Der US-Regisseur Richard Linklater („Boyhood“) erinnert sich in seinem jüngsten Film an seine Studienjahre. Die waren offensichtlich nicht von Streberei geprägt.

Stuttgart - Spaß kann man nicht planen, entweder man hat ihn oder nicht. In den letzten Sommertagen des Jahres 1980 fiebert das Baseball-Ass Jake (Blake Jenner) seinem neuen Leben an einer texanischen Uni entgegen: Nette Leute, Horden hübscher Mädchen, die erste elternfreie Bude. Verheißungsvolle Aussichten für einen Typen, der gerade erst den Anzug vom Schulball in die Reinigung gegeben hat.

Auf der Fahrt zum Campus knallt der Hit „My Sharona“ wuchtig aus den Boxen des Kassettendecks, Jakes künftige Sport-Kollegen sind locker drauf und machen im Vorbeifahren die ersten Dates klar. Und man staunt, wie leicht das alles geht in Richard Linklaters „Everybody wants some!!“, dieser nostalgisch-fröhlichen Liebeserklärung an die Jugend in den Achtzigern.

Mit den Kids ins Getümmel

Man kann diesen Film als verspätete Fortsetzung von Linklaters Highschool-Komödie „Dazed and Confused“ (1993) verstehen. Dass sich der Filmemacher schon häufiger reichlich Zeit ließ, um dem Leben bei der Arbeit zuzusehen, weiß jeder, der Linklaters Werke wie die „Before Sunrise“-Trilogie oder die Kindheitsstudie „Boyhood“ (2014) gesehen hat.

Während „Boyhood“vor allem von alltäglicher Tragik erzählte, verrät das doppelte Ausrufezeichen im Titel von „Everybody wants some“ das enthusiastische Programm des Films. Linklater verfolgt keine konkrete Handlungslinie, sondern stürzt sich mit den Kids ins Getümmel, die von allem das dicke Extra wollen; von der Musik nur die laute, von den Tagen bloß die kurzen und von den Nächten die wilden.

Obwohl Linklater auf eine Moral verzichtet, wirken die Bilder dieser nihilistischen Dauerparty niemals flach, sind dabei stets von einer kaum greifbaren Melancholie durchzogen. Das liegt vor allem an Charakterdarstellungen wie jener von Glen Powell, der Finnegan, einen an und für sich netten Kerl mit borstigem Schnauzer unter und riesiger Brille auf der Nase spielt, der beim geringsten Anlass ausrastet.

Heile Welt der Nichtsnutze

Woher Finnegans Wut rührt, spielt hier keine Rolle, die Figuren legen weder ihre Vergangenheit noch ihr Innerstes bloß. Sie leben und agieren im Moment und wirken deshalb oft geheimnisvoll und unberechenbar. Dass Linklater wie bei einem Countdown die Tage, Stunden und Minuten bis zur ersten Vorlesung herunter zählt, mahnt an die Endlichkeit dieser heilen Welt der Nichtsnutze, die die freie Wahl haben zwischen so weit voneinander entlegenen Subkulturen wie Disco und Punk und sich letztlich für nichts entscheiden. „Nur der, der auf Grenzen stößt, findet welche“, schreibt der Professor in der ersten Stunde des neuen Semesters an die Tafel. Was dieser Satz bedeuten könnte, kümmert Jake allerdings nicht. Von nächtlichen Eskapaden schwer, sackt sein Kopf aufs Pult.

Everybody wants some!! USA 2016. Regie: Richard Linklater. Mit Blake Jenner, Ryan Guzman, Zoey Deutch. 117 Minuten. Ab 12 Jahren.