Filmwinter-Abschlussgala Preise beim 38. Filmwinter verliehen
Bei der Abschlussgala des 38. Filmwinter sind am Sonntag im Theater Tri-Bühne die Preise verliehen worden. Wer sind die Gewinner?
Bei der Abschlussgala des 38. Filmwinter sind am Sonntag im Theater Tri-Bühne die Preise verliehen worden. Wer sind die Gewinner?
Ein Riesenrad, eine Bahnhaltestelle, ein einzelnes erleuchtetes Fenster inmitten dunkler Hochhausfassaden: Die statischen Einstellungen im Video „Landscapes in Zurich“ des Künstlers Tsz Hei Fung wirken unspektakulär, wäre da nicht die Pointe, dass in jedem Bild der Filmemacher selbst zu entdecken ist. Diese visuelle Signatur des eigenen Werks hat Alfred Hitchcock legendär gemacht, der sich in jedem seiner Filme in eine Szene schummelte.
Dem in China geborenen, inzwischen in der Schweiz lebenden Medienkünstler Tsz Hei Fung geht es aber um etwas anderes als um den visuellen Scherz. „,Landscapes in Zurichs‘ Spiel mit dem Auftauchen und Verschwinden in der städtischen Umgebung eröffnet Fragen nach Identität und Zugehörigkeit und fragt, was es bedeutet, sich in eine Gemeinschaft zu integrieren“, beschreibt die Jury beim 38. Filmwinter Tsz Hei Fungs künstlerisches Forschungsinteresse. Der Ansatz gefiel Dagmar Schürrer, Arne Vogelgesang und Nataša Vukajlović so gut, dass sie die Arbeit bei der Abschlussgala des Festivals am Sonntagnachmittag im Theater Tri-Bühne mit dem Award in der Kategorie „Expanded Media“ auszeichneten. Der Künstler selbst zeigte sich tief bewegt vom Jurystatement und freute sich über das Preisgeld von 1500 Euro.
In diesem Jahr wurden beim Filmwinter Arbeiten ausgezeichnet, die sich besonders mit den Perspektiven anderer Kulturen auseinander setzten. So erhielt der Film „Déjà-Nu“ von Rolf Hellat, Laetitia Ky, Sylvia Ouattara und anderen mit Bildern aus dem Senegal den mit 4000 Euro dotierten „Norman“-Award im Internationalen Kurzfilmwettbewerb. Die Macher setzen sich mit dem Thema Vergänglichkeit auseinander und zeigen durch Zeitlupe verfremdete Szenen, etwa von Nachtschwärmern auf einer beleuchteten Straße, aber auch rätselhaft Poetisches wie ein im Wind wirbelndes Gras, möglicherweise bewegt von darunter verborgenen Tänzern.
Individuelle Geschichte und Gegenwart beleuchtet der Kurzdokumentarfilm „Aus der Ferne“ von Hoang Quynh Nguyen und Benjamin Hujawa, ausgezeichnet mit dem Teamwork-Award in Höhe von 2000 Euro. Der Film begleitet ein Vater-Tochter-Paar, dass durch unterschiedliche biografische Erfahrungen voneinander entfremdet ist. Der Vater, ein ehemaliger DDR-Vertragsarbeiter aus Vietnam, erlebte 1992 die Ausschreitungen von Neo-Nazis in Rostock-Lichtenhagen als Bewohner des in Brand gesetzten Sonnenblumenhauses mit und klammert sich an die Erinnerung an Verwandte in Vietnam, die für dessen Tochter Fremde sind.
Den 2-Minuten-Kurzfilm-Preis erhielt „The biggest Mistake of Comrade Stalin“ von Peter Vadocz, der in galligen 90 Sekunden den russischen Expansionsdrang auf die Schippe nimmt. Vor dem hügeligen Bergpanorama von Stalins georgischem Geburtsort Gori ploppen die Icons eines Windows-Startbildschirms auf. Eine Warnanzeige zeigt die russische Flagge, dazu den Satz: „This system has failed many times, please, don’t try it again.“ Erstaunlich, wie wenig es manchmal braucht, um unsere komplizierte Gegenwart treffend zu beschreiben.