Filmschule StuttgART Gegen die Wand

Von Kerstin Rech 

Vor 30 Jahren haben Hannelore Kober und Jonnie Döbele die Filmschule StuttgART eröffnet. Das Projekt scheiterte. Ein Rückblick.

Noch immer kreativ und kritisch: das  Ehepaar am ehemaligen Standort seiner Filmschule StuttgART in der Alexanderstraße Foto: Susanne Wegner 9 Bilder
Noch immer kreativ und kritisch: das Ehepaar am ehemaligen Standort seiner Filmschule StuttgART in der Alexanderstraße Foto: Susanne Wegner

Stuttgart - Ende der 1960er Jahre ist in Stuttgart eine kreative Szene entstanden, die sich an den avantgardistischen Undergroundfilmen orientierte. Ihr Idol war der amerikanische Künstler Andy Warhol. Warhols Filme, die zum Teil als pornografisch galten und in Deutschland mit einem Aufführungsverbot belegt waren, wurden in den Stuttgarter Kinos heimlich gezeigt, nachts, wenn das offizielle Programm beendet war.

Als Folge dieser Strömung gab es zunehmend junge Menschen, die selbst das Filmemachen lernen wollten. Aber wo? Der Südwesten Deutschlands war, was die cineastische Ausbildung anbelangte, eine Wüste. Lediglich an der Stuttgarter Kunstakademie kam Filmkunst im Studienverzeichnis vor – als Nebenfach.

Das Ehepaar Hannelore Kober und Jonnie Döbele erkannte dieses Manko. Die beiden Stuttgarter Filmemacher hatten unter anderem in London an der St. Martin’s School of Art und in New York am Department for Cinematic Arts and Television an der Parsons School of Design studiert und anschließend mit ihren Kurzfilmen an internationalen Festivals teilgenommen. Mit ihrem Erfahrungsschatz, den sie in England und den USA gesammelt hatten, gründeten sie die Filmschule StuttgART, eine Abendschule für Filmgestaltung, -theorie und -produktion.

Finanzielle Schwierigkeiten

Im Frühjahr 1985 begann der Unterricht. Geplant war, die Einrichtung langfristig in eine Ganztagsschule umzuwandeln. Ihre Beziehungen zum Department for Cinematic Arts and Television an der Parsons School of Design in New York wollten Kober und Döbele für einen kooperativen Austausch beider Schulen nutzen. Zuerst sollten für das Eröffnungstrimester maximal 20 Studenten aufgenommen werden. Weil der Andrang so groß war, wurden es jedoch 34, die auf zwei Klassen aufgeteilt wurden.

Das erste Domizil der Filmschule StuttgART war das Künstlerhaus in der Reuchlinstraße, heute noch eine bekannte Adresse im Stuttgarter Westen, das Kreativen Ateliers und Werkstätten zur Verfügung stellt und regelmäßig Ausstellungen veranstaltet. Wenige Monate nach Gründung der Filmschule zog sie in die Alexanderstraße im Süden der Landeshauptstadt um. Die Ausbildung sollte zwei Jahre dauern, unterteilt in sechs Trimester, nach englischem beziehungsweise amerikanischem Vorbild. Pro Trimester war eine Studiengebühr von 210 Mark (inklusive Filmproduktionsmaterial) zu entrichten, die im Jahr darauf auf 395 Mark erhöht wurde.

Von Anfang an stand die Filmschule von Kober und Döbele finanziell auf wackeligen Beinen – obwohl es sich bewahrheitete, dass man in Stuttgart und Umgebung auf eine Einrichtung wie diese gewartet hatte. Die Zahl der Studenten stieg rasch auf 85. In nunmehr fünf Klassen lernten sie, wie aus einer Idee ein Storyboard und schließlich ein Drehbuch wird, wie man einen Film schneidet und optisch nachbearbeitet. Die Unterrichtseinheiten hießen „Kamera- und ­Tontechnik“, „Beleuchtung“, „Animationsfilm“, „Synchronaufnahme“ oder „Filmsprache“.