Filmemacher aus Schorndorf Welzheim-Film war nur der Anfang – Junger Kreativer erobert die Region
Ein gefeierter Imagefilm für Welzheim machte Jonathan Hieber bekannt. Jetzt expandiert der 24-Jährige mit seiner Produktionsfirma in Schorndorf.
Ein gefeierter Imagefilm für Welzheim machte Jonathan Hieber bekannt. Jetzt expandiert der 24-Jährige mit seiner Produktionsfirma in Schorndorf.
Rund ein Jahr ist es her, dass unsere Leser den jungen Filmemacher Jonathan Hieber als kreativen Kopf hinter dem gefeierten Welzheim-Imagefilm kennenlernten. Miniaturen, Animationen, kreative Schnitte und Bilder, die viele kleine Geschichten erzählen – Hieber hatte eine ebenso augenzwinkernde wie sehenswerte Liebeserklärung an die Stadt im Rems-Murr-Kreis und ihre Bewohner geschaffen. Wir haben erneut mit ihm gesprochen – was ist seitdem passiert?
Eine ganze Menge, wie sich zeigt. Der vielleicht wichtigste Schritt: Seit Juni hat Hieber mit seiner Produktionsfirma Atelier 037 ein eigenes Büro im Röhm-Areal in Schorndorf bezogen. „Wir hatten hier schon mal für ein Projekt gedreht, darüber kam der Kontakt zustande“, erzählt der 24-Jährige. Inzwischen werkeln dort weitere Medienschaffende: „Wir sitzen hier zu dritt und arbeiten auch viel zusammen“, sagt Hieber.
Doch nicht nur räumlich hat sich Hieber vergrößert. Der Welzheim-Film war für ihn gewissermaßen eine Initialzündung. So folgte kurz darauf ein Imagefilm für die Gemeinde Rudersberg. Diesmal verzichtete Hieber auf Miniaturkulissen, um nicht den Eindruck eines „Welzheim 2.0“ zu erwecken. Stattdessen setzte er auf Interviews, szenische Elemente und Hommagen an lokale Persönlichkeiten wie Heinz Lochmann, den Mann hinter der „Traumpalast“-Kinokette.
Und auch die Süddeutsche Krankenversicherung (SDK) in Fellbach wurde auf Hieber aufmerksam. Das Unternehmen mit rund 760 Mitarbeitern und einem Beitragsvolumen von rund einer Milliarde Euro wird demnächst 100 Jahre alt und hat Hieber aus diesem Anlass mit einem aufwendigen Filmprojekt beauftragt. „Die wollten etwas Ausgefallenes“, so Hieber. Das Ergebnis soll eine Art Zeitreise durch die Unternehmensgeschichte werden, mit Setbau, Schauspielern – und vermutlich auch wieder mit einer künstlerischen Note.
Parallel arbeitet Hieber an einer Filmkampagne für die Berufsbildungswerke in Waiblingen, um junge Menschen für Ausbildungsberufe zu begeistern. Die Bandbreite von Dingen, mit denen er sich als Filmemacher auseinandersetzen muss, ist also riesig. „Es macht aber total Spaß, sich immer in das jeweilige Thema so richtig tief einzuarbeiten“, sagt er. „Mein Hauptberuf ist, überall Mäuschen spielen zu können – und das ist einfach sehr, sehr schön.“
Der Welzheim-Film hat Hieber indes nicht nur Aufträge beschert, sondern auch eine Auszeichnung: Im November erhielt er den DDC Award vom Deutschen Designer Club. „Eine recht begehrte Auszeichnung unter Gestaltern“, wie Hieber betont. Er selbst konnte die Urkunde in Wiesbaden nicht entgegennehmen, da er sich zu diesem Zeitpunkt in Japan aufhielt.
Doch auch ohne Preisverleihung vor Ort ist Hieber bewusst, dass der Film „die ein oder andere Weiche gestellt“ hat. „Ich denke schon, dass das definitiv ein Türöffner war“, sagt er. Dabei wolle er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. „Es ist immer mein Anspruch, jedes Projekt so anzugehen, dass die Leute nachher positiv darüber sprechen.“
Inzwischen hat Hieber sein Studium der Audiovisuellen Medien an der Hochschule der Medien in Stuttgart abgeschlossen. Seitdem konzentriert er sich voll und ganz auf seine Selbstständigkeit. „Es ist glücklicherweise Hauptberuf, Hobby und Leidenschaft in einem“, sagt er.
Neben seinen Filmprojekten hat Hieber noch ein weiteres Herzensprojekt gestartet: den Podcast „Werkwürdig“. Darin spricht er mit Kreativen über ihre Arbeit und die Frage, was in Zeiten der Content-Flut und der scheinbar omnipotenten Künstlichen Intelligenz ein echtes Werk heutzutage auszeichnet. Zu Gast waren bereits der Filmtonmeister und Oscar-Preisträger Marcus Vetter und besagter Kinobetreiber Heinz Lochmann. „Wie macht man jetzt noch einen Unterschied, dass man nicht in dieser Flut im Algorithmus untergeht?“, so umreißt Hieber die Kernfrage des Podcasts. Er hofft, alle paar Wochen eine neue Folge veröffentlichen zu können.
Um seine eigene Herangehensweise zu beschreiben, hat Hieber einen Slogan: „Werbung wird zum Werk“. Er will jeden Werbefilm wie ein Kunstwerk behandeln, das im kulturellen Kontext etwas auslöst und nicht nur verkauft. „Die Filme sollen hängenbleiben“, so Hieber. Für ihn ist das ein Zusammenspiel aus Konzeption und handwerklichen Disziplinen wie Kulissenbau und Spezialeffekten.
Und in diese Richtung soll die Reise weitergehen – man darf also gespannt sein, was man von dem jungen Filmemacher aus dem Schwäbischen Wald noch hören beziehungsweise sehen wird.