Filmneuheiten via Streaming Weltgrößte Kinokette gibt klein bei

Von red/dpa 

Keine Exklusivität mehr für Kino, neue Filme parallel zur Leinwand ins Streaming: So lautet die neue Politik des Hollywood-Studios Universal. Die weltgrößte Kinokette AMC begehrte dagegen auf – und hat den Kampf verloren.

AMC trat als Champion der Kinobranche gegen Hollywoods neue Regeln an – und hat den Kampf verloren. Foto: AFP/Valerie Macon
AMC trat als Champion der Kinobranche gegen Hollywoods neue Regeln an – und hat den Kampf verloren. Foto: AFP/Valerie Macon

Los Angeles - Die weltgrößte Kinokette AMC und das Filmstudio Universal haben ihren erbitterten Streit mit einem Deal beigelegt, der die gesamte Branche verändern könnte. Sie einigten sich darauf, dass Universal in den USA seine Filme bereits 17 Tage nach dem Kinostart in den Online-Verleih bringen kann. Dabei geht es um sogenannte Premium-Angebote, bei denen Filme für 15 bis 20 Euro ausgeliehen werden können - also zum Preis eines Kinobesuchs. Über die Konditionen für Europa soll in den kommenden Wochen verhandelt werden, wie AMC und Universal am Dienstag (Ortszeit) mitteilten.

Traditionell werden neue Filme zuerst im Kino gezeigt und stehen erst einige Monate später zum Kauf, zur Ausleihe sowie zum Streaming zur Verfügung. Dieses Zeitfenster ist in den vergangenen Jahren bereits kürzer geworden. Doch die Corona-Krise beschleunigte den Wandel des Geschäfts noch einmal drastisch.

Kapitulation der Kinoseite

Während Kinos geschlossen blieben, brachte Universal seinen Animationsfilm „Trolls World Tour“ im Frühjahr stattdessen in den Online-Verleih. Das zahlte sich aus: In drei Wochen spielte der Film allein am US-Markt knapp 100 Millionen Dollar ein. Der Chef von NBCUniversal, Jeff Shell, machte daraufhin eine weitreichende Ankündigung: „Wir gehen davon aus, dass wir Filme in beiden Formaten veröffentlichen werden, wenn die Filmtheater wieder öffnen.“ Der Filmtheater-Betreiber AMC, zu dem in Deutschland die UCI-Kinos gehören, kündigte daraufhin an, gar keine Streifen des Studios mehr zu zeigen.

Der jetzt erzielte Deal ist de facto einen Kapitulation der Kinoseite mit weitreichenden Folgen. Jahrzehntelang haben die Lichtspielhäuser das möglichst lange Exklusivrecht auf Kinoneuheiten erfolgreich verteidigt. Diese lange Ära scheint nun schnell zu Ende zu gehen. Die Kinos standen angesichts des Streaming-Booms bereits vor der Corona-Krise unter Druck und hielten sich nur noch dank einzelner Megablockbuster wie den „Marvel“-Comic-Verfilmungen über Wasser. Universal hat potenzielle Kinohits wie die nächsten Filme der Reihen „Jurassic World“, „Fast & Furious“ und „Minions“ in der Pipeline.




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