Film über Kurt Landauer Die Säule des FC Bayern München

Von  

Lange war dem Klub sein jüdischer Ex-Präsident Kurt Landauer gleichgültig. Erst die Ultras und Historiker machten auf ihn aufmerksam. Jetzt folgt ein Film von Hans Steinbichler.

An den Ohren werden Fußballer heute nicht mehr gezogen. Der einstige Präsident Kurt Landauer gespielt von Josef Bierbichler griff durchaus mal zu. Sein Stellvertreter Siggi Hermann (Herbert Knaup) Foto: imago
An den Ohren werden Fußballer heute nicht mehr gezogen. Der einstige Präsident Kurt Landauer gespielt von Josef Bierbichler griff durchaus mal zu. Sein Stellvertreter Siggi Hermann (Herbert Knaup) Foto: imago

Samerberg - Zwölf Jahre sind eine lange Zeit und im Fußball allemal. Drei Weltmeisterschaften kann man da ausspielen, ein Dutzend nationale Titel und ebenso oft die Champions League. Zwölf Jahre, nur zum Vergleich, hat es gedauert, bis der FC Bayern in diesem Wettbewerb wieder Titelträger war. 2001 ging es gegen Valencia in Mailand, heuer gegen Dortmund in London – zwölf Jahre.

Gut zwölf Jahre ist es her, dass im Monat März 2001 der FC Bayern in Lyon ein CL-Gruppenspiel ablieferte, das 0:3 verloren ging. Dabei sah es während der Partie weiß Fußballgott nicht nach Finale aus. Der Präsident Franz Beckenbauer hat die schlechte Leistung in der Bankettrede dennoch ewigkeitstauglich gemacht, als er damals sagte, er habe dem Spiel einer „Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft“ beigewohnt. Das saß. Irgendwie logisch, dass sie daheim in der Geschäftsstelle am nächsten Morgen nicht besonders gut drauf waren.

Eine Anfrage von „Totally Jewish“

Ausgerechnet in diesem Moment meldete sich eine Frau aus London von der Zeitschrift „Totally Jewish“ und fragte ganz nett, ob man ihr ein bisschen was über den ehemaligen Präsidenten des FC Bayern, Kurt Landauer, erzählen könne. Die Antwort war unfreundlich und eindeutig. Man sei, ließ der FC Bayern ausrichten, „an diesem alten Scheiß nicht interessiert“.

Zwölf Jahre später wiederum steht der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, an einem Spätaugusttag auf einem Grashügel hoch überm Chiemgau, hält einen handvernähten Lederfußball, also prinzipiell richtig alten Scheiß, in den Händen und strahlt über beide Rotbäckchenbacken. Neben ihm der Regisseur Hans Steinbichler, vor ihm eine Hundertschaft Komparsen in Nachkriegsanzügen und Fußballer mit wollenen Stutzen. Weiterhin viel unfassbar schönes, bayerisches weites Bergland. Der Aufnahmeleiter ruft: „No oanen“, und dann tut es einen Tusch von den Trachtlern der Blaskapelle. Gedreht wird ein abendfüllender Film über Kurt Landauer, Jude aus Planegg, Präsident des FC Bayern München von 1913-1914, 1919-1933 und 1947-1951.

Vier seiner Geschwister sterben im KZ

Zwischen den letzten beiden Amtszeiten sitzt er in Dachau im Konzentrationslager, kommt frei und flieht in die Schweiz. Vier seiner Geschwister sterben im KZ. Dennoch kehrt Landauer 1947 nach Deutschland und nach Bayern zurück. Noch einmal führt er den FC Bayern. „Kurt Landauer“, sagt Karl-Heinz Rummenigge später am Gasthaustisch, „ist eine Säule unseres Vereins.“ Warum das so lange unbemerkt blieb auf den höheren Etagen im Club, fügt Rummenigge hinzu, sei ihm „auch ein Rätsel“. Zumal die Geschichte eine „positive Konnotation“ habe.

Gewissermaßen mit der Nase draufgestoßen, um wen es sich bei Kurt Landauer handelt, haben den FC Bayern im Übrigen ausgerechnet die Ultras, „mit denen wir ja auch Probleme haben“, wie Rummenigge einräumt. Die neusten Probleme sind die, dass der Verein extra Drehkreuze beim Einlass für die Stehplätze installiert hat.