Filip Kostic und Marco Friedl Dürfen Fußballprofis streiken?

Der Frankfurter Filip Kostic will einen Wechsel zu Lazio Rom erzwingen. Foto: imago/Kessler-Sportfotografie

Der Ex-Stuttgarter Filip Kostic lässt das Training bei Eintracht Frankfurt sausen, um einen Wechsel zu erzwingen. Marco Riedl fehlt beim Spiel von Werder Bremen. Wie ein Sportrechtler die Fälle beurteilt.

Frankfurt - Rückt das Ende der Wechselperiode (31. August) in den Fußballligen näher, dreht sich das Transferkarussell bekanntlich noch mal deutlich schneller als in den Wochen davor: Clubs, die kurz vor knapp eine Einigung erzielen und sich über üppige Transfererlöse freuen. Oder Vereine, die händeringend nach Spielern suchen. Und dann gibt es die Fußballer, die schnell noch zu ihrem Wunschverein wechseln wollen, manche von ihnen mit fraglichen Mitteln.

 

Sportrechtsexperte: „Spieler haben kein Streikrecht.“

Einer der bekanntesten Fälle aus der Vergangenheit ist der des Ex-Dortmunders Ousmane Dembélé: Das Toptalent erschien nicht mehr zum Training, um sich zum spanischen Topclub FC Barcelona zu streiken. In der jetzigen Transferperiode machen zwei andere Fußballer in Deutschland Negativschlagzeilen: der Ex-Stuttgarter Filip Kostic, der beim Abschlusstraining von Eintracht Frankfurt vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld (1:1) unentschuldigt fehlte. Mit dem Ziel, einen Wechsel zum italienischen Erstligisten Lazio Rom zu erzwingen. Oder Marco Friedl von Zweitligist Werder Bremen, der das Spiel gegen Hansa Rostock (3:0) sausen ließ, um vor Transferende doch noch ins Oberhaus zum 1. FC Union Berlin wechseln zu können.

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Streikende Fußballer? Ist so etwas rechtlich überhaupt zulässig? „Landläufig wird das streiken genannt, aber eigentlich ist es Arbeitsverweigerung. Die Spieler haben kein Streikrecht“, erklärt der Stuttgarter Rechtsanwalt und Sportrechtsexperte Marius Breucker. Kostic und Friedl würden „Vertragsbruch“ begehen, wenn sie dem Training oder Spiel fernbleiben. „Ein Spieler sollte sich zur Verfügung stellen, solange er bei uns unter Vertrag steht“, machte auch Bremens Sportchef Frank Baumann im Fall von Friedl deutlich.

Mit Geldstrafen den Spieler wieder zum Training bringen?

Die Vereine könnten mit verschiedenen Möglichkeiten auf „streikende“ Profis reagieren, sagt Breucker. Ob die am Ende aber helfen, steht auf einem anderen Papier. Eine Abmahnung sei beispielsweise denkbar. Oder eine Geldstrafe, wenn jene im Vertrag festgesetzt ist. Und wenn alles nichts hilft: die Kündigung. Das Problem dabei: „Der Spieler würde dann genau das erreichen, was er wollte“, sagt Breucker.

Natürlich könnten die Clubs mit hohen Geldstrafen den Spieler dazu bringen, wieder im Training oder beim Spiel zu erscheinen. Denn bei jedem Vertragsbruch, also bei jedem Training oder Spiel, zu dem der Spieler nicht erscheint, könnte der Verein eine weitere Geldbuße verhängen. „Wenn die Strafen empfindlich sind, auch in Relation zu einem hohen Gehalt, dann wird es auch für die gut bezahlten Spieler irgendwann ins Geld gehen“, sagt Breucker. Werder-Sportchef Frank Baumann kündigte beispielsweise „eine signifikante Strafe“ für Friedl an.

Mögliche Option: Vereine solidarisieren sich gegen streikende Spieler

Bei solchen Sanktionen kommt aber unweigerlich die Frage auf: Wie sehr hilft ein Spieler, der gegen seinen Willen beim Verein gehalten wird, am Ende der Mannschaft? „Wenn er keine Lust mehr hat, ist er nur noch körperlich im Training anwesend, aber Topleistungen darf man dann nicht mehr erwarten“, sagt Breucker und ergänzt: „Ein Spieler, der einen anderen Verein gefunden hat, sitzt natürlich am längeren Hebel.“

Wie schaffen es die Clubs dann aber künftig, dass nicht immer mehr Spieler ihre Wechsel erzwingen? Breucker sieht nur noch die Option, sich mit anderen Vereinen zu solidarisieren: „Dass sie sagen, solche Spieler werden nicht mehr aufgenommen.“ Doch vergangene „Streiks“ wie jener von Dembélé zeigen: So ein Solidaritätsakt scheint in der Fußballbranche nicht sehr wahrscheinlich. Genauso wenig wie ein Verbleib von Filip Kostic und Marco Friedl bei ihren Clubs.

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