Finanz-Start-up aus Stuttgart Teo bringt kleinere Banken ins App-Zeitalter

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Das Stuttgarter Start-up Comeco hat ehrgeizige Ziele: Inmitten starker Konkurrenz will man eine Allzweck-Finanz-App etablieren. Partner sind Genossenschaftsbanken der Sparda-Gruppe.

So soll das künftige Eintrittstor in die Bankenwelt auf dem Smartphone aussehen. Foto: Comeco
So soll das künftige Eintrittstor in die Bankenwelt auf dem Smartphone aussehen. Foto: Comeco

Stuttgart - Von den Bürofenstern des Start-ups Comeco in der Stuttgarter Stadtmitte blickt man direkt auf eine traditionelle Bankfiliale. Dass eine Sparda-­Bank gleich nebenan liegt, ist kein Zufall. Genau solche Banken will das 30-köpfige Team auf eine digitale Plattform bringen, die vielerlei Finanzprodukte und unterschiedliche Anbieter mit wenigen Klicks verfügbar macht. Teo heißt die App, mit der das 2018 gegründete Start-up einen Online-Anlaufpunkt für alle Finanzfragen etablieren will. „Kleinere Banken können so etwas gar nicht selber entwickeln, schon gar nicht in der notwendigen Geschwindigkeit“, sagt der Geschäftsführer Stefan Bisterfeld. Größere Finanzanbieter versuchten derartige Apps selber zu etablieren, hätten aber immer noch die Tendenz, ihre Angebote abzuschotten.

Erste Zielgruppe sind kleinere und mittlere Institute

Für die von Comeco umworbenen Partnerbanken, die zunächst im Bereich der kleineren und mittleren Institute wie Sparkassen oder Genossenschaftsbanken liegen, soll die innovative App dazu dienen, schnell diesen Markt mit einem eigenen Angebot zu besetzen. Nicht nur etablierte Finanzinstitute, sondern vor allem auch die Fintechs genannten Start-ups aus dem Bereich der Finanztechnologie wollen diese wichtige Schnittstelle zum Kunden besetzen. Beim Design und bei der Nutzerfreundlichkeit setzen diese Anbieter die Standards. Sieben regionale Sparda-Banken sind nicht nur die Partner für den Start, sondern sind auch als Risikokapitalgeber dabei.

Die Entwickler profitieren dabei von der im September in Kraft getretenen neuen EU-Bankenrichtlinie PSD 2. „Eine Bank kann sich nicht mehr dagegen wehren, dass ein anderer Anbieter ihre Schnittstelle nützt“, sagt Stefan Bisterfeld: „Das ist jetzt ein Wettbewerb mit gleichen Voraussetzungen. Die Banken müssen deshalb selber Plattformbetreiber werden.“ Es reicht nicht mehr, auf das eigene Angebot zu verweisen, sondern man muss Eingangsportal zur Finanzwelt werden. Gleichzeitig ist so manche traditionelle Online-Anwendung wegen der neuen Sicherheitsanforderungen sperriger geworden und verlangt beispielsweise viel öfter die Eingabe eines Passwortes – selbst bei einfachen Kontoabfragen.

Für denjenigen, der die Online-Zugänge verschiedener Banken nutzt, ist das mühsam. Die kostenlose Teo-App bietet hingegen einen zentralen Zugang. Der Nutzer kann jeden beliebigen Finanzanbieter registrieren, auch ohne dass der eine Lizenz für die App erworben hat. „Aber wer keine Lizenz von uns hat, der verliert den Kundenkontakt“, sagt Bisterfeld – der Blick auf Nutzungsdaten oder Werbemöglichkeiten für Angebote entfallen. Comeco selbst verhält sich als neutrale Plattform: Der Anbieter verspricht, niemals personalisierte Daten ohne ausdrückliche Zustimmung weiterzugeben.

Sicherheitsanforderungen sind sperriger geworden

In Stuttgart setzt man sich jedenfalls große Ziele, auch wenn die baden-württembergische Landeshauptstadt nicht unbedingt als Fintech-Hochburg gilt. Der Schlüssel zur schnellen Verbreitung sind die Banken-Partner. Sie sollen der Türöffner zu Zielgruppen sein, die sich vielleicht nicht gleich eine App von einem unbekannten Anbieter herunterladen würden. „Bei den Kundentests hat gerade die sogenannte Babyboomer-Generation sehr positiv reagiert und hat sich gut zurechtgefunden. Das hat uns überrascht“, sagt Marketingchef Björn Biedermann. Die Kommunikation, in der man mit dem Nutzer gleich mal per Du ist, hat man aber für eine jüngere Zielgruppe angelegt.

Gutscheine als Lockmittel

Über die App lassen sich auch Rabattgutscheine vom Laptop-Anbieter über den Modeversand bis zur Kaffeekette abrufen. Oder man kann sich anzeigen lassen, wie viel Geld man bis Monatsende effektiv noch zur Verfügung hat. Die App kann regelmäßige Abzüge wie Abschlagszahlungen für Telefon, Strom oder Wasser identifizieren und bei dieser Kalkulation automatisch einberechnen. Virtuelle „Sparboxen“ mit zur Seite gelegtem Geld etwa für den Urlaub lassen sich anlegen und werden bei der Berechnung der realen Liquidität berücksichtigt. Außerdem soll es Informationen zu Anlagethemen geben. Eine Lücke gibt es bei der Zusammenfassung der Finanzen allerdings: Börsendepots des eigenen Fondsportfolios sind nicht enthalten. Technisch sei das zwar möglich, aber hier gebe die EU-Bankenrichtlinie keine Zugriffsgarantie, heißt es.

Der Wettbewerb um die sogenannten Multibanking-Apps ist hart, andere Angebote sind schon am Markt. Tempo ist entscheidend. Ende November oder Anfang Dezember soll es losgehen. Priorität hat zunächst die mobile Nutzung. „Man muss schnell den Kontaktpunkt besetzen“, sagt Bisterfeld. Wer den im Griff hat, kann jenseits von Bankangeboten dann etwa Versicherungen oder Stromverträge andocken. Das Ziel von Comeco ist es, im deutschsprachigen Raum einer der dominierenden Anbieter zu werden. „Wir wollen Ende 2020 schon eine Million Kunden haben“, sagt Bisterfeld.