Die Püppchen aus dem vorigen Jahrhundert erwachen zu animiertem Leben – in einem zynischen Film mit Zuckerkruste.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - Das Netteste, was man über die kleinen Glückstrolle sagen kann, betrifft ihre jäh aufwärts ragenden Haarkreationen. Die erinnern an den amerikanischen Boxpromoter Don King, eine schillernde Figur des Showgeschäfts. Die erwachsene Assoziation passt leider gut zum Animationsfilm „Trolls“, der die in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts vom Dänen Thomas Dam erfundenen Figürchen wieder hip machen möchte. Damals hingen sie von vielen Autorückspiegeln, und „Trolls“ verwischt diese Herkunft nicht. Die Animation strebt nicht nach einem organischen Eindruck, sie suggeriert eher, die Stoff- und Plastikfigürchen seien bewegungs- und sprechfähig.

Doch dieser von den „Shrek“-Machern gestaltete Kinderfilm hat einen zynischen Kern, einen viel fieseren als die Märchenumkrempelung der „Shrek“-Filme, die mit offenem Visier ironisch waren. Die Glückstrolle hier sind selige Kerlchen, zugleich aber die Nahrung großer, misslauniger Unholde, die rituell einmal im Jahr einen kleinen Troll verspern, um Glück zu schmecken. Im Ausmalen dieser Konstruktion blitzt immer wieder Schadenfreude durch. Wenn „Trolls“ die übliche bunte Heldenschar der Kleinen in Bewegung setzt, um den großen Bösen zu trotzen, wird um den Zynismus nur rücksichtlos Zucker gepackt. Am wohlsten fühlt sich dieser Naivität fälschende Film dann, wenn er Trolle in höchste Gefahr bringt, wenn sie schon im Maul der Feinde zappeln. Nicht jedes Kind wird danach gut träumen.

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