„Am Anfang war das furchtbar“, sagt Samu Haber über seine Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache bei „The Voice of Germany“. Foto: Universal/Janita Autio
Samu Haber, Ex-Frontmann der Band Sunrise Avenue, verrät, warum er 2026 seinen 50. Geburtstag in Berlin feiert und was ihm bei „The Voice of Germany“ am meisten genervt hat.
Er ist der Ed Sheeran Finnlands, Samu Haber – ein Superstar, der überhaupt nicht wie ein Superstar wirkt. Bei seiner Sommer-Open-Air-Tour gastiert der Ex-Frontmann von Sunrise Avenue am Freitag, 25. Juli, auf der Freilichtbühne Killesberg in Stuttgart. Im Gespräch lobt er Stuttgart, erzählt von seinen Mühen mit der deutschen Sprache und verrät, welchen deutschen Song er trotzdem gerne einmal covern möchte.
Samu Haber, im Oktober 2024 waren Sie zuletzt in Stuttgart – im Club Longhorn. Gibt es etwas, das Ihnen an Stuttgart oder dem Publikum dort besonders in Erinnerung geblieben ist?
Absolut! Jedes Mal, wenn ich in Stuttgart bin – sei es früher mit Sunrise Avenue bei großen Arena-Konzerten oder jetzt im Longhorn –, ist das Publikum einfach extrem laut und energiegeladen. Ich habe wirklich das Gefühl, Stuttgart ist so etwas wie die Rock’n’Roll-Hauptstadt Deutschlands.
Das Longhorn ist aber auch ein cooler Club.
Total! Selbst meine finnischen Crew-Mitglieder waren begeistert. Die haben gesagt: „So Clubs gibt’s nirgendwo sonst auf der Welt!“ Es ist ein besonderer Ort mit einer richtig coolen Atmosphäre.
Sie waren 20 Jahre der Sänger von Sunrise Avenue. In all den Jahren hat sich die Musikindustrie ziemlich verändert.
Und wie. Alles ist digital, die Aufmerksamkeitsspanne liegt heute bei 16 Sekunden. Aber im Kern glaube ich: Wenn du echt bist, wenn du gute Songs hast und diese live ehrlich performst, dann funktioniert das immer noch. Der Wettbewerb ist härter – jede Woche erscheinen 300 000 neue Songs –, aber ich glaube an gute Musik. Was sich nicht geändert hat: Wenn du das Publikum verarschst, merkt es das sofort.
Seit 2013 waren Sie auch immer wieder Coach bei „The Voice of Germany“ Gab es auch Dinge, die Sie an der Show genervt haben – etwa, dass Sie Deutsch sprechen mussten?
Am Anfang war das furchtbar! Selbst die Anweisungen wie „Wohin soll ich schauen?“ oder „Was soll ich anziehen?“ – alles auf Deutsch. Es war echt anstrengend. Aber später wurde es besser. Das Einzige, was manchmal genervt hat, waren die langen Tage – 13 Stunden im Studio, dann eine kurze Pause, und plötzlich ist wieder die Kamera im Gesicht und du musst strahlen. Aber ehrlich: Es war eine große Ehre, mit diesen tollen Menschen zu arbeiten. Es gibt eigentlich keine echten Schattenseiten.
Und Deutschland hat Sie seither ins Herz geschlossen. Nächstes Jahr feiern Sie Ihren 50. Geburtstag – in Berlin. Warum dort?
Deutschland hat mein Leben verändert. Meine Träume wurden hier wahr. Ich habe hier so viele schöne Erfahrungen gemacht, ob in Berlin, Stuttgart oder Mönchengladbach. Ursprünglich dachte ich, das Konzert in Helsinki zu machen. Aber die großen Arenen waren an dem Tag belegt – und unsere größte Arena hier in Helsinki gehört russischen Investoren, sie kann aktuell wegen Sanktionen nicht genutzt werden. Also wurde es Berlin. Ich habe dort allein für „The Voice“ über 600 Nächte verbracht – es ist fast wie meine zweite Heimat.
Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen Deutschland und Finnland?
In Finnland gibt es keine Autobahnen, auf denen man richtig schnell fahren darf! Wir sind ein bisschen besser im Eishockey, ihr im Fußball. Sonst ist alles recht ähnlich.
Ihr Soloalbum „Pelastetaan Maailma“ war 2022 ein großer Erfolg in Finnland. Wie fühlt es sich an, auf Finnisch zu singen?
Es war auf jeden Fall eine spannende Erfahrung, weil ich vorher nie ernsthaft auf Finnisch geschrieben habe – zuletzt als Teenager. Danach habe ich auf Englisch geschrieben, wegen meiner internationalen Träume. Die finnische Sprache erlaubt so viele kleine Nuancen. Aber die Verbindung zum englischsprachigen Publikum ist ebenfalls sehr stark. Ich bin einfach dankbar, dass ich beides machen darf – und ich werde auch beides weitermachen.
Werden Sie in Stuttgart auch mal einen Song auf Finnisch singen?
Alle fragen mich das! Ich weiß es noch nicht. Wäre das nicht komisch?
Mir würde es gefallen, selbst wenn ich nichts verstehe. Vielleicht als Zugabe?
Vielleicht probieren wir das bei einem Konzert auf der Tour mal aus – und wenn es total schiefgeht, lassen wir’s gleich wieder.
Ich bin zuversichtlich, dass das gut gehen wird. Auch weil Sie auf der Bühne stets wie ein Energiebündel wirken. Was ist Ihr Geheimnis?
Die Vorbereitung fängt Monate vorher an. Ich trainiere fast jeden Tag – besonders Kampfsport. Vor einem Konzert mache ich etwas Leichtes, wie Badminton, einfach um den Körper in Schwung zu bringen. Viel Wasser trinken, gut essen – und dann: genießen! Man muss Energie auf der Bühne haben, sonst funktioniert es nicht.
Und was kommt als Nächstes? Vielleicht ein deutsches Album?
Genau das fragt mich meine Plattenfirma auch immer! Ich finde, ein deutscher Song wäre lustig – aber ich weiß es noch nicht. Ich will mir eine kreative Pause gönnen, ich will wieder Songs schreiben – aber ohne Druck. Was nach meinem großen Geburtstagskonzert am 2. April 2026 in Berlin passiert, weiß ich noch nicht: Kein Plan! Keine Termine!
Wenn Sie einen deutschen Song covern müssten – welcher wäre es?
Hm, wie heißt der noch … (summt eine Melodie). „Junge“ von Die Ärzte! Der ist super!