Filmkritik: „Legend of Tarzan“ Der Befreier des Kongo

Es dauert eine Weile, bis Tarzan (Alexander Skarsgård) das Hemd endlich auszieht. Foto: Warner Bros.
Es dauert eine Weile, bis Tarzan (Alexander Skarsgård) das Hemd endlich auszieht. Foto: Warner Bros.

Keiner kann mehr zählen, wie oft Tarzan selbst oder eine seiner Kopien auf die Leinwand oder den TV-Schirm kamen. Die neue Realverfilmung des Stoffs will den Herrn des Dschungels trotzdem bierernst nehmen. Hält Hauptdarsteller Alexander Skarsgård das durch?

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Stuttgart - Wer Tarzan fürs Kino des 21. Jahrhunderts neu erzählen will, muss sich etwas einfallen lassen. Der Regisseur David Yates, der für die letzten vier Harry-Potter-Filme verantwortlich zeichnete, hat sich der Herausforderung gestellt. Man sieht seinem „Legend of Tarzan“ deutlich an, welche Anstrengung die Modernisierung des Stoffes gekostet hat.

Zu Filmbeginn ist der Herr des Dschungels (Alexander Skarsgård aus „Disconnect“) längst mit Jane (Margot Robbie) nach England zurückgekehrt und zwängt seinen hünenhaften Körper in hoch geschlossene Adels-Trikotage. Aber dann, so der überkomplexe, keineswegs schlüssige Handlungsaufbau, überzeugt ihn der afroamerikanische Anti-Sklaverei-Aktivist George Washington Williams (Samuel L. Jackson), mit in den Kongo zu reisen.

Griff zur Liane

Der belgische König Leopold II. beutet Tarzans ehemalige Heimat als Kolonie auf brutalste Weise aus. Sein Statthalter Leon Rom (Christoph Waltz) sucht Elfenbein und Diamanten und betreibt Sklavenhandel in großem Stil. Williams will ihm zusammen mit Tarzan das Handwerk legen. Widerwillig lässt sich der auf den humanitären Einsatz ein, noch widerwilliger nimmt er Jane mit in den Kongo. Schneller, als man sagen kann: „Das wird nicht gut gehen“, befindet sich die Gattin als Geisel in der Hand des Finsterlings. Zeit für den Dschungelkönig, das Hemd auszuziehen und zur Liane zu greifen.

Tarzan-Darsteller wurden im Laufe der vergangenen hundert Jahre vor allem nach Brustkorbgröße gecastet. Auf diesem Gebiet hat auch der hoch gewachsene, heftig austrainierte Alexander Skarsgård einiges zu bieten, auch wenn er hier durchweg in langen Hosen und nicht im Lendenschurz agiert. Über Skarsgårds darstellerische Kapazitäten muss allerdings an anderer Stelle entschieden werden, da er in diesem vollkommen humorbereinigten Film sichtlich der Regieanweisung folgt, immer bierernst-charismatisch dreinzublicken und seine physische Präsenz wirken zu lassen. Aber zum Schauspielen hat man ja Christoph Waltz mit an Bord, der hier – genau wie Samuel L. Jackson – künstlerische Resteverwertung aus den letzten Tarantino-Filmen betreibt und seine Gegner gerne mit dem Rosenkranz stranguliert.

Mit Löwen kuscheln

Ein solch monströser Bösewicht lässt selbst Tarzan noch weit über sich hinauswachsen. Anfangs will der wütende Naturbursche nur Jane befreien, am Ende führt Tarzan die Stämme des Kongo und eine Herde Wasserbüffel in die Schlacht gegen die Kolonialisten. Zwischendrin darf er noch mit Löwen kuscheln und sich mit riesigen Gorillas prügeln, was so glaubwürdig aussieht wie ein Videospiel.

Im Vergleich mit der Neuverfilmung des „Dschungelbuchs“, die alle Grenzen zwischen Mensch, Tier und Natur poesievoll in Fluss brachte, fällt „Legend of Tarzan“ mit seiner finster-grauen Urwaldtextur deutlich ab. Schwerer wiegt jedoch das hölzerne Drehbuch von Adam Cozad und Craig Brewer, das zwischen politisch-korrektem Upgrade und den Schauwert-Ansprüchen des modernen 3D-Kinos ungelenk herumzappelt, anstatt dem abgehalfterten Mythos mit der notwendigen Ironie zu begegnen.

Legend of Tarzan. USA 2016. Regie: David Yates. Mit Alexander Skarsgård, Margot Robbie, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Djimon Hounsou, Sidney Ralitsoele. 110 Minuten. Ab 12 Jahren.




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