Finanzielle Absicherung 7 Dinge, die jede Frau vor der Ehe klären sollte

Sieben Punkte sollten Paare vor einer Ehe klären, sagt unsere Expertin. Foto: KI/Midjourney/Sebastian Ruckaberle

Mit der Ehe begeben sich – immer noch – viele Frauen in die finanzielle Abhängigkeit. Finanzplanerin Annika Peters hat Tipps dagegen.

Familie, Zusammenleben und Bildung: Julika Wolf (jwo)

Ein Haus, das beide Ehepartner abbezahlen – das aber hinterher nur dem Mann gehört. Eine Mutter, die jahrelang für die Kinder zuhause geblieben ist – und nach der Scheidung ohne Geld dasteht. Eine Frau, die in der Scheidung nur will, dass es vorbei ist – und sich dabei fast eine Million Euro entgehen lässt.

 

Solche Fälle kennt Annika Peters nur zu gut. Vor Weihnachten hatte sie den ersten Fall mal wieder bei einem Paar: „Das Haus läuft auf ihn, das Darlehen auf beide“, erzählt sie. Sie leitet eine Stuttgarter Finanzberatung für Frauen und erlebt dabei immer wieder, dass vor allem Frauen sich in der Ehe finanziell abhängig machen.

Damit so etwas nicht passiert, sollten Paare unbedingt auf die Finanzen schauen. Vor allem, bevor sie heiraten. Wir haben die Expertin nach einer finanziellen Checkliste vor der Ehe gefragt.

1. Grundsätzliche Fragen

„Kommunikation ist das Wichtigste“, sagt die 38-Jährige. Also erst mal ein paar Fragen stellen: Passen unsere Lebensentwürfe zusammen? Möchten wir Kinder? Wie wollen wir Erwerbs- und Familienarbeit verteilen? Wollen wir ein Haus kaufen?

Aber auch der persönliche Umgang und die Erfahrungen mit Geld seien wichtig. „Komme ich damit klar, dass mein Partner geizig oder verschwenderisch ist? Oder eine Sammlerwut hat?“, sagt Annika Peters. „Jeder darf sein Geld ausgeben, wie er möchte“, findet sie, „wenn er seine Absicherung im Griff hat und wenn es nicht zu Lasten des anderen geht, was die zukünftigen Ziele angeht.“

Letztlich seien auch Fragen wichtig, die total banal klingen. Wie viel verdient mein Partner? Denn die Frau, die sich die Millionen durch die Lappen gehen lassen wollte, habe schlicht nicht gewusst, wie hoch das Gehalt ihres Mannes war. „Ich glaube, mindestens die Hälfte der Paare weiß nicht, was der Partner verdient“, sagt Annika Peters.

2. Versicherungen

Manche Versicherungen brauche jeder, andere könne man vor der Hochzeit zusammenlegen, sagt Peters. Die private Haftpflichtversicherung, zum Beispiel. Außerdem könne man bei der Krankenversicherung prüfen, ob ein Partner über die Familienversicherung gesetzlich mitversichert werden kann. „Allein dadurch lassen sich mit der Heirat manchmal Kosten sparen“, sagt sie.

Finanzplanerin Annika Peters. Foto: Nina Wellstein

Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung bräuchten beide Partner unbedingt. „Es reicht nicht, zu sagen: Wenn ich krank werde, muss halt meine Frau wieder arbeiten gehen“, sagt sie. Denn wäre die fünf Jahre lang nicht im Beruf gewesen und hätte sich in der Zeit in der Branche viel verändert, würde das schwierig werden.

3. Steuerklassen und Ehegattensplitting

„Man muss nicht automatisch als Frau in Steuerklasse fünf gehen, wenn man heiratet“, sagt Annika Peters. Auch wenn das die meisten so machen würden. „Steuerklasse fünf bedeutet, dass diejenigen, die sowieso schon weniger verdienen, noch weniger Netto haben“, sagt sie. Weil Eltern- und Krankengeld vom Nettogehalt aus gerechnet werden, sei das problematisch. Und es vergrößere die Abhängigkeit vom Partner.

Auch habe die Steuerklasse nichts mit dem Ehegattensplitting zu tun. Der Steuervorteil des Splittings sei interessant, wenn einer deutlich weniger verdiene als der andere, sagt Annika Peters. „Aber es muss natürlich nicht zulasten der Person gehen, die eh schon weniger verdient.“ Diesen Splittingvorteil könne man durch das relativ neue Faktor-Verfahren im Steuerrecht fair auf beide Ehepartner verteilen.

4. Altersvorsorge

Ein Aspekt, den Paare sich unbedingt anschauen sollten, ist die Altersvorsorge – vor allem, wenn eine Person weniger arbeitet. „Die Arbeitszeit, die nicht bezahlt wird und Rentenpunkte bringt, sondern die ich zuhause leiste, braucht eine eigene Altersvorsorge“, sagt sie. So, wie Selbstständige auch eine brauchen.

