Filmmusik aus Waiblingen Die Popcorn-Momente der Musik

Jeremy Riley singt zu Rodolfo Guzman Tenores Musik. Foto: Gottfried Stoppel
Jeremy Riley singt zu Rodolfo Guzman Tenores Musik. Foto: Gottfried Stoppel

Rodolfo Guzman Tenore ist leidenschaftlicher Musiker. Er komponiert Filmmusik, leitet einen Chor, unterrichtet als Musiklehrer und produziert Popmusik.

Rems-Murr: Thomas Schwarz (hsw)
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Waiblingen - Sein Name klingt schon wie Musik: Rodolfo Guzman Tenore. „Der Nachname stammt je zur Hälfte aus Südamerika und aus Italien“, sagt der 39-jährige Musiker in seinem Studio in Waiblingen und betont, dass sein Vorname nicht Rudolfo sei. „Der wird andauernd falsch geschrieben“, sagt er, während er auf dem Computerbildschirm die passende Datei sucht, mit der er dem Gast verdeutlichen will, was er eben erklärt hat. Ein Klick mit der Maus, und aus den Lautsprechern donnert dramatische Musik. „Das würde zum Pyramidenbau in Ägypten passen“, meint er, während der Gast rätselt, ob hier ein Orchester am Werk war oder nicht. „Nein“, sagt der Mann am Klavier, „die Instrumente sind alle gesampelt. Allerdings sind diese Aufnahmen so gut, dass man sogar das Kratzen der Bögen auf den Saiten hört.“

Eine vermeintliche Gaunerei entpuppt sich als Filmpreis

Filmmusik ist eines der Standbeine von Rodolfo Guzman Tenore. Er arbeitet für die ARD, den SWR, Pro Sieben, SAT1, RTL2 und andere Sender, er vertont Imagefilme, Websites, Werbung und Zeichentrickfilme. Dafür hat er bereits Preise eingeheimst, 2003 für den besten Soundtrack beim Festival Les Rencontres Europeenes de la Jeune Creation Numerique in Valenciennes. „Das war für den Animationsfilm ,Wunderwerk’. Ich wusste gar nicht, dass der Film auf dem Festival lief. Plötzlich hat mich jemand in gebrochenem Deutsch angerufen und wollte meine Kontonummer. Zuerst hatte ich den Verdacht, dass es sich um eine Gaunerei handelt, aber dann waren 3500 Euro auf dem Konto. Das inspiriert!“

Schnell müsse man sein, wenn man in der Filmmusik tätig ist. „Meistens soll ich die Musik von einem Tag auf den anderen liefern“, sagt er. Seine dreijährige Tochter Clara störe das allerdings nicht. „Sie will trotzdem zwischendurch etwas vorgelesen bekommen“, sagt er schmunzelnd. Dass die Filmer dennoch rechtzeitig ihre Musik bekommen, liegt daran, dass Rodolfo Guzman Tenore jede Menge Musik im Gedächtnis hat. Seit dem siebten Lebensjahr spielt er Klavier, sein erstes Lied hat er mit elf Jahren geschrieben, bis zum 20. Lebensjahr spielte er „von Hand“ in verschiedenen Bands.

Drei Titel pro Woche gilt es zu komponieren

„Als ich erfahren hatte, dass die BeeGees mehr als 1000 Lieder komponiert haben, rechnete ich aus, wie viele Titel ich noch schreiben muss, bis ich in ihrem Alter bin“, erzählt er. „Es sind drei pro Woche“, verrät er, wobei ihm der Schalk aus den Augen blitzt. „Nachdem ich 250 Songs komponiert hatte, wurden sie so langsam gut.“

Nach dem Studium an der Musikhochschule Stuttgart – Klassik, Jazz, Pop – absolvierte er noch ein weiteres an der Filmakademie Ludwigsburg in den Fächern Filmmusik und Sounddesign. Sein Wissen und Können auf dem Gebiet der Filmmusik kommt auch den Zehntklässlern des Gottlieb-Daimler-Gymnasiums in Bad Cannstatt zu gute, wo er als Musiklehrer unterrichtet. Diesen demonstriert er anschaulich, was Steven Spielberg unter „Popcorn-Momenten“ versteht. „Im Weißen Hai sieht man den erst in der 70. Minute, vorher wird er immer nur durch die Musik angedeutet. Wenn er dann auftaucht, fehlt die Musik, man ist überhaupt nicht darauf vorbereitet. Das ist der Moment, in dem die Zuschauer vor Schreck das Popcorn in die Luft werfen.“

Wer im Unterricht nicht aufpasst, spürt den Popcorneffekt

Im umgekehrten Fall wird in Horrorfilmen die Musik immer leiser und springt schlagartig ins Fortissimo. „Im Unterricht wirkt das vor allem bei den Schülern, die gerade nicht aufgepasst haben.“

Damit nicht genug, Rodolfo Guzman Tenore leitet außerdem den Chor Vocal Affair und produziert mit Musikern wie Sidney Youngblood, Kayla oder Jeremy Riley Rock- und Popmusik. Mit Rileys Single „Curious“ landeten die beiden auf Platz eins der Rythm-n-Blues-Charts von Amazon. „Seit Dezember arbeiten wir am ersten Album“, sagt der 22-jährige Sänger. Acht Songs davon sind bereits im Kasten. Von den beiden wird man aber in Zukunft sicher noch mehr hören.




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