Filmfestival in Cannes Geisterstundenspiele

Woody Allen mit seiner Frau bei der Eröffnung des 64. Cannes Filmfestivals Foto: dpa
Woody Allen mit seiner Frau bei der Eröffnung des 64. Cannes Filmfestivals Foto: dpa

Das Filmfest in Cannes eröffnet mit Woody Allens romantischer Komödie "Midnight in Paris". Sie ist Allens viertes Cannes-Opening.

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Cannes - Sonnenlicht ist unattraktiv", sagt Woody Allen, der es lieber mag, wenn's regnet. Aber in Cannes lacht die Sonne! Festlich gekleidete Gäste entsteigen den Limousinen, um das Schautrippeln zu beginnen, empor zum Entree des Palais über die berühmte rote, mit viel Stehenbleiben und Lachen zu meisternde Treppe. Auch der Eröffnungsfilm verspricht, zum Lachen zu sein, denn sein Regisseur heißt Woody Allen. Der Mann aus New York hat hier, an der Croisette, eine Art Hausrecht: "Midnight in Paris" ist bereits Allens viertes Cannes-Opening - ein Rekord, gegründet auf Routine.

Die Routine verrät sich auch im Arrangement der Szenen, im Plot. Jeder Kinofan kann sie durchbuchstabieren, die Verbandelungswirren typischer Allen-Komödien, in denen mehrere Pärchen so lange mit-, gegen- und durcheinandertechteln, bis niemand mehr weiß, wer mit wem fremdging und wer wem warum die Treue hielt. Dieses Amouren-Kaleidoskop schüttelt Woody Allen immer aufs Neue, und wer hineinsieht in die Filme, entdeckt darin eine Fülle jokoser Szenen.

Geplapper und Querbeetflirts

Zuletzt war er mit dem Kaleidoskop gar auf Reisen gegangen, der Ostküsten-Ami mit dem Faible fürs alte Europa. Mindestens London musste es sein, dann Barcelona, jetzt endlich die Traumstadt: Paris. "Wenn ich nicht in New York leben würde, wäre Paris die Stadt, wo ich wohnen wollte", erklärt er und preist Paris als die romantischste aller Städte. Deren Buntbildprospekt blättert er auf, von Moulin Rouge bis zu den Buchläden an der Seine, womit der Tatbestand der Städtewerbung erfüllt ist. Gleich die ersten Filmbilder reihen vertraute Postkarten aneinander; und nur deren Urheber mag annehmen, er zeige nicht Touristenimpressionen, sondern Paris "in my way".

"Ich würde sehr gerne einen Film drehen, in dem es die ganze Zeit regnet", hat Allen einmal bemerkt. Voilà: in Paris lässt er's regnen, und die Sonne lacht nur hie und da, gedämpft wie das Publikum bei der Cannes-Premiere. Der Grund? Allen hatte zunächst nichts als den Titel; dann bewegte er das Pärchenkaleidoskop, gab einem zauseligen jungen Drehbuchschreiber aus Hollywood (Owen Wilson) eine patente Blondine nebst deren indignierten Eltern zur Seite und rührte rasch ein zweites Paar hinein, einen oberschlauen Akademiker plus Gesponsin, was automatisch Geplapper und Querbeetflirts erzeugt.




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