Handball-Nationalspielerin Xenia Smits verspürt wegen der folgenschweren Finanzkrise des Bundesligisten HB Ludwigsburg Wut und macht den Verantwortlichen des deutschen Meisters schwere Vorwürfe. „So viele Fragen wurden uns nicht beantwortet. Wie kann es sein, dass ein Verein so in die finanzielle Schieflage gerät? Es ist doch keine Überraschung, wie viel die Hallenmiete kostet oder wie hoch unsere Gehälter sind“, sagte Smits der Deutschen Presse-Agentur.
Smits: „Ich verspüre Wut“
„Wie kann man so mit Existenzen spielen? Ich verspüre Wut, weil so eine Mannschaft wird es nie wieder geben. Ich verspüre Wut, weil meiner Mannschaft geschadet wurde“, sagte Smits weiter. Bei einem „klaren Zukunftsplan“ hätte sie sich vorstellen können, Abstriche zu machen und weiterhin für Ludwigsburg aufzulaufen. „Aber solch ein Plan wurde uns nie vorgelegt. Das ist ein hoffnungsloses Projekt“, sagte Smits, die nach Informationen unserer Redaktion inzwischen in aussichtsreichen Verhandlungen mit einem internationalen Topclub steht.
Die 31 Jahre alte Rückraumspielerin macht sich auch mit Blick auf die WM vom 26. November bis zum 14. Dezember 2025, die Deutschland mit den Niederlanden ausrichtet, Sorgen. „Wir haben sechs bis sieben DHB-Spielerinnen bei uns. Wir werden sicherlich keinen Verein finden, bei dem wir wieder alle zusammenspielen. Da geht Trainingszeit verloren, da geht Einspielzeit verloren“, sagte die Nationalspielerin. Neben Smits gehören Antje Döll, Viola Leuchter, Nicole Roth, Mareike Thomaier, Jenny Behrend und Neuzugang Lena Degenhardt zum Kreis der Nationalmannschaft.
Bundestrainer Markus Gaugisch hat sich inzwischen zu den neuesten Entwicklungen geäußert: „Meine Gedanken sind bei den Spielerinnen, dem Trainerteam und allen Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle. Diese Nachricht und die daraus resultierende Unsicherheit sind wenige Monate vor der Heim-WM natürlich nicht optimal für die Spielerinnen und auch das Trainerteam mit Frederick Griesbach und Jasmina Jankovic-Rebmann, die auch bei uns im Nationalmannschafts-Trainerteam sind.“ Griesbach ist Gaugischs Co-Trainer, Jankovic-Rebmann kümmert sich um die Torhüterinnen.
Gaugisch hofft auf Lösungen
Der gebürtige Göppinger Gaugisch hofft, dass für alle Beteiligten bei seinem Ex-Club so schnell wie möglich Antworten gefunden werden. „Ludwigsburg war eine super Station, sehr fordernd mit einer Topmannschaft auf Champions-League-Niveau. Das ist so kurz vor dem Saisonstart schwer, einen adäquaten Verein zu finden. Ich hoffe sehr, dass sich für alle Involvierten Lösungen finden lassen, um möglichst schnell wieder in den sportlichen Alltag zu kommen. Wir werden sie dabei so gut es geht unterstützen.“
Mit Blick auf die Titelkämpfe im eigenen Land sagte der 51-Jährige: „Unsere Planungen für die Heim-WM werden wir aktuell genauso fortsetzen, wie es geplant war, werden aber auch die sich immer wieder ändernden Situationen im Auge behalten und dahingehend anpassen.“