Filmkritik: „Jason Bourne“ Allein gegen den Überwachungsstaat

Von den Athener Demonstranten kaum zu unterscheiden, kapert Jason Bourne (Matt Damon) gerade ein Polizeimotorrad. Foto: Universal
Von den Athener Demonstranten kaum zu unterscheiden, kapert Jason Bourne (Matt Damon) gerade ein Polizeimotorrad. Foto: Universal

Der abgetauchte Ex-CIA-Agent Jason Bourne kehrt zurück. Auch im neuen Kinoabenteuer überzeugt Matt Damon als gejagter Einzelgänger. Und die sozialen Netzwerke entpuppen sich als Schnüffelinstrumente der Geheimdienste.

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Stuttgart - Keiner bleibt ewig konkurrenzlos, auch nicht der coolste Top-Agent. Und so muss sich James Bond seit dem Jahr 2002 mit dem amerikanischen Kinohelden Jason Bourne vergleichen lassen. Doch anders als beim Platzhirsch Bond kam bei Bourne auch nach drei Filmen nicht das typische Franchise-Gefühl auf. Bonds Abenteuer sind Markenprodukte mit einem unverwechselbaren, eleganten Stil, der variiert, aber nie in Frage gestellt wird, mit Darstellern, die charismatisch, aber auch austauschbar sind, und mit einer soliden Fanbasis, die mit Insider-Verweisen verwöhnt werden will. Die Bourne-Filme, die Peter Greengrass mit seinem Hauptdarsteller Matt Damon nach den Romanen von Robert Ludlum kreiert hat, sind aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Ihnen haftet nie etwas Selbstgefälliges an. Sie sind fest im Hier und Jetzt verankert.

Der angeraute, ruppige, dokumentarische Stil suggeriert eine visuelle Unmittelbarkeit und Authentizität, wie man sie im Spionagefilm nur selten sieht. Die dynamische Handkameraarbeit passt zur Figur, denn Bourne ist kein cooler Agent, sondern ein Getriebener, der von seinen Schöpfern verfolgt wird, mächtigen Institutionen im Alleingang das Handwerk legt und ganz nebenbei mit all den gefälschten Reisepässen in der Tasche auf der Suche nach der eigenen Identität ist.

Noch einmal von der Leine

Fast zehn Jahre wurde es still um Jason Bourne. So still, dass die Universal-Studios 2012 schon ein Spin-Off mit Jeremy Renner („Das Bourne-Vermächtnis“) in die Wege leiteten, das jedoch längst nicht an die Qualität der früheren Filme heranreichte. Nun haben sich Greengrass und Damon erneut zusammengetan und lassen ihren untergetauchten Spezial-Agenten noch einmal von der Leine, mitten hinein in unsere kriselnde Gegenwart. Keineswegs zufällig beginnt „Jason Bourne“ in Athen, wo sich die Folgen der Banken- und Eurokrise am deutlichsten abbilden. Als konspirativen Treffpunkt haben sich Bourne und seine einzige Vertraute Nicky (Julia Stiles) eine Demonstration gegen die EU-Sparpolitik ausgesucht.

Das Treffen wird vom CIA-Direktor Robert Dewey (Tommie Lee Jones) und der karrierewilligen Agentin Heather Lee (Alicia Vikander) über Satellit beobachtet. Dewey hofft, nach all den Jahren Bourne endlich zu schnappen, zumal seine Firma in Zusammenarbeit mit dem Social-Media-Unternehmer Aaron Kallor (Riz Ahmed) an der weltweiten Totalüberwachung arbeitet. Hier die Hi-Tech-Zentrale in Langley, die sich mit ein paar Mausklicks in jede Überwachungskamera der Welt einloggen kann. Dort die vermummten Demonstranten, die mit Molotow-Cocktails ihren Unmut zeigen. Der Kontrast zwischen anarchischer Rebellion und geheimdienstlicher Totalüberwachung spiegelt auf fast schon haptische Weise die gesellschaftlichen Bruchstellen unserer Zeit.




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