Filmkritik: „Atomic Falafel“ Scharfe Soße und Plutonium

Ein Imbiss-Wagen und ein israelischer Kampfpanzer Seite an Seite: „Atomic Falafel“ erzählt von unterschiedlichen Ansätzen zur Friedenssicherung. Foto: Movienet
Ein Imbiss-Wagen und ein israelischer Kampfpanzer Seite an Seite: „Atomic Falafel“ erzählt von unterschiedlichen Ansätzen zur Friedenssicherung. Foto: Movienet

Iran und Israel stehen in Dror Shauls Komödie kurz vorm heißen Krieg. Das gibt dieser Komödie Gelegenheit, sich Klischees vorzuknöpfen. Und ein wenig Hoffnung zu verbreiten.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - „Ihr habt angefangen!“ „Nein, Ihr habt angefangen!“ Wie kleine Kinder beschuldigen einander in einer absurden Internetkonferenz hohe Militärs auf iranischer und israelischer Seite. Je unversöhnlicher die Argumente hin- und herfliegen, umso unerbittlicher zählt die Uhr die Sekunden bis zum Zero. Raketen der Israelis sind auf eine Plutoniumlagerstätte im Iran gerichtet. Der Weltfrieden ist gefährdet, aber die verfeindeten Militärs – kommentiert von Zuschauern auf beiden Seiten - streiten erbost weiter.

Diese schräge Szene, die der Kinobesucher als unsichtbarer Gast in einem iranischen Wohnzimmer verfolgt, ist einer der Höhepunkte des respektlosen Spielfilms „Atomic Falafel“. Man ahnt zwar nach über 70 Spielminuten, dass die pazifistisch ausgerichtete Satire den Globus nicht wird hochgehen lassen. Doch der Regisseur Dror Shaul („Sweet Mud“) setzt zur Lösung des Konflikts nicht auf die Vernunft der Erwachsenen.

Allergisch gegen Uran

Sein Faustpfand sind internetaffine junge Leute, Nofar (Michelle Treves) zum Beispiel. Eine romantische Teenagerin, die mit ihrer attraktiven Mutter Mimi (Mali Levi Gershon) einen Falafel-Truck durch die israelische Wüste bewegt und manövergeplagte Soldaten mit der orientalischen Leibspeise aus Kichererbsen, Gewürzen und vielen Kräutern versorgt. Natürlich mit gaaanz scharfer Soße.

Die haut dann auch den smarten Deutschen Oliver Hann (Alexander Fehling aus „Labyrinth des Schweigens“) um, der als Inspektor in einer internationalen Atomkommission einen Kontrollbesuch in Israel tätigt. Was außer ihm keiner weiß: Oli reagiert mit lebensbedrohenden Schocks auf die geringsten Spuren von Uran.

Utopien auf dem Pulverfass

Alle nur denkbaren Klischees, das offizielle strikte Freund-Feind-Bild im verfeindeten Nahen Osten, die totale Identifikation der Militärs mit ihrem Land Israel, der strenge Sittenkodex von Muslimen, der jüdische Mythos des Erinnerns, werden mit Intelligenz und Chuzpe konterkariert. Die Sympathieträger und Garanten einer Zukunft im Nahen Osten bilden hier Liebende, die junge Generation und die Kunst -unglaublich schön die Songs der deutsch-iranischen Rapperin Bahar Henschel. Frieden ist in diesem Teil der Welt zwar immer noch Utopie. Doch wer auf einem Pulverfass lebt, braucht künstlerische Fantasie. Und davon lebt diese ausgelassene, absurde und mutige Komödie. Unbedingt hingehen und den Nahen Osten neu erleben!

Atomic Falafel. Israel, Neuseeland, Deutschland 2015. Regie: Dror Shaul. Mit Michelle Treves, Mali Levi Gershon, Alexander Fehling. 92 Minuten. Ab 6 Jahren.




Unsere Empfehlung für Sie