Baubürgermeister Pätzold will das Gespräch mit der Eigentümerin, die in finanziellen Nöten ist. Wie viel das Gelände neben dem Autobahnkreuz Stuttgart kosten könnte, ist ungewiss.

Die Stadtverwaltung sollte nach dem Willen einer Gemeinderatsmehrheit bezüglich des ehemaligen IBM-Campus schleunigst aktiv werden und nach Auffassung der SPD das Areal gegebenenfalls in ihr Eigentum bringen – und daraus zieht die Stadtverwaltung jetzt auch Konsequenzen.

Städtebaubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) sagte unserer Zeitung, das große Areal mit Bestandsbauten nach Entwürfen von Egon Eiermann sei „für uns ein wichtiges und großes Konversionsprojekt mit einem Potenzial für rund 1800 Wohneinheiten“. Angesichts der finanziellen Probleme des derzeitigen Eigentümers, der Adler-Group, sei es aus Sicht der Verwaltung unrealistisch, dass die Bebauung noch bis zur Internationalen Bauausstellung 2027 Stadt Region Stuttgart (IBA) umgesetzt werde. In der Situation werde man nun in Gespräche mit der Adler-Group und ihrer Tochter Consus Real Estate gehen – auch mit dem Wunsch, dass die Stadt die Flächen in ihr Eigentum bringt.

Verkauf wird für Adler-Group offenbar ein Thema

Dass der Verkauf in der Adler-Group ein Thema sein dürfte, hat sich erhärtet. Laut dem Online-Branchendienst Thomas Daily hat der Verwaltungsratschef Stefan Kirsten bei der Hauptversammlung der Adler-Group eingeräumt, dass der Konzern wohl auch die Veräußerung weiterer Immobilien in Betracht ziehen sollte, um anstehende finanzielle Verpflichtungen zu bedienen. Offenbar sei man im Adler-Führungsteam bereit, so Thomas Daily, gegenüber den Buchwerten in der jüngsten Bilanz bei solchen Verkäufen auch moderate Verluste hinzunehmen.

Mit welchem Preis wäre dann wohl für das IBM-Areal zu rechnen? Darüber kann im Moment nur spekuliert werden. Das Areal hat mehrmals den Eigentümer gewechselt. Wie viel die Adler-Group dafür bezahlte, wurde öffentlich nicht bekannt. Die Stadt hat immerhin einen Schlüssel für die Entwicklung in der Hand – dafür braucht es nämlich einen neuen Bebauungsplan. Der jeweilige Eigentümer hat für die Erneuerung der denkmalgeschützten Eiermann-Bauten auch mit Kosten in deutlich dreistelliger Millionenhöhe zu rechnen. Immobilienexperten schätzen, dass sich die Gesamtaufwendungen für die Baumaßnahmen in dem Areal auf rund eine Milliarde Euro summieren dürften.

Bebauungsplanverfahren ist gestoppt

Nach dem Bekanntwerden der finanziellen Turbulenzen bei der Adler-Group hat Bürgermeister Pätzold das Bebauungsplanverfahren auch gleich gestoppt, denn ein neues Baurecht für das Gelände würde dessen Wert erhöhen. Das Vorhaben neben dem Autobahnkreuz Stuttgart ist nach dem Rosensteinviertel das zweitgrößte Wohnungsbauprojekt der Landeshauptstadt.