Filmkritik „Lucy“ Das ganze Gehirn im Kampf

Lucy (Scarlett Johansson) hat viele Feinde. Aber sie hat dank einer Wunderdroge auch alles bestens im Griff. Foto: Universal Pictures
Lucy (Scarlett Johansson) hat viele Feinde. Aber sie hat dank einer Wunderdroge auch alles bestens im Griff. Foto: Universal Pictures

Action kann Luc Besson rasant inszenieren. Megastarke Frauen entwirft er besonders gern. In „Lucy“ demonstriert der Franzose sein Können mal wieder. Aber viel Substanz hat dieser Rachefeldzug mit Scarlett Johansson als hyperintelligenter Superfurie nicht zu bieten.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Hollywood, du kannst schon mal einpacken! Das war die Attitüde, mit der Luc Besson, der furcht- und tabulose französische Autor, Produzent und Regisseur, einst antrat. Er kannte die Tradition des Genrekinos aus Europa, er hatte die US-Varianten studiert, und er wirbelte mit Filmen wie „Subway“ (1985), „Im Rausch der Tiefe“ (1988), „Nikita“ (1990) und „Léon“ (1994) ganz schön Staub auf. Längst aber arbeitet er so viel mit wie gegen Hollywood und schien als Produzent von Reihen wie „Taxi“ und „Transporter“ in den eigenen Erfolgsmustern festzuhängen.

„Lucy“, das merkt man sofort, soll sein Befreiungsschlag werden: wild, rotzig, übermütig. Besson will zurück zu starken Kampffrauen, die sich bei ihm oft durch männliche Hindernisse gebissen haben wie Mähdrescher durch Teddybären.

Opfer einer Drogengang

Scarlett Johansson spielt Lucy, eine junge Frau, die nicht so aussieht, als hätten sich alle ihre Wünsche erfüllt. Mit einem ziemlich nach Kleindealer aussehenden Bekannten steht sie vor einem Hotel. Der Typ will sie überreden, drinnen einen Koffer abzugeben. Alles sei ganz harmlos, beteuert er, schwitzt aber Blut und Wasser. Als kein Schmeicheln, Greinen, Flehen hilft, schließt er Lucy den Koffer einfach mit einer Handschelle an. Dass das nun kein simpler Botengang wird, ist klar. Aber Lucys Leben gerät jetzt völlig aus den Fugen.

Sie wird zum Opfer einer Drogengang, die ihr paketweise ein neues Wundermittel in den Bauch näht. Auch dieser Kurierdienst geht schief, der Drogenbeutel platzt unter Gewalteinwirkung, Lucy bekommt die Megaschockvariante aller je von Menschen überlebten Horrortrips. Danach aber ist sie entschieden eine andere.

Nach dem Drogenunfall nämlich nutzt sie nicht nur ein paar Prozent ihres Gehirns, wie wir Normalmenschen es tun, nein, sie nutzt jetzt jede einzelne Zelle: ein Superwesen, das klüger, schneller und gefährlicher ist und sogar telekinetische Fähigkeiten entwickelt. Und in einem Film von Besson weiß man, wozu Kräfte da sind: um Rache an den Peinigern zu nehmen.

Ratten vor der Käsefalle

Weil die Kämpfe mit den Gangstern furios und mit rotziger Unbekümmertheit um Logik inszeniert sind, bekommt Besson derzeit viel Lob. Dabei hat „Lucy“ zwei gravierende Probleme. Zum einen ist er die Light-Variante asiatischer Rachethriller wie „Oldboy“. Besson will vergeblich eine Tugend daraus machen, dass im Inneren seines Films keine Paranoia tickt, sondern bloß kindlicher Spaß an grellen Bildern. Zum anderen will er die Realität brechen, indem er kommentierende Szenen einschneidet.

Wenn Lucy zu etwas überredet werden soll, zeigt er eine Ratte vor einer käsebestückten Falle; kommen Gangster auf sie zu, pirschen Raubkatzen an ihre Beute heran. Das wirkt aber nicht sarkastisch verfremdend, sondern versimpelnd didaktisch, als ob Besson seinem Publikum keine eigenen Assoziationen mehr zutraute.

Lucy. USA, Frankreich 2014. Regie: Luc Besson. Mit Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Amr Waked. 89 Minuten. Ab 12 Jahren.




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