Filmfestspiele in Venedig New York ist eine melancholische Stadt

Der Schauspieler Gary Oldman glänzt bei den Filmfestspielen in Venedig in einem interessanten Stück mit wenig Qualität - Tinker, Tailor, Soldier, Spy, heißt das stück, dass... Foto: ANSA 3 Bilder
Der Schauspieler Gary Oldman glänzt bei den Filmfestspielen in Venedig in einem interessanten Stück mit wenig Qualität - "Tinker, Tailor, Soldier, Spy", heißt das stück, dass... Foto: ANSA

Auf den Filmfestspielen in Venedig stehen die Nebenreihen im Mittelpunkt. Auch weniger gelungene Filme sind dabei durchaus interessant.

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Venedig - Jedes Filmfest der Welt kennt die Verführung. Sie heißt nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, sonnenüberfluteter Strand, traumhaft schöne Altstadt oder alkoholgeschwängerter Barbesuch. Die Verführung Nummer eins trägt den trockenen Titel: Nebenreihe.

Seit vor ein paar Jahrzehnten jemand auf die Idee kam, Wettbewerbe auszurufen, damit am Ende dann Goldene Löwen, Palmen und Tauben verliehen werden können, seitdem also nahm ein Trend immer mehr zu. Die wirklich neuen und wichtigen Filme, also jene, die man gesehen haben sollte, laufen in den Nebenreihen. Das ist in Berlin nicht anders als in Cannes oder eben in Venedig.

Ein österreichischer Dokumentarfilm erzählt vom Leben als Hure

Dort tragen die Nebenreihen so schöne Titel wie "Orizzonti", "Settimana internazionale della critica" oder "Giornate degli autori". In der ersten Hälfte des Festivals jedoch waren da nur wenige aufregende Filme zu sehen. Michael Glawoggers "Whore's Glory", demnächst auch in deutschen Kinos zu sehen, ist eine der Ausnahmen. Der österreichische Dokumentarfilmer hat in Bangladesh, Mexiko und Thailand Huren bei der Arbeit beobachtet und sie von ihrem Leben erzählen lassen.

Dieses Triptychon, wie es der Regisseur nennt, fesselt von der ersten Minute an. Glawogger nimmt den Zuschauer mit an Orte, an denen Frauen in Glaskästen sitzen und auf Freier warten. Man wird Zeuge des Lebens und Überlebens in einem Bordell in Bangladesh. Die Freier selbst kommen auch zu Wort mit markigen Macho-Sprüchen. Ein wuchtiges Stück Kino, das Leben abbildet in all seiner Schönheit und Hässlichkeit.

Wenn der Filmemacher an seinen Ansprüchen scheitert

Wo die guten, aufregenden Filme sind, zeigt sich beim Blick auf den Wettbewerb der Filmfestspiele. Der Festivalchef der Sektion Kino, Marco Müller, der im nächsten Jahr sein Amt wohl aufgeben wird, hat noch einmal einen Filmjahrgang an den Lido geholt, der staunen lässt. Von den bisher gezeigten zwölf Filmen war kaum einer von minderer Qualität. Nur hin und wieder - aber auch das ist interessant - scheiterte ein Filmemacher an seinen Ansprüchen.




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