Finanzkrise „Läuft gegen Wände“ – Eltern kritisieren Stadt wegen Kitaschließung

In Esslingen sollen fünf Kitas geschlossen werden. Dagegen laufen betroffene Eltern Sturm. Foto: Uwe Anspach/dpa

Die Stadt Esslingen möchte fünf kleine Kitas schließen. Nun melden sich betroffene Eltern aus Sulzgries zu Wort.

Reporter: Petra Pauli (pep)

Die geplante Schließung von insgesamt fünf eingruppigen Kindergärten in den Stadtteilen Sulzgries, Berkheim, Serach und Sirnau stößt bei den betroffenen Familien auf Kritik. Bereits vor der jüngsten Gemeinderatssitzung hatten viele Eltern für den Erhalt ihrer Einrichtungen demonstriert. Nun geht zusätzlich der Elternbeirat der Kita Sulzgrieser Straße 124 mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit. In Sulzgries sei das Unverständnis für die geplante Sparmaßnahme groß. In dem Stadtteil habe es jahrelang einen Mangel an Plätzen gegeben und Familien hätten oft monatelang auf einen Platz warten müssen. Die Eltern befürchten nun, dass durch die Schließung Familien erneut unter Druck geraten. „Vielen betroffenen Kindern fehlt durch die lange Wartezeit ohnehin schon ein ganzes Jahr voller sozialer Kontakte und frühkindlicher Bildung. Wenn diese Pläne umgesetzt werden, bricht das mühsam aufgebaute Umfeld direkt wieder zusammen“, heißt es in der Mitteilung. Ein Kita-Wechsel würde eingespielte Teams und Freundschaften zerschlagen.

 

Offensichtlich sorgt auch die Kommunikation der Stadt für Frust. Dort gebe es keine Offenheit für die Belange von Eltern und Kindern. „Man läuft gegen Wände und wird komplett allein gelassen“, zitiert der Elternbeirat einige betroffene Familien. Die Elternvertreter betonen, wie wichtig eine kleine Kita sei. „In einem familiären Umfeld finden die Kleinsten die Geborgenheit und Stabilität, die Großkitas oft nicht im selben Maße bieten können“, heißt es in der Mitteilung. Der Elternbeirat unterstreicht zudem die aus seiner Sicht vorbildliche Integrationsarbeit der Sulzgrieser Einrichtung und führt diese auf das weitreichende pädagogische Konzept des Teams zurück.

Die Verwaltung würde mit den Kitaschließungen falsche Prioritäten setzen. Neben PR-Projekten wie beispielsweise der Vermarktung eines Esslingen-Monopolys sorgt auch eine fünfte Bürgermeisterstelle für Empörung. Zwar ist die Stadt nach massiver öffentlicher Kritik von der Einführung dieser Stelle wieder abgerückt. „Dass über solche Posten überhaupt nachgedacht wurde, während gleichzeitig die Schließung von Kitas vorbereitet wurde, empfinden viele Eltern als zutiefst ungerecht“, heißt es in dem Schreiben. Der Wegfall der Kita könnte zudem das soziale Gefüge in Sulzgries zerstören. Der Generationendialog sei ein wichtiger Teil der pädagogischen Arbeit in der Einrichtung Sulzgrieser Straße 124 , betonen die Eltern. So besuchen die Kinder beispielsweise regelmäßig das benachbarte Altenheim.

Die geplanten Kita-Schließungen sind Teil eines Sparpakets, über das der Gemeinderat Ende Juli entscheiden wird. Die Vertreter der Verwaltung hatten im jüngsten Betreuungsausschuss jedoch betont, dass nicht nur die prekäre Finanzlage, sondern auch die weiter zurückgehenden Kinderzahlen die Schließung von Kitas rechtfertigen würden. Laut dem digitalen Kita-Finder der Stadt gibt es mit der Kita Sulzgrieser Straße 124 in Sulzgries derzeit fünf Betreuungseinrichtungen in städtischer oder privater Trägerschaft.

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