Finanzen auf Prüfstand Gemeinde Aichwald rechnet mit Defizit und erster Schuldenaufnahme seit 20 Jahren

Im Rathaus werden derzeit Einspar- und Einnahmevorschläge erarbeitet, um die finanzielle Lage von Aichwald zu verbessern. Foto: Roberto Bulgrin

Die Gemeinde Aichwald steht wie viele andere vor finanziellen Herausforderungen. Erstmals seit 20 Jahren sind Schulden geplant. Das könnte auch Folgen für die Bürger haben.

Reporterin: Greta Gramberg (gg)

Der laufende Betrieb der Gemeinde Aichwald deckt sich nicht mehr selbst, die finanzielle Lage wird schlechter. Für 2026 rechnet die Verwaltung mit einem Defizit von 3,4 Millionen Euro. Und mit der ersten Schuldenaufnahme seit 20 Jahren. Die Finanzlage wird womöglich in Zukunft auch für die Aichwalderinnen und Aichwalder spürbar.

 

Der Gemeinderat hat dem Haushaltsplan nun zugestimmt, der keine großen Sprünge beinhaltet. Die Fraktionen hatten einerseits kaum kostenintensive Anträge gestellt. Andererseits läuft bereits die Suche nach Einspar- und weiteren Einnahmemöglichkeiten, die spätestens in den kommenden Jahren die Einstellung oder Reduzierung von einigen kommunalen Angeboten oder höhere Abgaben dafür bringen könnten.

Einwohnerversammlung zu Finanzlage in Aichwald geplant

Einem entsprechenden Grundsatzbeschluss hatte der Gemeinderat bereits im Dezember 2025 zugestimmt. Die Durchleuchtung des Etatplans soll in den kommenden Wochen und Monaten geschehen. „Die meisten Maßnahmen werden wahrscheinlich erst fürs nächste Jahr wirksam“, erwartet Bürgermeister Andreas Jarolim. Bevor dann entsprechende Beschlüsse gefasst werden, will die Gemeinde eine Einwohnerversammlung machen und die Aichwalderinnen und Aichwalder über das, was auf sie zukommt, informieren. Einen entsprechenden Antrag hatte die Grünen-Fraktion im Gemeinderat gestellt. „Ich hoffe, dass das noch vor Sommerpause klappt“, sagt Jarolim.

Grund für das Loch in der Gemeindekasse ist, dass wie in vielen anderen Kommunen die Aufwendungen stärker anwachsen als die Erträge. Größte Posten sind nach sogenannten Transferaufwendungen wie zum Beispiel Umlagen die Personalkosten, die unter anderem aufgrund von Tarifabschlüssen steigen. Auf der anderen Seite kann die Gemeinde mit etwas mehr Einnahmen aus der Einkommenssteuer rechnen, weil die Löhne allgemein gestiegen sind.

Kredite unter anderem für Kitaneubau und Feuerwehrfahrzeuge

Die größte Investition tätigt die Gemeinde beim laufenden Bau von Kita und Schule im Ortsteil Aichschieß (4,6 Millionen Euro), der in diesem Jahr abgeschlossen werden soll, außerdem ist die Anschaffung von Feuerwehrfahrzeugen geplant. Weil die frei verfügbaren Finanzmittel der Gemeinde schrumpfen, ist eine Kreditaufnahme in Höhe von 5,2 Millionen Euro geplant – die erste seit vielen Jahren. Die Gemeinde Aichwald war seit 2006 schuldenfrei.

Meist ist es der Einbruch bei den Gewerbesteuern, der vielen Kommunen die letzten Hoffnungen raubt, noch mit einem blauen Auge aus der Finanznot zu kommen. Dramatisch ist die Lage beispielsweise in Esslingen, der größten Stadt im Kreis. Ende Februar verkündete die Stadt, sie müsse 24,4 Millionen Euro Gewerbesteuer an lokale Unternehmen zurückzahlen. Nur wenige Wochen zuvor hatte die Stadt mit der Nachricht, dass Esslingen mit 36,5 Millionen Euro weniger Gewerbesteuereinnahmen rechnen muss als geplant, für viel Aufregung gesorgt.

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