Filipa Sousa singt in Renningen Wehmut und Melancholie bleiben

Von Brunhilde Arnold 

Ein bisschen Lissabon mitten in Renningen – die Portugiesin Filipa Sousa begeistert ihr Publikum zum 25. Geburtstag des Renninger Vereins der Portugiesen.

Filipa Sousa gibt nur wenige Konzerte – in Renningen macht sie eine Ausnahme. Foto: Brunhilde Arnold
Filipa Sousa gibt nur wenige Konzerte – in Renningen macht sie eine Ausnahme. Foto: Brunhilde Arnold

Renningen - Von Luxemburg über Sindelfingen nach Renningen – Filipa Sousa ist viel unterwegs. Allerdings beschränkt sie ihre Reisen auf einige Tage, schließlich wartet zu Hause in Portugal ihr dreijähriges Söhnchen auf sie. Die 32-Jährige aus Albufeira an der Algarve sang am Freitag vor rund achtzig Gästen im Bürgerhaus die für Portugal so typischen und einzigartigen Lieder. Eingeladen hatte sie der Verein der Portugiesen, der im November sein 35-jähriges Bestehen mit einem Fest in der Rankbachhalle feiert.

Verein der Portugiesen feiert Geburtstag

Der Vereinsvorsitzende Elisio Manuel Henriques weiß, wovon der Fado, seit 2011 auf der Liste der immateriellen Kulturwerte der UNESCO, handelt: von Liebe und Leidenschaft, von Schmerz, Verlust und Sehnsucht. Saudade – also Wehmut und Melancholie – ist ein einzigartiger, nur im Portugiesischen vorkommender Begriff, der viel von der Grundstimmung in den Liedern beschreibt. „Fado spiegelt die Seele der Portugiesen wider“, hieß es auf der Leinwand über der Bühne.

Den vorwiegend portugiesischsprachigen Besuchern im Bürgerhaus gefiel es. Schnell sprang der Funke über, die Menschen sangen und klatschen mit, wenn Filipa Sousa von Traurigkeit sang und der Hoffnung, dass eines Tages alles besser wird, von den Frauen der Fischer, die ihre Männer nicht aufs Meer hinauslassen wollen. Auch die heiteren Stücke kamen gut an. Und selbst wer den Text nicht verstand, konnte die Gefühlswelt erahnen, die die Sängerin mit ihrer kraftvollen, warmen Stimme ausmalte.

Fado ist frischer und moderner geworden

Virtuos begleitet wurde sie dabei von Miguel Braga mit der für den Fado typischen portugiesischen Gitarre und von Joaquim Caniço an der Klassikgitarre. Mehr braucht es nicht, damit sich die Zuhörer in Gedanken in die Altstadt von Lissabon oder in ihre Heimatorte versetzen konnten.

Die studierte Musikerin erzählte in der Pause, dass der Fado, dessen wohl bekannteste Interpretin derzeit die Sängerin Mariza ist, heute frischer und moderner geworden sei. Die saudade, die Melancholie, sei nur noch eine Form von mehreren. Filipa Sousa, die in ihrem Land in großen Shows und Galas auftritt, hat es mit einer Fado-Interpretation im Jahr 2012 bis in den Vorentscheid des European Song Contest in Baku geschafft. Ihr Beitrag damals hieß Vida minha – mein Leben. Und im Leben der Fadista Filipa Sousa spielt der Fado zweifellos eine wichtige Rolle.




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