Finanzen von Kommunen Wenn Hallenbäder zu teuer werden

Kehraus im leeren Becken: In Leinfelden-Echterdingen soll über den Neubau des Hallenbads noch mal beratschlagt werden, sagt der OB. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Kehraus im leeren Becken: In Leinfelden-Echterdingen soll über den Neubau des Hallenbads noch mal beratschlagt werden, sagt der OB. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Bäder sind für Kommunen kostspielig, für viele Einwohnern gehören sie jedoch zur Ausstattung. Städte gehen mit diesem Kostenfaktor ganz unterschiedlich um, wie Beispiele aus Leinfelden-Echterdingen, Plochingen und Filderstadt zeigen.

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Leinfelden - Es war schon alles unter Dach und Fach. Das Hallenbad in Leinfelden wird abgerissen und neu gebaut. Zumindest galt das bis vor wenigen Tagen als kommunalpolitischer Konsens, an dem niemand mehr öffentlich rüttelte. Während der Vorstellung des Haushaltes wies der Oberbürgermeister Roland Klenk nun allerdings auf mutmaßlich sinkende Einnahmen in den kommenden Jahren hin. „Wir übernehmen uns mit all den Investitionen, die wir vorhaben“, sagte er. Die Stadtverwaltung wolle mit dem Gemeinderat über Vorhaben sprechen, die entweder zeitlich in die fernere Zukunft verschoben oder gar ganz aufgegeben werden könnten, kündigte der Schultes an. Zu jenen Vorhaben, die Klenk mit dem Gemeinderat besprechen möchte, solle auch das Hallenbad in Leinfelden gehören.

Kosten im mehrstelligen Millionenbereich

Dabei hatte der Technische Ausschuss erst im Juli das Raumprogramm des zukünftigen Hallenbades beschlossen. Ein Kinderplanschbecken mit Rutsche, einen Picknick- und Aufenthaltsbereich sowie einen Zugang zu ausreichend großen Liegeflächen im Außenbereich solle das neue Bad besitzen. Auch ein Ein- und Dreimetersprungturm war Inhalt des Raumprogramms, ebenso ein Lehrbecken mit absteigender Wassertiefe. Die genauen Kosten sind noch ungewiss, sie werden aber im mehrstelligen Millionenbereich liegen. Als nächsten Schritt auf dem Weg zu einem neuen Hallenbad war ein Architektenwettbewerb geplant. Ob dieser stattfinden wird, hängt wohl von den weiteren Gesprächen der Stadtverwaltung mit dem Gemeinderat ab.

Dass ein vorhandenes Schwimmbad nicht zwingend für alle Zeiten zur Ausstattung einer Kommune gehören muss, diese Erfahrung machten unlängst die Einwohner von Plochingen im Neckartal. In dem Hallenbad in der Stadtmitte wurde überraschend Asbest gefunden, die Einrichtung musste geschlossen werden. Jahrelang wurde anschließend in der Stadt darum gerungen, wie es weitergehen könnte. Mehrere Millionen Euro wären sowohl für die Sanierung des Bades als auch für einen Neubau nötig gewesen.

Das könne sich die Stadt schlicht nicht leisten, erklärte der Bürgermeister Frank Bus schließlich im Jahr 2016. Die Einnahmen der Stadt würden für die Pflichtaufgaben benötigt. Und mit der anstehenden Sanierung des Schulzentrums in der Stadt sind Millioneninvestitionen im zweistelligen Bereich verbunden. Der Abriss des Hallenbades ist die noch nicht vollzogene, aber doch wahrscheinliche Konsequenz.

Schüler haben weitere Wege zum Schwimmunterricht

In Teilen der Einwohnerschaft kam das alles gar nicht gut an. Immerhin diente das Bad nicht nur örtlichen Vereinen wie der DLRG zu Trainingszwecken. Viele Plochinger haben zudem in dem Bad das Schwimmen gelernt und später ihren Kindern wiederum das Schwimmen beigebracht. Das Verhältnis zum Stadtbad war auch emotional geprägt. Hinzu kommt, dass die Schulen um das Stadtbad herum die Einrichtung für ihren Schwimmunterricht nutzten.

Seit der Schließung müssen die Schüler nach Wernau fahren, was Zeit kostet, die vom Schwimmunterricht abgeht. Ob das Schulzentrum vor diesem Hintergrund wenigstens ein Schulschwimmbecken bekommen soll, wird noch diskutiert. Ganz abgefunden haben sich einige Einwohner mit dem Ende des Stadtbades immer noch nicht. Zuletzt wurden vor knapp einem Jahr Unterschriften mit dem Ziel eines Bürgerbegehrens gesammelt, dieses wurde aber aus rechtlichen Gründen für unzulässig erklärt.

Streichung oder Aufschub stehen nicht zur Debatte

Sanierungsbedürftig ist auch das 1972 gebaute Gartenhallenbad in Filderstadt-Bernhausen. „Es ist in die Jahre gekommen“, erklärt der Geschäftsführer der Filderstadtwerke Jan Meier. In den kommenden Monaten werde der Planungsprozess für die Sanierung beginnen, hofft er. Mehr als drei Millionen Euro an Zuschüssen aus Bundesmitteln seien erst kürzlich zugesagt worden. Dafür werde es auch eine neue Untersuchung geben, die die spannende Frage nach den voraussichtlichen Kosten beantworten soll.

Rufe nach einem zeitlichen Aufschub oder gar einer Streichung der Sanierung aus finanziellen Gründen habe er bisher nicht vernommen, so Meier. Das Bad sei voll ausgelastet. Neben den benachbarten Schulen werde es von Vereinen und der allgemeinen Öffentlichkeit genutzt. „Es ist unverzichtbar“, sagt er deshalb. Der Geschäftsführer rechnet mit einem anderthalbjährigen Planungsprozess, bevor es an die Umsetzung der bis dahin beschlossenen Maßnahmen geht.




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