Filmkritik „August in Osage County“ Familienabbruch

Die Frauen (Julianne Nicholson, Meryl Streep, Margo Martindale, von links) haben in diesem Film eindeutig mehr zu sagen als die Männer. Foto: Tobis Film
Die Frauen (Julianne Nicholson, Meryl Streep, Margo Martindale, von links) haben in diesem Film eindeutig mehr zu sagen als die Männer. Foto: Tobis Film

Familientreffen können anstrengend sein. Diese Tragikomödie mit Starbesetzung treibt die Unverträglichkeiten, Reibereien und hochkochenden Geheimnisse allerdings ins Extrem. Dank der Starbesetzung schaut man gerne dabei zu.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - „Meine Frau nimmt Tabletten, ich trinke“, sagt der Schriftsteller ­Beverly (Sam Shepard). Und nun tapert seine Gattin Violet (Meryl Streep), eine Frau mit kalkigem Gesicht, schütte­ren  Chemotherapiehaaren und fleckigem ­Sweatshirt, auch schon die Treppe herunter, lacht hysterisch, beschimpft ihn wüst, stürzt ihn schon wieder hinein in seine Ehehölle.

So versammelt sich in diesem großen, dämmrigen Haus in Oklahoma die Familie zur Beerdigung. Unter anderem die  verbitterte Tochter Barbara (Julia Roberts) mit ihrem stillen Nicht-mehr-Mann Bill (Ewan McGregor); deren verluderte Schwester Karen (Juliette Lewis) mit ihrem halbseidenen Lover (Dermot Mulroney); und die gern übersehene Ivy (Julianne Nicholson), Jüngste der Geschwister, die heimlich mit ihrem tollpatschigen Cousin (Benedict Cumberbatch) verlobt ist.

Ein Wettbewerb in Selbstzerfleischung

Es ist angerichtet: Zum einen ein Staraufgebot sondergleichen, zum anderen ein von Tracy Letts für die Bühne geschriebenes, von John Wells für die Leinwand adaptiertes Familiendrama, das seine Vorbilder Arthur Miller, Tennessee Williams oder Edward Albee in Sachen Selbstzerfleischung übertreffen will. Erwartungen, Enttäuschungen, Vorwürfe und Geständnisse ballen sich zusammen, im Haus eingelagerte Vergangenheiten brechen auf, der Raum und Zeit verdichtende Film wird zu einem ständig unter Dampf stehenden Abbruchunternehmen, bei dem schließlich alle Leichen im Keller ausgebuddelt sind.

Vor allem Violet als Big Mama tut sich dabei hervor, hat für jeden ein schlechtes Wort, stößt aber zumindest bei Barbara auf Widerstand. Überhaupt ist dies ein Frauenstück, die Männer sind eher hilflos-lästiges Beiwerk. Mit einer Old-School-Lust am Großaufspielen erledigen sie das Auftürmen von Problemen, so dass „August in Osage County“ absichtlich in die Nähe der Parodie gerät. Jawohl: Das ist auch zum Lachen!

August in Osage County. USA 2013. Regie: John Wells. Mit Meryl Streep, Julia Roberts, Juliette Lewis, Sam Shepard. 119 Minuten. Ab 12 Jahren.




Unsere Empfehlung für Sie