine Hilfsbereitschaft, seine kollegiale Aufgeschlossenheit und seine Passion für seine Tätigkeit wurden in den zehn Jahren seiner Beschäftigung sehr geschätzt“, schreibt die Universität in der Todesanzeige für ihn.
Darts war eine Leidenschaft von Martin Fogl. Foto: picture alliance/dpa
Für Olga Fogl ist an jenem Sonntag eine Welt zusammengebrochen. „Für mich ist das die schwerste Zeit meines Lebens“, schreibt Olga unserer Zeitung, zum Telefonieren fühlt sie sich nicht in der Lage, auch das Nachrichtenschreiben muss sie immer wieder unterbrechen, um sich zu beruhigen. „Er war ein guter Mensch und wird für immer in meinem Herzen bleiben. Wir hatten so viele Pläne für unsere Zukunft, doch sie haben sich nicht erfüllt.“
2012 haben sich die beiden kennen gelernt, 2013 haben sie geheiratet. „Es war für beide die große Liebe, das konnte man sehen“, sagt Andreas Fogl. Auch Olga erzählt das. „Er erinnerte sich an alle Termine unserer Beziehung, und zu jedem Anlass gab es so schöne Geschenke und viele Blumen.“
Olga berichtet vom Dartsspielen, das ihr Mann liebte, er kochte und backte auch gern, und Olga kümmerte sich um die Pflanzen im gemeinsamen Heim. Olga stammt aus der Ukraine und hat dort auch Familie, die mitten im Kriegsgeschehen durchkommen muss. „Täglich heulen dort die Sirenen, es ist furchtbar beängstigend.“ Martin und sie hätten die Familie besucht und so gut wie möglich versucht, zu helfen.
Was die ganze Situation noch schlimmer macht: Die beiden haben eine Eigentumswohnung gekauft, um sich fürs Alter abzusichern. Olga, die als Erzieherin in einer Kita in Leinfelden-Echterdingen arbeitet, kann die Raten alleine kaum abbezahlen, dazu kommen frühere Schulden Martins sowie die Kosten für die Beerdigung. Martins Brüder wollen helfen, haben dazu unter anderem einen Spendenaufruf bei GoFundMe gestartet.
„Jeder Beitrag – egal wie klein – hilft Olga, diese schwere Zeit zu überstehen“, schreibt Andreas Fogl bei GoFundMe. „Ich möchte mich jetzt schon bei allen für ihr Mitgefühl, ihre Hilfe und die tröstenden Worte bedanken“, schreibt Olga dazu an unsere Zeitung. „Mein Bruder hätte nie gewollt, dass Olga so kämpfen muss“, sagt Andreas Fogl, „ihm war immer wichtig, dass es seiner Frau gutgeht. Aber niemand, auch er nicht, hat mit dem gerechnet, was passiert ist.“