Finanzhilfe für Björn-Steiger-Stiftung Höchst umstrittene Rettung der Retter

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Gefährlich hohe Werbe- und Verwaltungsausgaben


Die Zielmarke von sechs Millionen Euro gilt Fundraising-Fachleuten als ausgesprochen ambitioniert, aber erreichbar. Die hohen Kosten für die Agenturen verursachen freilich ein anderes Problem: Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben könnte eine bedenkliche Höhe erreichen - jedenfalls dann, wenn die Stiftung, wie von der Politik gewünscht, das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) in Berlin beantragt. Als Obergrenze gilt dort vom kommenden Jahr an 30 Prozent, wobei der Durchschnitt 14 Prozent betrage. Die Steiger-Stiftung, heißt es regierungsintern, drohe die Latte klar zu reißen. In einem Punkt wird den DZI-Vorgaben bereits Rechnung getragen: Während der Laufzeit der Bürgschaft muss das Jahresgehalt des Präsidenten Pierre-Enric Steiger von bisher 130.000 Euro auf 100.000 Euro begrenzt werden. Dabei hatte der hochkarätig besetzte Präsidialrat das - in der Politik mit Befremden registrierte - Salär gerade erst als angemessen genehmigt. Mitglieder des Gremiums sind neben dem Exmusicalunternehmer Rolf Deyhle als Vorsitzendem unter anderem Bahn-Chef Rüdiger Grube, die Verlegerin Friede Springer und die Bertelsmann-Regentin Liz Mohn.

Auch über den Zweck der Finanzhilfe bestehen offenbar unterschiedliche Ansichten. Den Abgeordneten ging es laut Netzhammer vor allem darum, das Netz von Notruftelefonen zu erhalten. Es müsse andernfalls erheblich ausgedünnt werden, hatte die Stiftung gedroht. Nun soll sie zusammen mit dem Sozialministerium prüfen, inwieweit die 2632 Notrufsäulen im Handyzeitalter überhaupt noch notwendig sind. Pierre-Enric Steiger sieht die Stiftung hingegen viel zu sehr auf dieses eine Thema reduziert. Ihm sind die diversen anderen Initiativen genauso wichtig - zum Beispiel die Projekte "Retten macht Schule", wo Schüler in erster Hilfe ausgebildet werden, "Kampf dem Herztod" (durch den Verkauf von Defibrillatoren ebenfalls eine Einnahmequelle) oder "Baby-Notarztwagen", das wie kein anderes Herzen und Geldbeutel öffnet. Das Ansinnen, die eine oder andere Aktion aus Kostengründen einzustellen, sei von der Politik nie an ihn herangetragen worden, sagt der Präsident. Der Landtag knüpfte sein Plazet dagegen unter anderem an die Bedingung, es müssten "Geschäftsfelder überprüft und ein Restrukturierungsplan erstellt werden". Dahinter steht die Sorge der Regierung, die Stiftung bekomme ihre Kosten nicht in den Griff - zumal jene fürs Personal: Etwa 30 Mitarbeiter sind in den schicken neuen Räumen im Stuttgarter Bosch-Areal tätig.

Bis heute weiß Pierre-Enric Steiger nach eigenen Worten nur aus der Zeitung von dem Ja zur Bürgschaft; auch über damit verbundene Auflagen habe ihn offiziell niemand informiert. Dabei ist eigentlich höchste Eile geboten: Schon im Januar erwartet der Wirtschaftsausschuss einen "Bericht über die bis dahin erfolgten Maßnahmen". Die ungewöhnliche Finanzhilfe, so scheint es, wird die Landespolitik noch länger beschäftigen.