Filmkritik „Mandela: Der lange Weg zur Freiheit“ Auch in der Haft nie ein Geknechteter

Winnie (Naomie Harris) und Nelson Mandela (Idris Elba) stehen Justin Chadwicks Film bis zum Schluss enger beieinander als das wohl im Leben der Fall war. Foto: Senator
Winnie (Naomie Harris) und Nelson Mandela (Idris Elba) stehen Justin Chadwicks Film bis zum Schluss enger beieinander als das wohl im Leben der Fall war. Foto: Senator

Einen beeindruckenderen Politiker als den im Dezember 2013 verstorbenen Nelson Mandela wird man schwerlich finden. Das Biopic über den Mann, der Südafrika aus der Apartheid geführt hat, klärt nicht alle Fragen. Aber es lässt uns noch einmal über einen großen Mann staunen.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Vor dem südafrikanischen Freiheitskämpfer, Staatsmann und Humanisten Nelson Mandela haben auch Menschen den Hut gezogen, die sonst vor Politikern allenfalls noch ausspucken. Mandela gab nicht vor, auf alle Fragen eine Antwort zu haben, aber er wirkte in  einem zentralen Punkt aller Problem­erörterungen authentisch. Gewalt bringt nicht die erwünschten Lösungen, Gerechtigkeit ist etwas anderes als Rache, hat Mandela immer wieder erklärt . Wichtiger noch: er hat diese Prinzipien vorgelebt.

Von einem Spielfilm über das Leben des vor knapp zwei Monaten im Alter von 95 Jahren verstorbenen Friedens-Nobelpreisträgers erwarten wir also vor allem die Einsicht in den Wandlungsprozess eines einst Militanten. Eigentlich erhoffen wir uns Winke und Hinweise, wie solch ein Prozess systematisch gefördert werden könnte.

Es bleiben Rätsel

Wer aber mit der Erwartung auf eine glasklare Entschlüsselung von Mandelas inneren Prozessen in Justin Chadwicks Biopic „Mandela: Der lange Weg zur Freiheit“ geht, wird enttäuscht werden. Der Film kann den Entschluss zum Racheverzicht, nur konstatieren, nicht erklären.

Trotzdem ist dies kein gescheitertes Projekt. Es spricht für den Briten Chadwick („Die Schwester der Königin“) und den britischen Drehbuchautor William Nicholson, dass sie keine leicht fassbaren, in ihrer selbstgewissen Schlichtheit grob irreführenden Erweckungsszenen erfunden haben. Was sie stattdessen tun, ist sogar erstaunlich mutig. Sie betonen die Militanz und den Zorn des jungen Mandela, sie machen das Rätsel der Transformation, das der Film nicht zu lösen vermag, umso größer und auffälliger.

Warum einer militant wird

Idris Elba, der Stringer Bell aus der TV-Serie „The Wire“ und Darsteller des Titelhelden der Krimiserie „Luther“, spielt einen sehr virilen, stolzen jungen Anwalt aus einer Königsfamilie des Thembu-Stammes. Dieser Mann hat nicht Jura studiert, um sich mit den Apartheidsgesetzen besser abzufinden.

Gewiss, er glaubt anfangs an Druck von der Straße als Mittel des Wandels. Mit seinen atmosphärischen Inszenierungen des perversen Apartheidsalltags, mit Bildern niedergeknüppelter Demonstranten, räumt der Film aber alle Zweifel an der Kompromisslosigkeit des Burenstaates beiseite. „Mandela“ macht klar, wie und warum auch jemand militant wird, der kein Krawalljunkie auf der Suche nach einem rechtfertigenden Fähnchen ist.




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