Finale im DFB-Pokal Ex-Löwen jagen Bayern

Von Marco Seliger 

Beim Pokalfinale zwischen Bayer Leverkusen und Bayern München stehen vier Bayer-Profis im Blickpunkt: Julian Baumgartlinger, Kevin Volland und die Benders wurden beim Münchener Lokalrivalen 1860 groß. Gibt das Extra-Motivation?

Bayer-Trio mit Münchener Vergangenheit: Julian Baumgartlinger, Kevin Volland (oben), Sven Bender (von links). Foto: imago/Team 2
Bayer-Trio mit Münchener Vergangenheit: Julian Baumgartlinger, Kevin Volland (oben), Sven Bender (von links). Foto: imago/Team 2

Berlin - Ernst Tanner, das ist die gute Nachricht, kann an diesem Samstag entspannt Fußball schauen. Der Sportdirektor von Philadelphia Union befindet sich mit seinem Team in Orlando im Quarantänehotel, wenn es bald durchweg negative Corona-Tests gibt, ist die Sache erst einmal durchgestanden. Tanner selbst geht es gut – und er freut sich auf die Übertragung des DFB-Pokalfinals an diesem Samstag aus dem Berliner Olympiastadion, wo Bayer Leverkusen auf den FC Bayern München trifft.

Und wo seine ehemalige Löwenbande den großen Favoriten ärgern will.

Das Pokal-Endspiel 2020 ist ein besonderes – für Tanner und für vier aktuelle Bayer-Profis, die aller Voraussicht nach allesamt in der Startelf stehen werden. Die Geschichte geht so: Tanner war von 2003 bis 2009 Leiter der Nachwuchsabteilung des TSV 1860 München – und begleitete beim Lokalrivalen des FC Bayern die aktuellen Leverkusener Profis Kevin Volland, Julian Baumgartlinger und die Bender-Zwillinge Lars und Sven zu deren Jugendzeiten und als Jungprofis.

Leverkusener Löwen sind los

Nun also sind die Leverkusener Löwen im Finale gegen den FC Bayern los. Und wenn man so will, steigt da auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions eine kleine Münchner Stadtmeisterschaft gegen die Thomas Müllers und David Alabas, die bei den Bayern in der Jugend groß wurden.

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Für wen Ernst Tanner aus dem fernen Florida die Daumen drücken wird, ist klar. Der österreichische Mittelfeldmann Baumgartlinger (32) spielte insgesamt acht Jahre für den TSV 1860, bei den heute 31-jährigen Bender-Zwillingen waren es sieben, und Stürmer Volland (27) war fünf Jahre lang ein Löwe. Entscheidend geprägt von Tanner, der nun nach Engagements bei der TSG Hoffenheim und Red Bull Salzburg in den USA gelandet ist.

Tanner und die anderen Verantwortlichen der damals hocherfolgreichen 1860-Jugendabteilung formten einige Junglöwen zu gestandenen Bundesligaprofis – und wenn das aktuelle Bayer-Quartett nun in Berlin den DFB-Pokal gewinnt, dann wäre das auch für Tanner ein Höhepunkt. Und eine Folge der speziellen Förderung von damals. „Wir haben in München versucht, Werte wie Durchsetzungsvermögen, Disziplin und Siegermentalität zu vermitteln und haben das dann auch von den Jungs eingefordert“, sagt Tanner.

Baumgartlinger – der geborene Anführer

Damals seien solche Dinge noch einfacher gewesen als heute, ergänzt Tanner, denn: „Da war es für Jugendspieler noch leichter, bescheiden zu bleiben, denn da gab es noch nicht die große Beraterflut.“ Insbesondere Baumgartlinger sei in jungen Jahren charakterlich schon positiv aufgefallen, sagt Tanner: „Das war und ist der geborene Anführer – der war schon im Jugendalter reif, mit dem konntest du über alles diskutieren.“ Ähnlich habe es sich bei den Benders verhalten. „Die beiden kamen aus bescheidenen Verhältnissen, sie sind immer demütig geblieben und sind große Teamplayer“, sagt Tanner.

Zumindest Sven Bender, der mit dem BVB 2012 das Double holte und den FC Bayern im Pokalfinale beim 5:2 demütigte, weiß, wie man die Bayern schlägt. Jetzt soll mit Bayer wieder der große Wurf her. Womöglich mit den Toren des vierten Ex-Löwen im Leverkusener Bunde.

Volland wie ein Eishockeyspieler

Auch Torjäger Kevin Volland ist heiß aufs Finale – und eines ist schon jetzt klar: Er wird es mit vollem Körpereinsatz bestreiten. „Bei Kevin musste ich schon früher immer lachen“, sagt Tanner: „Der spielt Fußball wie ein Eishockeyspieler.“ Das überrascht kaum angesichts der Tatsache, dass Vollands Vater Andreas früher als Nationalspieler dem Puck hinterherjagte und der kleine Kevin als Knirps selbst mit dem Schläger übers Eis flitzte. Wie Volland das auf den Rasen überträgt, beschreibt Tanner so: „Wie ein Eishockeyspieler hat Kevin einen extrem tiefen Körperschwerpunkt, er setzt seinen Körper immer voll ein – und ist wie auf dem Eis kaum aus der Bahn zu bringen.“

Jetzt will Volland mit den drei anderen Ex-Löwen auch im Finale von Berlin standhaft bleiben. Und den FC Bayern in die Knie zwingen.




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