Filmkritik: „Ghostbusters“ Albernheit für alle

Von Martin Schwickert 

Wen ruft man an, wenn man Geister im Haus hat? Seit den frühen Achtzigern war das klar: Bill Murray, Dan Aykroyd und Co. entsorgten im Komödienhit „Ghostbusters“ übersinnliche Plagen. Nun hat Paul Feig ein Remake mit lauter Frauen in den Hauptrolle gedreht. War der Shitstorm, den das im Netz ausgelöst hat, bloß männliches Reviergehabe?

Der Geisterjäger-Job ist noch derselbe,  wird nun aber von Frauen erledigt: Melissa McCarthy, Kate McKinnon, Kristen Wiig und Leslie Jones (v.l.). Das hat  Fans der alten „Ghostbusters“-Komödien in Rage versetzt. Foto:Sony Pictures Foto:  
Der Geisterjäger-Job ist noch derselbe, wird nun aber von Frauen erledigt: Melissa McCarthy, Kate McKinnon, Kristen Wiig und Leslie Jones (v.l.). Das hat Fans der alten „Ghostbusters“-Komödien in Rage versetzt. Foto:Sony Pictures

Stuttgart - Vor mehr als dreißig Jahren avancierte Ivan Reitmans „Ghostbuster“ zur erfolgreichen Kultkomödie, der gleichnamige Titelsong von Ray Parker Jr. wurde zum hartnäckigsten Ohrwurm der Achtziger. Nun hat Paul Feig ein Remake des Gruselulk-Klassikers in Angriff genommen. Seine Ankündigung, die Geisterjäger ausschließlich mit Frauen zu besetzen, führte im Internet vorab zu einem regelrechten Shitstorm: Mit einer kruden Mischung aus Nostalgie und Sexismus wurde auf das Filmvorhaben eingedroschen.

Neben dem Actionfilm, in dem weibliche Heldenfiguren in den letzten Jahren ihren männlichen Kollegen nur ein klein wenig Terrain abtrotzen konnten, erweist sich das Komödienfach in Hollywood als besonders quotenresistent. Mit „Brautalarm“, „Taffe Mädels“ und „Spy“ hat Feig bewiesen, dass Frauen das gleiche Recht auf Albernheitund krassen Humor haben – und man damit auch Geld verdienen kann.

Schleimgeister und männliche Neurosen

Mit „Ghostbusters“ wendet er seine Strategie der Genre-Feminisierung nun zum ersten Mal auf die Familienkomödie an. Dabei zahlt sich das schlichte, aber schlüssige Konzept voll aus, mit Kirsten ­Wiig, Melissa McCarthy, Leslie Jones und Kate McKinnon vier erfahrene Comedy-Schwestern in den Kampf gegen schleimspeiende Geister zu schicken.

Perfekt spielt sich das Quartett die Bälle zu und zieht nicht nur gegen paranormale Erscheinungen ins Feld, sondern auch gegen männliche Überlegenheits-Neurosen. Von universitären Vorgesetzten, die jede Existenz von Geistern beharrlich verneinen, bis hin zum ­Bösewicht, der seine hausmeisterlichen Minderwertigkeitskomplexe in Spukattacken ausagiert, wird das vermeintlich starke Geschlecht genüsslich in die Pfanne gehauen.

Blondinenwitze und Phallussymbole

Besonders schön: Chris Hemsworth als strohdummer Rezeptionist, der allein aufgrund seines leckeren Körperbaus eingestellt wird und danach als männliche Version eines Blondinenwitzes durch den Film gockelt. Großen Spaß haben die Damen auch mit ihren phallussymbolträchtigen Protonenkanonen. Die fabelhafte Kate McKinnon als leicht durchgeknallte Ingenieurin Holtzman nimmt bei jeder Gelegenheit den sexualisierten Waffenfetischismus des Actiongenres variantenreich aufs Korn.

Im letzten Drittel, wenn die Story den Konventionen folgend auf ein mit Geisterwesen überbevölkertes Finale zusteuert, verliert die Frauenpower-Komödie zwar ­an Fahrt. Aber das schadet der Amüsierbilanz dieses herzhaft albernen Kinovergnügen nur ein klein wenig.

Ghostbusters. USA 2016. Regie: Paul Feig. Mit Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones. 117 Minuten. Ab 12 Jahren.