Im Kreistag Ludwigsburg wird der Haushalt 2026 vorgestellt. Die Finanzen stimmen wenig optimistisch. Trotzdem werden die Kommunen nicht so stark zur Kasse gebeten wie befürchtet.
Waren das noch Zeiten: 240 Millionen Euro auf der hohen Kante und „nur“ 32 Millionen an Schulden. Es ist noch gar nicht lange her, dass der Landkreis Ludwigsburg finanziell richtig gut dastand. Innerhalb weniger Jahre hat sich das Blatt komplett gewendet: Fast 150 Millionen Euro Schulden wird der Kreis Ende 2026 aller Voraussicht nach haben – bei Rücklagen von nur noch 72 Millionen. Das geht aus dem Haushaltsentwurf für 2026 hervor, den der Landrat Dietmar Allgaier (CDU) am Freitag im Kreistag vorgestellt hat.
Wie konnte es überhaupt dazu kommen?
Dass die Kommunen von Bund und Land immer umfangreichere Aufgaben zugewiesen bekommen, ohne, dass für deren Finanzierung gesorgt ist, prangert Dietmar Allgaier nicht zum ersten Mal an. Vor allem die Sozialausgaben gehen durch die Decke und sind seit 2022 um rund 75 Millionen Euro gestiegen. Lediglich einem riesigen kreisweiten Maßnahmenpaket, das Einsparungen in Höhe von fast 45 Millionen Euro umfasst, sei es zu verdanken, dass für 2026 das Schlimmste noch einmal abgewendet werden konnte.
Dennoch bleibt die Lage mehr als angespannt: Trotz all dieser Sparmaßnahmen weist der Haushalt immer noch ein Defizit von mehreren Millionen Euro aus. „Die Kommunen sind am Limit“, stellte Allgaier im Kreistag klar. Bereits 2024 gab es ein Rekorddefizit aller Landkreise, Städte und Gemeinden in Höhe von fast 25 Milliarden Euro. Diese Summe wird 2025 voraussichtlich um weitere fünf Milliarden Euro überboten.
Was heißt das im Detail für den Landkreis?
Auf der einen Seite steht der Ergebnishaushalt, der alle fortwährenden Einnahmen und zwingenden Ausgaben beinhaltet, zum Beispiel aus Steuern und Zuweisungen einerseits, für Personalkosten oder Sozialhilfen andererseits. Selbst nach Abzug der millionenschweren Kliniken-Rücklage bleibt hier am Ende ein Minus in Höhe von knapp fünf Millionen Euro übrig.
Auf der anderen Seite will der Landkreis auch in die Zukunft investieren – Ausgaben in Höhe von rund 43 Millionen Euro sind geplant. Unter anderem stehen Planung und Bau eines großen Katastrophenschutzzentrums an, an dem der Landrat weiter festhalten möchte. Auch am Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel wie der Strohgäubahn und – so sie denn wie geplant kommt – der Stadtbahn Lucie ist der Kreis beteiligt. Die Folge: Der Kreis muss neue Schulden in Höhe von 15 Millionen Euro aufnehmen.
Gleichzeitig soll die Kreisumlage um zwei Prozent steigen, die Städte und Gemeinden sollen also mehr Geld an den Kreis abführen. Ursprünglich sollten es sogar sieben Prozent sein, was eine Kreisumlage von 38 Prozent bedeutet hätte. Dank des genannten Sparpakets werden es immerhin „nur“ 33 Prozent.
Geht es danach wieder bergauf?
Wohl eher nicht, glaubt der Landrat. „Da die Steuererträge ein geringeres Wachstum als die Aufwandsseite ausweisen, kann ich für das kommende Jahr einen Re-Set 2027 nicht explizit ausschließen.“
Re-Set – das ist der Name des Sparpakets, das der Kreistag für 2026 beschlossen hat und das die Grundlage für den neuen Haushaltsplan bildet. Bereits dessen Folgen werden deutlich spürbar sein – für die Mitarbeitenden der Verwaltung genauso wie für die Bürgerinnen und Bürger.
Es beginnt bei höheren Parkgebühren und höheren Mieten für landkreiseigene Einrichtungen sowie mehr Verkehrskontrollen. In der Verwaltung sind zahlreiche Kürzungen und Umstrukturierungen vorgesehen, die bei den Mitarbeitenden bereits für große Verunsicherung gesorgt haben. Zuschüsse für mehrere Sozialverbände wurden gekürzt oder, in wenigen Fällen, sogar komplett gestrichen. Auch an den Berufsschulen wird gespart.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Haushaltsentwurf geht nun durch die einzelnen Ausschüsse, in denen die einzelnen Punkte noch einmal diskutiert werden, bevor der Kreistag Ende des Jahres über das Gesamtpaket entscheidet.