„Ich finde es immer ganz spannend, wenn man die Renteninformationen nebeneinanderlegt: Dann fällt den meisten doch auf, dass die Frau 1000 Euro und er 3000 Euro Rente erwarten kann“, sagt Annika Peters. Viele Männer seien dann bereit, eine Zeit lang die Altersvorsorge der Frau zu priorisieren.

Auch Dinge wie Testament und Vorsorgevollmachten sollte man laut ihr vor der Ehe klären.

5. Konten

Egal ob verheiratet oder nicht, Annika Peters empfiehlt, dass jeder ein eigenes Rücklagenkonto mit ein wenig Geld hat. „Eine Frau hat mal zu mir gesagt, das sei ja dann das Fluchtkonto. Ich fand’s ein bisschen makaber“, sagt sie. „Aber ja, das ist finanzielle Unabhängigkeit.“ So könne jeder gehen, wenn er gehen möchte.

„Natürlich macht es Sinn, ein gemeinschaftliches Konto für das Projekt Familie zu haben“, sagt sie. Zu klären sei aber, wie viel Geld jeder darauf überweist. „Wenn einer in Teilzeit arbeitet, ist 50/50 unfair“, sagt sie. Auch wenn die Einkommen stark unterschiedlich sind, könne man es prozentual aufteilen.

Hat einer die Verdienerrolle inne, solle das Einkommen auf das Gemeinschaftskonto gehen. „Davon müssen alle Kosten gedeckt werden – auch die Altersvorsorge für die Person, die die Care-Arbeit leistet“, sagt sie. Die sollte eine Art Taschengeld bekommen, damit jeder ein eigenes Vermögen hat. „Schwierig finde ich, wenn die Frau Kinder- und Elterngeld bekommt, und davon 50 Prozent der Haushaltskosten trägt. Und bei ihm laufen 5000 bis 6000 Euro Nettoeinkommen weiter.“ Eventuell lohne sich da ab und zu ein Update. 

6. Aufteilung von Care- und Erwerbsarbeit

Eine der Kernfragen für Familien mit Kindern ist: Wer arbeitet wie viel? Wer kümmert sich wann um Kinder und Haushalt? Grundsätzlich sei die Frage individuell, sagt Annika Peters. Aber: „Ich würde allen – Frauen und Männern – empfehlen, den Anschluss nicht zu verpassen“.

Wenn man mal ein paar Jahre aus dem Job draußen ist, sei es enorm schwierig, wieder reinzukommen, sagt sie. Mit 60 oder 80 Prozent Teilzeit könne man zumindest den Fuß drin behalten und die Arbeitszeit wieder erhöhen, wenn die Kinder größer sind. Sie findet deshalb Modelle gut, in denen zum Beispiel beide 80 Prozent arbeiten – oder zumindest ähnlich viel. So büßen beide weniger von ihrem Gehalt ein, und beide haben etwas von ihrer Familie.

Natürlich geht auch das klassische Verteilungsmodell – die Frau bleibt zuhause, der Mann geht arbeiten. „Aber man muss sich den Konsequenzen bewusst sein und die Risiken absichern“, sagt sie. Denn: Seit 2012 gehe das Gesetz davon aus, dass man wieder arbeiten gehen kann, wenn ein Kind drei Jahre alt ist – auch, wenn man geschieden ist. „Die Frau bekommt in der Regel keinen nachehelichen Unterhalt mehr, wenn das jüngste Kind über drei ist“, sagt sie.

7. Ehevertrag

Viele dieser Dinge können Paare vor der Hochzeit in einem Ehevertrag klären. Vor allem drei Themen sind darin zu regeln:

  • Versorgungsausgleich: Werden die Rentenansprüche, die jeder im Laufe der Ehe ansammelt, am Ende aufgeteilt?
  • Vermögen: Wer hat im Laufe der Ehe was aufgebaut, und (wie) wird das ausgeglichen?
  • Unterhalt: Wie sind die Ehepartner nach einer Scheidung finanziell füreinander verantwortlich – vor allem beim nachehelichen Unterhalt und der Frage, wer wann (wieder) in welchem Umfang erwerbstätig ist?

Für wen sie einen Ehevertrag empfehlen würde: „Ich finde, es ist immer ein Blick wert. Denn letztlich gehen die Leute zum Standesamt und akzeptieren automatisch rund 300 Paragrafen Eherecht aus dem BGB, die die meisten nie gelesen haben“, sagt sie. „Ein Ehevertrag bedeutet: Wir entscheiden uns bewusst für eigene Regeln – statt für die gesetzlichen.“

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