Schülerinnen und Schüler vom Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium und der Helene-Schoettle-Schule aus Bad Cannstatt haben in einem gemeinsamen Projekt Shakespeares „Sommernachtstraum“ als Film umgesetzt

Lokales: Armin Friedl (dl)

Stuttgart - Wenn junge Menschen alte Geschichten erzählen sollen, gilt es einige Hürden zu überwinden: Zu fern von ihrer Lebensrealität erscheint diesen häufig der Stoff, die Sprache ist zu antiquiert und abgehoben. Damit daraus dann doch noch irgendwas wird, wird das Ganze gerne mit heftigen Computerbeats und Rap-Passagen bereichert – und das gefällt ja durchaus den jungen Menschen.

Der Theaterton von einst und die Sprache von heute

Ein Theater- und Filmprojekt des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums und der Helene-Schoettle-Schule zeigt die Reibungen, die entstehen, wenn die Jugend Texte der theatralischen Klassik sprechen und körperlich als Schauspieler ausdrücken soll. Gezeigt werden die enormen Bemühungen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden , gezeigt wird zugleich, wenn das gelungen ist, und vor allem, wenn es glückt, den erhabenen Theaterton früherer Tage mit dem Habitus von heute zu vereinen: Der Klassiker klingt dann, als wäre er eben geschrieben worden.

Der Zauberwald in Stuttgart

Der Klassiker ist in diesem Fall Shakespeares „Sommernachtstraum“. Und wenn diese Komödie nun ordentlich auseinandergenommen und neu zusammengefügt wird, geht das völlig in Ordnung. Denn wo wird das heute in irgendeinem Staats- oder Stadttheater schon noch werkgetreu gespielt, was auch immer man unter diesem Begriff verstehen will? Zu verführerisch ist es ja auch, die Irrungen und Liebeswirren im Zauberwald nach eigenen Vorstellungen bunt durcheinanderzuwürfeln. Und wenn man – wie hier – den „Sommernachtstraum“ nicht in einem geschlossenen Raum spielt, sondern als Filmprojekt im Freien, dann gibt die nähere Umgebung ja noch viele zusätzliche Spielideen. In diesem Fall sind die Spielorte etwa der Rosengarten im Park der Villa Berg, eine Wiese im Gebiet Lärchenheide und verschiedene Waldlichtungen, die mal heimelig, mal unheimlich wirken, je nach Charakter der Spielszenen.

Die tollen und sehr aufwendigen Kleider und Gesichtsmasken tragen dazu in hohem Maß bei. Hier kommen als Requisiten noch hinzu ein Ledersofa, das als Repräsentationsmöbel schon bessere Tage erlebt hat, sowie ein Klavier, das im Wald ziemlich traktiert wird. So entstehen viele interessante Bilder und inspirierende Spielszenen.

In welchem Maß die jugendlichen Akteure in ihren jeweiligen Rollen aufgehen, zeigt sich besonders dann, wenn man diesen Film betrachtet zusammen mit anderen Schülern der jeweiligen Schulen. Bei manchen ist die johlende Aufmerksamkeit besonders groß allein schon beim ersten Auftreten. Bei anderen nach den ersten Sätzen, die sie gesprochen haben. Denn solch ein Projekt ist ja auch eine tolle Gelegenheit, mal eine andere Facette seiner Persönlichkeit zu zeigen als die übliche im täglichen Schulbetrieb. Und manch einer wird erst im Laufe dieses Projekts andere Facetten bei sich erkennen.

Jenseits des Schulbetriebs

Integration fördern

Und so wie bei Shakespeare selbst Menschen und Wesen aus den verschiedensten Sphären zusammenkommen in seinem „Sommernachtstraum“ – junge verliebte Adlige, einfache Handwerksleute, Götter und geisterhafte Wesen – so kommen in diesem wie in früheren Projekten Schüler aus den verschiedenen Bereichen zusammen.

Seit dem Schuljahr 2015/16 leiten der Oberstudienrat David Götz und die frei schaffende Regisseurin Dorothea Lanz die Theater-AG am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Bad Cannstatt mit dem Ziel, dass hier Schüler aus vielen verschieden kulturellen Hintergründen und unterschiedlichen Herkunftsländern zusammenspielen. Am „Elly“ gibt es schon länger den Ansatz, kulturforschendes Lernen auch in den Unterricht zu integrieren. Und eine Theater-AG ist integrations- und sprachfördernd. Deshalb sind hier auch Schüler mit wenig Deutschkenntnissen sowie Schüler des Inklusionszweiges in Zusammenarbeit mit der Helene-Schoettle-Schule mit dabei in der Theater-AG. Einige machen schon im fünften Jahr in der Theater-AG mit.

So entstanden die lustigsten Szenen

Da war der Weg natürlich weit von den ersten Ideen bis zum fertigen Film. Die Regisseurin Dorothea Lanz sagt: „Ich habe etliche Drehbuchfassungen geschrieben in engem Austausch mit David Götz. Er hat die Finger in die wunden Punkte gelegt und hinterfragt aus einer oft auch philosophischen Sicht. So entstand die Textfassung nach vielen digitalen Proben. Die Schüler kreieren dadurch den Text mit. Und bei dem Film geschah dies bis zuletzt am Set am Tag selbst.“

Insofern waren die Akteure verschieden vorbereitet. „ Manche konnten sehr gut ihren Text, manche gar nicht. Da nützt es nicht, sich darüber zu ärgern“, so die Rgisseurin Dorothea Lanz, „und gerade daraus ziehe ich in einer Verwandlung im Augenblick die künstlerische Inspiration. So sind die lustigsten Szenen entstanden.“

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