Filmkritik „Yves Saint Laurent“ Ein feines Nischenleben

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Yves Saint Laurent war ein erfolgreicher Modemacher. Dass er ein besonders glücklicher Mensch war, glaubt man nach diesem Biopic nicht unbedingt. Zumindest aber konnte der Mann seine wahre Besessenheit ausleben.

Dass er da an einer Frau herumnestelt, kommt Yves Saint Laurent (Pierre Niney, mit den Händen am Stoff) gar nicht in den Sinn. Mode ist ihm wichtiger als Menschen. Foto: SquareOne/Universum,
Dass er da an einer Frau herumnestelt, kommt Yves Saint Laurent (Pierre Niney, mit den Händen am Stoff) gar nicht in den Sinn. Mode ist ihm wichtiger als Menschen. Foto: SquareOne/Universum,

Stuttgart - Bübchen darf man diesen jungen Mann ohne Bosheit nennen: Yves Saint Laurent wirkt in Jalil Jespers Spielfilm mit 21 Jahren noch nicht wie einer, der reif ist, es mit der Welt aufzunehmen. Dass er gerade Artdirector im angesehenen Modehaus Christian Dior wird, erscheint weniger als großer Karriereschritt eines Zielstrebigen, schon gar nicht als Eroberung von Paris. In „Yves Saint Laurent“ scheint der von Pierre Niney gespielte Titelheld eher eine schützende Nische gefunden zu haben, in der sein seltsames Wesen nicht wie eine Störung wirkt.

Denn wie er sich übers Zeichenpapier beugt, sich auf Entwürfe konzentriert, wie er Stoffe und Faltenwürfe prüft und Menschen am liebsten nur als bewegliche Kleiderbügel seiner Visionen wahrnimmt, das hat durchaus etwas Autistisches. „Yves Saint Laurent“ ist der sehr viel sympathischere Film als Anne Fontaines Biopic „Coco Chanel“, weil hier nicht Macken, Schattenseiten und Fiesheiten einer prominenten Figur wegretuschiert, sondern die Brüche einer Figur untersucht werden. Um Bloßstellung geht es allerdings auch nicht.

Ein Zarter möchte wilder leben

„Yves Saint Laurent“ erzählt, wie der schwule Modeschöpfer sich erst einrichtet im vorgefundenen Haute-Couture-Betrieb und wie er dann, mitgerissen vom Aufbruch der Sechziger, ein Rebell werden will: also nicht nur andere Schnitte wagt, sondern auch einen anderen Lebensstil. Dass dieser zarte Mann für das wilde Leben eigentlich nicht taugt, nach dem er sich sehnt, das bildet den tragischen Kern von „Yves Saint Laurent“. Der Spielfilm verharrt zwar in einer Welt der Begüterten, aber seine liebevolle Ausstattung macht auch etwas klar: dass der ganze Pomp für Yves Saint Laurent gar nicht zum Genießen da ist, dass ihn nur Momente der Erstellung interessieren. Und dieses Interesse an Arbeit ist hier eben nicht bloß Interesse an Profitmargen.

Yves Saint Laurent. Frankreich 2013. Regie: Jalil Lespert. Mit Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon. 106 Minuten. Ab 12 Jahren.




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