Drei Schüler aus Ludwigsburg wollen mit ihrem Einkaufswagen „Smartcart“ das Warten an der Supermarktkasse beenden. Damit stehen sie nun im Finale des Bundeswettbewerbs KI.

Ludwigsburg : Anna-Sophie Kächele (ask)

Es gibt angenehmere Wege, als seinen Feierabend in einer langen Supermarktschlange zu verbringen. Da hilft es zwar, dass viele Supermärkte mittlerweile platzsparende Selbstbedienungskassen eingeführt haben, aber auch dort muss jedes Produkt noch einmal aus dem Korb geholt werden. Das geht einfacher, schneller und damit kundenfreundlicher, sagen drei junge Männer aus dem Landkreis Ludwigsburg. Sie haben sich mit ihrer Erfindung „Smartcart“ beim Bundeswettbewerb KI beworben und sind ins Finale eingezogen. Doch was genau kann ihre Technik? Ein Besuch im Hessigheimer Tante M, wenige Tage vor der letzten Präsentation.

 

Daniel Keck nimmt den scharfen Senf aus dem Regal. Er hat ihn noch nicht ganz im Einkaufswagen abgelegt, da wurde er bereits von den zwei Weitwinkelkameras erfasst, von einer selbst trainierten Künstlichen Intelligenz erkannt und zur digitalen Einkaufsliste hinzugefügt. Statt an der Kasse jedes Produkt einzeln aufs Band zu legen, muss der Kunde nur noch den Code auf dem Display des Einkaufswagens abscannen oder über die supermarkteigene App bezahlen, in der ein Zahlungsmittel hinterlegt ist. „Wir haben uns gefragt, was wirklich einen Mehrwert im Alltag hat und an die lange Schlange im Supermarkt gedacht“, erzählt der 17-jährige Vincent Englram.

Einkaufserlebnis soll sich nicht verändern

Konkurrenz für ihre Erfindung gibt es genug: beispielsweise die Rewe Pick&Go App oder der K-Scanner von Kaufland, mit denen Kunden selbstständig ihre Produkte abscannen – mittlerweile eingeführt in ausgewählten Filialen. Was ist der Unterschied? „Wir wollen das Einkaufsverhalten nicht verändern“, sagt Vincent Englram. Ihre Technologie erspart Kunden das Einscannen und schützt vor Betrug. Sobald die Kameras mutwillig verdeckt werden, ertönt ein lauter Signalton.

Gleichzeitig sollen die Smartcarts günstiger für die Supermärkte sein als beispielsweise die Einkaufswägen von Amazon Go, eine amerikanische Supermarktkette, in der die Produkte ebenfalls durch Sensoren und Kameras im Einkaufswagen erfasst und nach dem Verlassen des Ladens automatisch berechnet werden. „Der große Bildschirm kann überfordernd sein“, sagt Englram. „Mit Smartcart soll das ein sehr intuitives Einkaufen sein“, ergänzt Jakob Bederna.

Waagen in Gemüseabteilung sind verbunden

Die Wahrscheinlichkeit, dass später jedes Produkt im Einkaufswagen abgerechnet wird, liege momentan bei 99 Prozent, erzählen die drei Schüler des Christoph-Schrempf-Gymnasiums Besigheim. Ganz egal, wie voll der Einkaufswagen ist, ganz egal, ob der Kunde zwischendrin wieder etwas herausnimmt. Mit 15 Produkten haben sie ihre Künstliche Intelligenz in den letzten Wochen trainiert, 50.000 Bilder sind dabei entstanden.

Doch nicht jedes Produkt ist von dem KI-Modell erfassbar. An der Obst- und Gemüsetheke könnte beispielsweise die Waage mit den Einkaufswägen gekoppelt werden. „Dann fragt mich die Waage ‚Gehört dir Wagen Nummer sieben’ und bucht die gewogenen Äpfel direkt auf die digitale Einkaufsliste“, erklärt Keck. Sollten sich Produkte einmal so ähnlich sein, dass das KI-Modell Probleme hat, sie zu unterscheiden, soll das Anbaumodul des Einkaufswagens immer noch die Möglichkeit bieten, Barcodes selbst abzuscannen. Das Modell speichert keine Bild – oder Kundendaten – außer der Nutzer meldet sich mit seiner Supermarktapp an. „Es geht aber auch anonym als Gast“, erklären die Entwickler.

Team will KI-Modell weiterentwickeln

Die drei Zwölftklässler wurden von ihrem Informatiklehrer auf den Bundeswettbewerb aufmerksam gemacht. Ende Juni haben sie ihre Idee eingereicht, im September dann ein Video gedreht, in dem sie ihr Projekt vorstellen. Nun sind sie mitten in der heißen Phase und versuchen mit ausreichend Testläufen bereit für das Finale zu sein.

Die Schüler haben ihr KI-Modell mit 15 Produkten trainiert – unter anderem scharfem Senf. Foto: Werner Kuhnle

Am Freitag führen der Mundelsheimer, Gemmrigheimer und Besigheimer als eines von zehn Teams ihre Erfindung im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main vor. Die Projekte der Konkurrenz gehen dabei in ganz unterschiedliche Richtungen. Ein Team stellt beispielsweise ein KI-Modell vor, das handgeschriebene Texte automatisch in digitale Dokumente umwandelt, ein anderes einen Finger-Sensor, der den Blutzuckerwert ohne Stechen misst, und ein weiteres Team ein Armband, das beim Tennis Schlagbewegungen, Timing und Winkel analysiert.

Auf der Webseite des Bundeswettbewerbs kann noch bis Freitag für den Publikumspreis für sie abgestimmt werden: www.bw-ki.de/publikumspreis. Zusätzlich gibt es verschiedene weitere Preise. Das Gewinnerteam bekommt 1500 Euro und ein Praktikumsplatz bei der Firma Fanuc, ein weltweit agierender Hersteller von Industrierobotern. „Egal ob wir gewinnen oder nicht, wir werden die Erkennung weiter verbessern, weil es uns Spaß macht, das System reliabler zu machen“, sagen die drei.