Film-Dreh in Stuttgart Darth Vader erobert das Delphi-Kino

Von Martin Haar 

Die Premiere des Science-Fiction-Films „Star Wars 8 – Die letzten Jedi“ wirft ihre Schatten voraus: Zum Dreh eines Kurzfilms vor dem Start des neuen Star-Wars-Teils hat der Stuttgarter Oliver Lozano Darth Vader einfliegen lassen.

Oliver Lozano (li.) mit Darth Vader und Gerberviertel-Manager Hannes Wolf (re.) bei den Dreharbeiten zum Vorfilm von „Star Wars 8 – Die letzen Jedi“, der am 14. Dezember anläuft. Foto: Lichtgut/Verena Ecker 10 Bilder
Oliver Lozano (li.) mit Darth Vader und Gerberviertel-Manager Hannes Wolf (re.) bei den Dreharbeiten zum Vorfilm von „Star Wars 8 – Die letzen Jedi“, der am 14. Dezember anläuft. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Stuttgart - Darth Vader kommt aus Backnang, ist Mikrotechnologe und heißt im wirklichen Leben Rene Reichlin. Aber das ändert nichts an seiner Macht. Der dunklen Seite der Macht. 2,13 Meter groß, schwarz wie Pech und furchteinflößend schreitet Darth Vader durch die Tübinger Straße. Sein Ziel: das Delphi-Kino. Dort versetzt er manche in Staunen. Man kennt den Burschen. Es ist der Typ in der Star-Wars-Saga, der die Galaxie in Angst und Schrecken versetzt. Nur dieses Mal kämpft er nicht mit einem Jedi, sondern mit dem Karten-Verkäufer des Delphi-Kinos. Science-Fiction mitten in der Stadt. Oliver Lozano dreht dazu einen kurzen Vorfilm. Man könnte also sagen: Die Star-Wars-Premiere am 14. Dezember wirft ihre großen Schatten voraus.

Verhängnisvolle Antwort

„Ich hätte gerne ein Ticket für ,Die letzten Jedi’ “, klingt es blechern durch seinen Samuraihelm, „ich möchte meinen Enkel im Kino sehen.“ Der Mann vom Delphi will’s nicht glauben. Sein Gesicht formt die Frage: Meint er wirklich Kylo Ren, den Schurken, der in den neuen Filmen den Part Darth Vaders übernimmt, die des dunklen Jedis? Scheint so. „Tut mir leid“, meint der Verkäufer, „aber die Vorstellung ist schon längst ausverkauft, da hätten Sie schon früher kommen müssen.“ Darth Vader antwortet erst mit seinem röchelnden Atemgeräusch und meint dann zornig: „Aha…so…und jetzt?“ Der Verkäufer scheint nicht zu wissen, dass hier nicht der leibhaftige Teufel vor ihm steht, sondern der Kerl, der den Teufel zum Zigarettenholen schickt. Schnoddrig erwidert er: „Ja woher soll ich das wissen?“ Und dann rutscht ihm etwas Verhängnisvolles raus, das er besser für sich behalten hätte. Auf die Frage von Darth Vader, wer sich die letzte Kinokarte geschnappt hat, gibt er zu: „Ich!“ Es ist der Anfang vom Ende des Kartenverkäufers und des kurzen Streifens, der bald als Trailer im Kino zu sehen ist.

Jede freie Minute im Kino des Onkels verbracht

Oliver Lozano (39) hat sich damit selbst beschenkt. Schon als Kind hat der Inhaber einer Foto- und Filmproduktionsfirma in jeder freien Minute im Kino seines Onkels verbracht. Das hatte Folgen – damals wie heute. „Meine Mutter sagte damals immer: Wenn du deine Englisch-Vokabeln auch so gut könntest wie die Filmzitate, hättest du eine eins in Englisch.“ Heute ist er mehr denn je Cineast. Als solcher ist er wie alle Star-Wars-Fans regelrecht elektrisiert, seit er das Datum der Deutschland-Premiere kennt: es ist der 14. Dezember. Erst dann, und keine Minute früher, erlaubt das mächtige Hollywood eine Vorführung.

Produzenten haben die Rechnung ohne findige Schwaben gemacht

Aber die Produzenten haben dabei die Rechnung ohne findige Schwaben gemacht. Der Filmemacher Oliver Lozano, Hannes Wolf vom Gerberviertel-Verein und der Betreiber des Delphi-Kinos sitzen am Freitag, 13. Dezember mit der Stoppuhr da. „Punkt 0.01 Uhr starten wir den Film“, sagt Lozano. Damit die Zeit bis zum Kinovergnügen nicht so lange dauert, beginnt in der Tübinger Straße 8 das Warmmachprogramm. Danach folgt eine Podiumsdiskussion mit Star-Wars-Experten. „Musik und Drinks gibt es natürlich auch“, sagt Lozano und zeigt auf die Getränkekarte. Wer’s antialkoholisch will, bekommt „Yoda-Soda“ oder „I’m your water“. Wer Bier mag, sollte „May the Wulle be with you“ bestellen. Und zum Essen gibt es „Wookie-Pizza“ oder „Chewbaccake“.

Lozano fühlt sich ein wenig wie George Lucas

„Das wird ein Riesenspaß“, sagt Lozano, der sich in diesen Tagen ein wenig wie Star-Wars-Regisseur und Erfinder George Lucas fühlt. Für ihn geht so etwas wie ein Traum in Erfüllung. „An diesem Tag will ich ein Stück Hollywood nach Stuttgart holen. Als Kind habe ich immer davon geträumt, einen Film ins Kino zu bringen.“ Das ist ihm mit dem Trailer samt Star-Wars-Party gelungen. Ob es aber auch in Oliver Lozanos Kurz-Film ein Happy-End gibt? Die Frage muss der Kartenverkäufer beantworten, sofern er das Intermezzo mit dem Böswicht Darth Vader einigermaßen unversehrt überstanden hat.

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