Filmkritik: „Ein Mann namens Ove“ Ein Pedant mit großem Herz

Von Oliver Stenzel 

Mit viel trockenem, schwarzem Humor und Sinn für skurrile Details erzählt Regisseur Hannes Holm eine tragikomische Geschichte über die Läuterung eines Misanthropen, basierend auf Fredrik Backmans gleichnamigen Bestsellerroman.

Ralf Låssgard in der Titelrolle von „Ein Mann namens Ove“ Foto: Verleih
Ralf Låssgard in der Titelrolle von „Ein Mann namens Ove“ Foto: Verleih

Schweden - Der 59-jährige Ove (Rolf Lassgård) ist der Schrecken seiner Wohnsiedlung: Ein pedantischer Griesgram, der wegen jeder Kleinigkeit sofort Streit anfängt, ob nun ein Fahrrad falsch abgestellt ist oder ein Tor offensteht. Die Welt scheint für diesen Ove nur aus Idioten und Zumutungen zu bestehen. Nachdem er auch noch seine Arbeit verloren hat, steht sein Entschluss fest: Er will sich umbringen, seiner geliebten Frau Sonja nachfolgen. Doch schon der erste Versuch scheitert, weil er auch mit der Schlinge um den Hals noch Pedant bleibt: Als er sieht, wie schlecht seine neuen Nachbarn einparken, muss er einschreiten. Auch bei weiteren Suizidversuchen kommt immer etwas dazwischen. Zu allem Überfluss lässt sich Oves Nachbarin, die aus dem Iran stammende Parvaneh, nicht von seiner Barschheit abschrecken und bewegt ihn mit resoluter Beharrlichkeit immer wieder zu kleinen Hilfsdiensten. Eine streunende Katze tut das Übrige, ein unerwartet großes Herz zum Vorschein zu bringen.

Mit viel trockenem, schwarzem Humor und Sinn für skurrile Details erzählt Regisseur Hannes Holm eine tragikomische Geschichte über die Läuterung eines Misanthropen, basierend auf Fredrik Backman gleichnamigen Bestsellerroman. Oves scheinbar gegensätzliche Charakterzüge nachvollziehbar zu machen, ist vor allem das Verdienst von Rolf Lassgård, hierzulande als Wallander-Darsteller nach Mankells Romanen bekannt. Den Grantler nimmt man ihm sofort ab, weit bemerkenswerter aber ist, wie er ganz subtil, in vielen kleinen Gesten auch die wärmeren Gefühle seiner Figur zum Vorschein bringt – etwa, wenn Ove an den alten Mänteln seiner verstorbenen Frau riecht, die sonst so grimmige Miene voll Sehnsucht und Verzweiflung. Die lebenslustige Sonja war in allem das Gegenteil von Ove, sie scheint ihn als Mensch erst komplett gemacht zu haben. Wie Ove sich in Rückblenden an sie erinnert, wie er langsam lernt, auch ohne Sonja dem Leben wieder positiver zu begegnen, das schildert der Film oft anrührend, vor allem aber urkomisch – auch weil seine Hauptfigur stets ihren grummeligen Kern bewahrt.