Filmkritik „Don Jon“ Frauen können so langweilig sein

Der Schwerenöter Don Jon (Joseph Gordon-Levitt, mit Scarlett Johansson) scheint hier Spaß zu haben. Tatsächlich aber plagen den Mann Probleme. Foto: Ascot Elite
Der Schwerenöter Don Jon (Joseph Gordon-Levitt, mit Scarlett Johansson) scheint hier Spaß zu haben. Tatsächlich aber plagen den Mann Probleme. Foto: Ascot Elite

Als Schauspieler hat Joseph Gordon-Levitt schon ein beeindruckendes Werk beieinander. Nun legt der 32-Jährige sein sehenswertes Regiedebüt vor, über einen Frauenhelden mit Frauenproblemen. Die Hauptrolle stemmt natürlich er selbst.

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Stuttgart - Jon Martello (Joseph Gordon-Levitt) kriegt sie alle: Um in seinem Schlafzimmer Abwechslung zu haben, geht der Macho regelmäßig auf Frauenjagd – mit durchschlagendem Erfolg. Nicht umsonst wird er von Freunden in Anlehnung an den größten Frauenfänger der Kulturgeschichte Don Jon genannt. Doch Jon hat ein Problem: So sehr sich seine Gespielinnen auch anstrengen, sobald sie aus ihren Klamotten steigen, ist er bereits gelangweilt.

Anstatt sich mit den realen Frauen in seinem Bett zu beschäftigen, flüchtet er deshalb in die Scheinwelt von Internetpornos und holt sich dort, was die Realität ihm vorenthält. Erst als er der unnahbaren Barbara (Scarlett Johansson) begegnet, wagt er den Versuch: echte Beziehung statt Pornodarstellerin. Und dann taucht da auch noch Esther (Julianne Moore) auf, die ihm als Sex-Guru die Kunst des „Liebemachens“ nahebringen will. Ehe Jon sich versieht, ist er nicht mehr Jäger, sondern Beute.

Der Aufreißer kommt nicht mehr klar

In Abwandlung des klassischen Don-Juan-Motivs erzählt Joseph Gordon-Levitt in seinem Regiedebüt „Don Jon“ mit bissigem Witz und cleverer Ironie die Geschichte eines Aufreißers, der mit sich und der Frauenwelt nicht ganz so gut klarkommt, wie er es gern hätte. Mit kompromisslosem Blick entlarvt er dabei Machokultur, Stereotype und verschobene Frauenbilder.

Den von Genuss, Statussymbolen und naivem Gottesglauben geprägten Lebensentwurf seines Protagonisten führt er mit zielsicherem Humor ad absurdum. Und nicht nur das: auch den zur Projektionsfläche stilisierten Frauenfiguren werden ihre Masken abgenommen. Die interessanteste Figur ist dabei Johanssons Barbara, die hinter unnahbarem Sex-Appeal letztlich nicht weniger besessen ist als Jon selbst. Nur eben nicht von Pornos.

Don Jon. USA 2013. Regie: Joseph Gordon-Levitt. Mit Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore. 94 Minuten. Ab 16 Jahren.




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