Finanzämter Bürger müssen länger auf Steuerbescheid warten

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Die Finanzämter im Land stehen vor der größten EDV-Umstellung ihrer Geschichte. Zwei Wochen lang geht nichts mehr. 

Trotz EDV-Umstellung sind die Ämter offen und nehmen Steuererklärungen an. Foto: Steinert
Trotz EDV-Umstellung sind die Ämter offen und nehmen Steuererklärungen an. Foto: Steinert

Stuttgart - Es ist ein Mammutprojekt, und mancher Chef innerhalb der Finanzverwaltung wird in den kommenden zwei Wochen etwas unruhig schlafen: Denn alle 65 Finanzämter des Landes schalten am Mittwoch ihre Software ab und installieren ein ganz neues Programm namens Konsens. Bis zum 2. Mai dauert die Umstellung, 18 Millionen Steuerkonten und 320 Millionen Archivelemente werden in dieser Zeit überführt. Angesichts der sensiblen Daten hat oberste Priorität, dass nichts verloren geht. Die Finanzämter können deshalb während der beiden kommenden Wochen weder Anträge bearbeiten noch Auskunft zum Stand der Dinge geben.

Hans-Peter Hoffmann, der Leiter des Stuttgarter Finanzamtes I, ist aber sehr zuversichtlich, dass alles reibungslos vonstatten geht. Erstens hätten andere Bundesländer die Software bereits vor Baden-Württemberg eingeführt, und zweitens sei das Programm in mehreren Ämtern im Kleinen getestet und Fehler korrigiert worden. "Die Daten können nicht verschwinden", sagt Hoffmann: "Denn wir haben das alte System ja immer in der Rückhand."

Der Bürger muss sich allerdings auf eine längere Bearbeitungszeit seiner Steuerakte einstellen. Zwei Wochen lang bleiben die Unterlagen ganz liegen, anschließend müssen sich die Sachbearbeiter erst an das neue System gewöhnen. "Es wird einige Zeit dauern, bis die Mitarbeiter wieder die alte Effektivität erreichen", fürchtet Zenon Bilaniuk vom Vorstand des Bundes der Steuerzahler in Stuttgart. Er rät allen Bürgern, den diesjährigen Steuerbescheid ganz genau anzuschauen, weil die Fehlerquote womöglich höher sein könnte als in früheren Jahren. Falls der Bescheid zu lange auf sich warten lässt oder inhaltliche Unstimmigkeiten auftauchen, dann sieht sich der Bund der Steuerzahler als der richtige Ansprechpartner: "Alle betreten Neuland - wir prüfen deshalb, ob die Umstellung gelingt", sagt Bilaniuk. Eine Richtschnur ist, dass bisher die Bearbeitung eines Steuerfalles im Schnitt einen Monat beträgt. Für Stuttgart, so betont Hans-Peter Hoffmann, hätten die Mitarbeiter in den vergangenen Wochen "wie irre" Anträge bearbeitet, um die Wartezeiten kurz zu halten und um möglichst wenig Fälle in das System übernehmen zu müssen.

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