Filmfestival an der Cote d’Azur Spektakel in Cannes – aber nicht jedes große Werk gelingt
Beim Filmfestival in Cannes wird es langsam spektakulär – etwa mit Filmen von George Miller und Francis Ford Coppola.
Beim Filmfestival in Cannes wird es langsam spektakulär – etwa mit Filmen von George Miller und Francis Ford Coppola.
Nachdem der Wettbewerb bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes mit feinen, aber eher kleinen Filmen wie „Diamant brut“ von Agathe Riedinger oder der in Schwarz-Weiß gehaltenen dänisch-polnisch-schwedischen Koproduktion „Pigen med nalen“ über die wahre Geschichte einer Babymörderin gestartet war, standen kurz vor dem Wochenende die ersten Schwergewichte an. Und zwar sowohl was die Größe der Produktionen als auch die an sie gerichteten Erwartungen angeht.
Wie schon vor neun Jahren „Mad Max: Fury Road“ ging auch dessen Vorgeschichte „Furiosa: A Mad Max Saga“ außer Konkurrenz an den Start. Regisseur George Miller kehrt in die von ihm in den 70er Jahren geschaffene, postapokalyptische Wüstenwelt zurück und erzählt dieses Mal, wie seine Titelheldin als Mädchen in die Hände der Motorradgang des Warlords Dementus (Chris Hemsworth) gerät und auch noch als junge Frau (Anya Taylor-Joy) auf Rache sinnt. Auch dieses Mal besteht die Handlung vor allem aus größtenteils spektakulären Actionszenen, allerdings sieht sich Miller mehr als sonst genötigt, das Geschehen zu erklären. Über zweieinhalb Stunden wirkt „Furiosa“, der am 23. Mai auch regulär in die Kinos kommt, mitunter ein wenig repetitiv, und zumindest am Anfang haftet den Bildern eine für Miller ungewohnte Künstlichkeit an. Mit dem atemberaubenden Vorgänger kann der Film deswegen nicht ganz mithalten – und brachte in Cannes trotzdem einen Energieschub, wie er sich nur mit atemlos-aufwendigem und innovativem Unterhaltungskino erzeugen lässt.
Mit noch mehr Spannung wurde allerdings „Megalopolis“ erwartet, der neue Film der inzwischen 85-jährigen Regielegende Francis Ford Coppola. Bereits in der 70er Jahren hatte er die Idee, für eine Geschichte das antike Rom mit dem modernen New York City zu verschmelzen. 1983 begann erstmals die Arbeit an dem lange gehegten Traumprojekt, in den vergangenen Jahren nun investierte der Oscar-Gewinner rund 120 Millionen Privatvermögen (unter anderem aus dem Verkauf eines seiner Weingüter), um es endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Das Ergebnis ist, man kann es kaum anders sagen über diesen Film, eine wahre Katastrophe. Die Fabel über zwei rivalisierende Familienclans – auf der einen Seite der korrupte Bürgermeister Cicero (Giancarlo Esposito), auf der anderen der idealistische Erfinder und Architekt Catilina (Adam Driver) – will von Moral und Zivilisation erzählen, doch die großen Ideen bleiben Phrasen und Behauptung.
Schauspielerisch bekleckert sich auch niemand mit Ruhm, die visuelle Umsetzung sieht gestrig aus, und die Dialoge sind so schwer erträglich wie die eindimensionalen Frauenfiguren. Keine Frage: Die Ambitionen hinter „Megalopolis“ sind enorm, und man darf sich für Coppola freuen, dass es ihm tatsächlich noch gelungen ist, diesen Film zu drehen. Aber man wünschte sich, er wäre auch nur annähernd sehenswert.
Umso gelungener dafür „Bird“, der neue Film von Andrea Arnold. Die Britin ist bekannt für ihren klaren, auch harten Blick auf bittere soziale Realitäten, nicht selten mit jungen Protagonistinnen im Zentrum. Hier stellt sie der 12-jährigen, in prekären Verhältnissen aufwachsenden Bailey (Nykiya Adams) einen unerwarteten Begleiter in Gestalt des von Franz Rogowski irgendwo zwischen naiv und verloren gespielten Titelhelden zur Seite. Die Folge ist ein magischer Realismus, wie man ihn von Arnold sonst nicht kennt, der hier aber bestens funktioniert.