Filmkritik: „Pets“ Tiere wollen Party

So ein Tag ohne Menschen gibt manchen Anlass zum Staunen. Als Katze lässt man sich das natürlich nicht anmerken. Foto: Universal
So ein Tag ohne Menschen gibt manchen Anlass zum Staunen. Als Katze lässt man sich das natürlich nicht anmerken. Foto: Universal

Was machen Haustiere eigentlich, wenn der Mensch zur Arbeit geht? Die Erfinder der Minions geben in ihrem neuen Trickfilm die schräge Antwort auf diese Frage.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Wenn der Mensch seinen Geschäften und Besorgungen nachgeht, denkt sich der naive Tierhalter, dann legt sich der treue Hund auf den Teppich und erwartet demütig seine Rückkehr, schlummert die Katze auf dem Sofa, bis der Krauler heimkehrt, geht das Karnickel ins Häuschen und döst dem nächsten Freilauf entgegen. Wer an dieser Illusion festhalten möchte, sollte sich den Film „Pets“, die neue Animationskomödie der Macher von „Ich – einfach unverbesserlich“, vielleicht lieber nicht anschauen.

Wenn hier die diversen Zweibeiner eines New Yorker Apartmenthauses die Türen von außen ins Schloss fallen lassen, geht drinnen die Post ab. Dann beginnt das Haustierleben richtig, so, wie sich das Spielzeug in der „Toy Story“-Reihe aus Plastik- und Holzgegenständen in selbstständige Persönlichkeiten verwandelt, sobald die Menschen mal nicht hinschauen.

Echtes Tiergebaren

Karikaturen leben nie von der schieren Größe ihrer ulkigen Übertreibungen, sondern von der Treffergenauigkeit ihres realistischen Anteils. Auch wenn wir hier kapriziöse sprechende Tiere vor uns haben, der Blick der Animatoren und Drehbuchautoren auf echtes Tiergebaren ist so liebevoll kundig, dass man „Pets“ szenenweise durchaus als Grundkurs in Tierpsychologie durchgehen lassen kann. Eigentlich könnten der nette kleine Terrier Max und seine Kumpels uns mit ihrem gewöhnlichen Alltag gut unterhalten. Aber der Film will blockbustergerecht Action, Chaos, Megapanik.

Zunächst kommt Max unter Druck, weil sein gutherziges Frauchen einen riesigen, aber nicht ganz so gutherzigen Fundhund mit nach Hause bringt. Dann landet Max auf der Straße, wird von Hundefängern gejagt und stolpert auch noch ins Geheimkomplott einer wütenden Untergrund­armee von Kanalratten, Kloakenalligatoren, Straßenstreunern und anderen selbstständigen Tieren, die unter Führung eines verrückten Karnickels den Menschen die Weltherrschaft abringen möchten.

Erfahrung mit Irrsinn

Das entfernt sich zwar weit vom heimeligen, auch klügeren Anfang, aber das Studio Illumination Entertainment hat dank „Ich – einfach unverbesserlich“ und „Minions“ viel Erfahrung mit Weltherrscherwahnsinn und timt den Irrsinn, Slapstick und Größenwahn so flott, dass man am Ball bleibt. Und natürlich, zugegeben, möchte man den fluffigen kleinen Helden auch dauernd beistehen.




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