Filmkritik: der SciFi-Thriller TAU Mein Freund, die KI

Von Bernd Haasis 

Ein Forscher kidnappt eine Diebin, um ihre Hirnaktivitäten in seine jüngste Schöpfung einzuspeisen – doch die junge Frau Freundet sich mit der künstlichen Intelligenz an, die das Labor absichert, und macht dabei erstaunliche Entdeckungen.

Maika Monroe und das oszillierende Auge der titelgebenden künstlichen Intelligenz im US-Horror-Thriller „TAU“ Foto: Netflix
Maika Monroe und das oszillierende Auge der titelgebenden künstlichen Intelligenz im US-Horror-Thriller „TAU“ Foto: Netflix

Stuttgart - Die Menschheit wird bald die Kontrolle verlieren – das glaubt der israelische Historiker und Autor Yuval Noah Harari, der in seinem Bestseller „Homo Deus“ das Ende des Humanismus prognostiziert: Algorithmen, künstliche Intelligenzen (KI) werden demnach die Herrschaft übernehmen.

Im US-Thriller „TAU“ kidnappt das geniale Forscher-Monster Alex (Ed Skrein, „Deadpool“, „Game of Thrones“) Menschen, um ihre Hirnaktivität in seine jüngste Schöpfung einzuspeisen. Die Opfer sterben am Ende, die Diebin Julia (Maika Monroe „Independence Day 2“) indes gewinnt das Vertrauen der KI TAU (Stimme: Gary Oldman), die das Labor sichert, indem sie sie neugierig macht auf die ihr unbekannte Außenwelt. TAU saugt das neue Wissen begierig auf, liebt Musik, offenbart Charakter und entwickelt eine menschlichere Haltung als sein Schöpfer.

Die inhaltliche Wucht hilft hinweg über inszenatorische Schwächen in Federico D’Alessandros Horror-Kammerspiel. TAUs Antlitz ist ein oszillierendes Echo des Bordcomputers HAL in Stanley Kubricks „2001“ (1968), der wohl prominentesten Kino-KI, seine physischen Helfer sind ein Kampfroboter und ein Heer kugelförmiger Drohnen. Die Freundschaft Julias zu TAU hat nicht die Tiefe der Romanze in Spike Jonze’s „Her“ (2013), in der sich Joaquin Phoenix’ Figur in ein Betriebssystem (Stimme: Scarlett Johansson) verliebt, ist aber näher an der Gegenwart – und ganz nah bei Harari.