Finanzen Gerlingen 2026 Hohes Millionendefizit – Warum die Stadt dennoch Lob bekommt

Eitel Sonnenschein über dem Rathaus in Gerlingen? Für den Haushalt bekommt die Verwaltung von Gemeinderäten zwar Lob, muss aber auch Kritik einstecken. Foto: Simon Granville

Gerlingen plant für das laufende Jahr mit 4,6 Millionen Euro Defizit im Haushalt. Doch es überwiegt Zufriedenheit im Gemeinderat – wenn auch nicht bei allen Themen.

Die Berechnungen für das laufende Jahr weisen in Gerlingen erneut ein sattes Minus für den kommunalen Haushalt aus: Rund 4,6 Millionen Euro gibt die Stadt demnach mehr aus, als sie einnimmt. Gegenüber dem Plan des Vorjahres hat sich das Defizit damit sogar verdoppelt. Dass der Haushalt in Gerlingen dennoch genehmigungsfähig ist, liegt an dem immer noch verhältnismäßig komfortablen Rücklagenpolster der Strohgäu-Kommune. Noch lebt sie gut von der Substanz.

 

Auch weil der Pfeil bei den Gewerbesteuereinnahmen in Gerlingen überraschend nach oben zeigt, Schulden kein Thema mehr sind und die für 2026 geplanten Investitionen in Rekordhöhe von rund 26 Millionen Euro im Gemeinderat als weitgehend unumgänglich gelten, hielt sich die Kritik an der Rathausführung bei der Verabschiedung des Haushaltsplans in Grenzen. Für ihre „Ausgabendisziplin“ und ihr „Augenmaß“ gab es allenthalben sogar Lob.

Ist die Kreisumlage schuld am Defizit bei Gerlingens Finanzen?

Die Gründe dafür, dass es nicht besser um die Finanzen der Kommune steht, sehen viele Stadträte vorrangig woanders. Stichwort: Kreisumlage. Dass diese 2026 erneut kräftig um rund 2,8 Millionen auf jetzt 15,6 Millionen Euro ansteige, sei schlechterdings „inakzeptabel“, zürnt etwa Thomas Fauser, Stadtrat der CDU, anlässlich der Haushaltsverabschiedung am Mittwochabend im Gemeinderat.

„Wir werden unsere Kreisräte hier ins Gebet nehmen und eine Änderung einfordern“, sagte Fauser. Wie das bei stetig steigenden Ausgaben auf Kreisebene gelingen soll, verriet er nicht. Die Grünen erinnerten daran, dass „ein Teil der Gelder zur Finanzierung des Ludwigsburger Klinikums verwendet wird und notwendig ist, um das Gesundheitssystem in unserer Stadt zu sichern“.

Mächtig Unmut löste auch der mutmaßlich fehlerhafte Zensus aus, also die staatlich ermittelte Einwohnerzahl aller Kommunen. Weil die Einwohnerberechnung für Gerlingen in der letzten Erhebung von 2022 nach Ansicht der Stadt deutlich zu gering ausfiel, gehen dem Rathaus erhebliche finanzielle Geldzuweisungen durch die Lappen.

Wegen des Zensus entgehen Gerlingen hohe Zuweisungen

Stadtrat Martin Maisch (Freie Wähler) rechnete vor: „Die vom Zensus ‚geklauten‘ 1100 Einwohner kosten uns ziemlich genau die gleiche Summe, die Gerlingen vom Bund in Form des Sondervermögens für Investitionen zugewiesen bekommt: circa 750 000 Euro pro Jahr.“ Martina Merchant (FDP) sagte, dass ihre Fraktion deshalb den Einspruch der Stadt gegen das Zensusergebnis„vollumfänglich unterstützt“.

Viele Stadträte blicken auch kritisch auf die Entwicklung der Personalkosten in der Stadtverwaltung. FDP-Stadträtin Merchant erinnerte daran, dass „in der freien Wirtschaft bei einem negativen Unternehmensergebnis der Personalabbau eine der ersten Maßnahmen der Kostensenkung wäre“. Den weiteren Aufbau von Personal will die Fraktion „kritisch prüfen“.

Die Grünen plädieren für mehr Personal im Rathaus

Anders blicken die Grünen auf das Thema: „Bei zunehmender Arbeitsbelastung ist eine Stellenaufstockung nötig“, erklärt etwa die Stadträtin Angela Neuburger-Schäfer. In der Zunahme der Ausgaben für externe Dienstleister sieht sie einen Beleg für stetig wachsende Anforderungen. Martin Maisch sagte, dass die steigenden Personalkosten ein Indiz dafür seien, dass die Kommune „immer mehr Aufgaben per Gesetz aufgebrummt bekommt, ohne einen entsprechenden finanziellen Ausgleich“.

Die SPD-Fraktion warf der Stadt vor, mit vielen wichtigen Projekten nicht schnell genug voranzukommen. Als Beispiele nannte Jürgen Fritz die Energiewende, das Nahwärmenetz sowie die Innenstadtsanierung. Er mahnte an, einen größeren „Fokus auf die Umsetzung beschlossener Projekte“ zu legen. Auch bei der Sanierung des Stadtmuseums sieht Fritz immense Verzögerungen, „die den Steuerzahler viel Geld kosten“.

Mitunter falsche Prioritätensetzungen wollen auch die Jungen Gerlinger (JG) erkannt haben: In Hinblick auf die in Gerlingen dringend benötigte Feuerwehrinfrastruktur sagte David Rometsch, „die bisherige Entscheidungsgeschwindigkeit wird in unseren Augen der Priorität nicht gerecht“. Trotz der Bedenken stimmte der Gemeinderat am Ende geschlossen dem Haushaltsplan für 2026 zu.

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