Finanzmesse Invest in Stuttgart Nichts für Fans von Sparbüchern

Von  

Auf der Stuttgarter Messe Invest diskutieren Anleger und Experten über Vor- und Nachteile unterschiedlicher Investmentformen. Kryptowährungen wie Bitcoin stehen im Fokus. Die Börse Stuttgart will den Handel mit digitalem Geld erleichtern.

Eigentlich gibt es gar keine Bitcoins zum Anfassen. Diese Exemplare auf der Invest sind aus Schokolade. Foto: Messe Stuttgart
Eigentlich gibt es gar keine Bitcoins zum Anfassen. Diese Exemplare auf der Invest sind aus Schokolade. Foto: Messe Stuttgart

Stuttgart - Die zugegebenermaßen nicht repräsentative Umfrage am Eingang der Messehalle 4 spricht eine deutliche Sprache: „Ich investiere nur in Aktien“, sagt Bernd Himmelsbach. Dann schiebt der 76-jährige Messebesucher noch trotzig zur Erklärung hinterher: „Wieso sollten andere mit meinem Geld reich werden?“ Auch Matthias Riep aus Tübingen hält, trotz seines vergleichsweise jungen Lebensalters von 35 Jahren, nichts von Kryptowährungen als Anlageinstrument: „Da steht mir zu wenig dahinter“, sagt er. „Es ist doch besser, mein Geld in Firmenanteile anzulegen, hinter denen tausende Mitarbeiter stehen, die sich darum kümmern, das Unternehmen voranzubringen – und letztlich mein Geld zu vermehren“, erklärt Riep.

Diese zwei überzeugten Kleinaktionäre und Besucher der Anlegermesse Invest in Stuttgart sind schon länger am Aktienmarkt unterwegs. Sie gehören damit nicht zu den rund eine Million Deutschen, die im vergangenen Jahr den Geschmack an den Geldanlagen Aktie oder Aktienfonds gefunden haben. Die jahrelange Niedrigzinsphase hat nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts schließlich doch dazu geführt, die deutschen „Aktienmuffel“ aus der Deckung zu locken. So hatten im Jahresdurchschnitt 2017 gut zehn Millionen Bundesbürger entweder Geld in Aktien oder Aktienfonds oder in beides investiert – mehr waren es zuletzt im Jahr 2007, noch vor der Finanzkrise.

Neue App der Börse Stuttgart ermöglicht Krypto-Währungs-Kauf

Eine anderes Einstiegsmotiv als die Not vor der schleichenden Enteignung schwebt Alexander Höptner vor. Der 47-Jährige ist Sprecher der Geschäftsführung der Boerse Stuttgart GmbH und dort unter anderem für IT-Themen zuständig. Er sieht in sogenannten Kryptowährungen, so spekulativ sie zweifellos sein mögen, auch ein Instrument für den spielerischen Einstieg in den Anlagemarkt: „Das Risikobewusstsein der nach 2000 geborenen Millennials ist ein völlig anderes“, sagt Höptner. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie in klassische Anlageformen investieren, sei jedoch gering.

Um ihnen das Experimentieren mit Kryptowährungen zu erleichtern, bringt die Börse bis zum Herbst eine App auf den Markt, deren Prototyp am Freitag am Messestand vorgestellt wurde: Die App „Bison“ des Fintechs Sowa Labs – eine Tochter der Boerse Stuttgart Digital Ventures – ermöglicht es, die vier derzeit gebräuchlichsten Kryptowährungen – Bitcoin, Ether, Litecoin und Ripple – über das Smartphone „gebührenfrei, unkompliziert und sicher zu handeln“, verspricht Höptner. Es ist die weltweit erste Krypto-App, hinter der eine traditionelle Wertpapierbörse steht.

Nicht nur beim Co-Veranstalter der Finanzmesse ging es am Freitag um virtuelle Währungen. Bei einer Podiumsdiskussion charakterisierte Oliver Flaskämper, Chef der größten deutschen Krypto-Plattform Bitcoin.de, den typischen Käufer: „Er hat keine schwachen Nerven und ist kein Fan von Sparbüchern.“ Vom aktuellen Kurs, der mit rund 8000 US-Dollar deutlich unter dem Höchststand von rund 20 000 Dollar aus dem vergangenen Dezember liegt, lässt sich Flaskämper nicht beeindrucken: „Der Bitcoin wird das digitale Gold bleiben.“ Es gebe viele Anleger, die darüber nachdenken würden, sich Bitcoins ins Portfolio zu holen. Ein Vorteil sei, dass Gewinne genau wie bei Gold, Oldtimern oder Gemälden momentan steuerfrei sind, wenn die Kryptowährung länger als ein Jahr gehalten wird.

Teuerste Münze der „Wiener Philharmoniker“ kostet 1100 Euro

Von einer ganz jungen, hoch riskanten und bislang wenig regulierten Geldanlage zu einer, die wahrscheinlich zu den ältesten der Welt gehört, sind es in der Messehalle 4 nur wenige Schritte. Am Stand der Münze Österreich AG sind die „Wiener Philharmoniker“ aus purem Gold in fünf verschiedenen Größen zu besichtigen. Die größte Münze, eine Unze, wiegt 31,1 Gramm und war am Freitag knapp 1100 Euro wert. Im Prospekt des Unternehmens, einer Tochter der Oesterreichischen Nationalbank, heißt es: „Gold hat seit 5000 Jahren seine Kaufkraft behalten.“ Doch auch der Kurs kann gehörig schwanken, sodass Experten Anlegern raten, nur höchstens fünf Prozent ihres Geldes in Edelmetalle zu investieren.

Wer weder mit Aktien noch mit virtuellen oder echten Münzen etwas anfangen kann, dem bietet Bernd Müller eine Alternative: Der frühere Daimler-Vertriebsmanager verkauft Teakholzplantagen in Costa Rica und ist damit Stammgast auf der Invest. Kunden von Costa Tierra erwerben für mindestens 50 000 Euro Land „und wir bewirtschaften es für Sie“, erklärt der 55-Jährige. Die jährliche Rendite betrage rund sieben Prozent, der Anlagehorizont etwa 15 Jahre – in dem der Investor auch einen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leistet.