Erst haben solche Geschichten als Dokumentation das Kino geflutet: sozial Schwache werden glücklich in Kunstprojekte eingebunden. Jetzt gibt es das Ganze als Spielfilm: Langzeitsarbeitslose machen sich an ein griechisches Drama.

Stuttgart - Seit ein paar Jahren muss man hierzulande als verhaltensauffälliger Jugendlicher oder als Langzeitarbeitsloser stets damit rechnen, von irgendeinem Theatermacher oder Dirigenten für ein Kunstprojekt rekrutiert zu werden, dass dann gerne auch als Arthaus-Filmdokumentation („Rhythm is it!“) von den disziplinierenden Segnungen der Hochkultur erzählt. Da wird dann kreativ gespielt, gesungen und getanzt, dass es die reine Freude ist, und für die leider etwas kurze Zeit des Ausnahmezustandes sind die längst verloren geglaubte Würde und das Selbstwertgefühl wieder da. Und danach? Egal.

 

„Ein Geschenk der Götter“ von Oliver Haffner, erklärtermaßen ein „Mutmachfilm“, erzählt diese klischeehafte Geschichte nun ein weiteres Mal, allerdings als Fiktion mit Schauspielern, die Langzeitarbeitslose spielen – und es hängt wohl vom Grad der Verrohung des Zuschauers ab, ob man diese Konstruktion nun als Kritik oder Zynismus wertet.

Die arbeitslos gewordene Schauspielerin Anna konfrontiert im Auftrag der Agentur für Arbeit eine Gruppe von muffeligen Langzeitarbeitslosen mit der „Antigone“ von Sophokles. Eins kommt zum anderen, und am Schluss steht der Triumph auf der subventionierten Bühne des Stadttheaters, wohin es die Laien verschlagen hat. Von einer angemessenen Gage ist übrigens nicht die Rede. Vom Kapitalismus auch nicht.

Ein Geschenk der Götter. Deutschland 2014. Regie: Oliver Haffner. Mit Katharina Marie Schubert, Adam Bousdoukos, Eva Löbau. 102 Minuten. Ab 12 Jahren.